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des Rhythmus, deſſen hoͤhere Grazie mit der Poeſie ein Herz, eine Seele iſt, zu vergleichen ſein; unſere Verſe erhalten doch durch ſie zu ihrem edeln und freien Rhythmustanze noch das Muſikaliſche des Tones und wirken dadurch beſonders angenehm auf das Gemuͤth. Wegen dieſer Eigenthuͤmlichkeit des Reimes auf das Gemuͤth zu wirken und Gemuͤthliches auszudruͤcken, findet er ſich am ge⸗ woͤhnlichſten in der lyriſchen Poeſie„mit ihrer launiſchen Subiectivitaͤt.“—
Unſere Mutterſprache hat den Reim mit den uͤbrigen modernen Sprachen Europas gemeinſchaftlich. Sie kann aber denſelben, da ihr Rhythmusgeſetz ein ſcharf ausgepraͤgtes, beſtimmtes iſt, leicht miſſen; wogegen er den uͤbrigen, be⸗ ſonders der franzoͤſiſchen Sprache, faſt unentbehrlich ſcheint. Vielen der neuern, europaͤiſchen Sprachen mangelt naͤmlich der Rhythmus beinahe gaͤnzlich, und ſie ſuchen dieſem Mangel durch den muſikaliſchen Klang des Reimes einigermaſſen abzuhelfen. Am meiſten ſieht ſich die franzoͤſiſche hierzu genoͤthigt. Sie ſteht, was Rhythmuslo⸗ ſigkeit anbelangt, an der Spitze; denn in ihr ſind alle in der Natur des Menſchen tief begruͤndete Betonungsgeſetze dermasſen in den Gewohnheiten„eines oberflaͤch⸗ lichen Kauderwelſch geſchwaͤtziger Pronunciation“ untergegangen, daß die Syl⸗ ben gar nicht mehr, weder nach aͤußerm noch nach innerm Gehalte, gemesſen, ſondern nur noch gezaͤhlt werden. Der Grund von dieſer Erſcheinung moͤchte ſich wol in dem Umſtande finden laſſen, daß die franzoͤſiſche Sprache nicht eine aus dem geiſtigen Inhalte des Volks hervorgehende Organiſation, ſonach nicht der adaͤquate Ausdruck der Bewegung eines ſelbſtſtaͤndigen, individuellen Volks⸗ lebens iſt, wie es die Stammſprachen ſind. Zu dieſem Mangel au Selbſtſtaͤn⸗ digkeit und Urſpruͤnglichkeit kommt nun noch, daß ſelbſt das Betonungsſyſtem derjenigen Sprache, aus deren Elemente ſie ſich gebildet hat, bei ſeiner Ueber⸗ tragung ſich allmaͤhlich durch die Bequemlichkeit der Sprachorgane verwiſchte, wie diß bei den meiſten in dem Mittelalter aus dem Lateiniſchen entſtandenen, mo⸗ dernen Sprachen Statt gefunden hat. Wie die Betonungsweiſe der Woͤrter mit dem geiſtigen Leben des Volkes auf das innigſte zuſammenhange, zeigt ſich ſelbſt inſofern an der franzoͤſiſchen Sprache, als ſie den Ton uͤber die bedeutſamen Stammſylben, die nicht als organiſch mit ihrem Geiſte verbunden, ſondern als mechaniſch derſelben angefuͤgt da ſtehen, hingleiten und in den Endſylben geſam⸗ melt hervortreten laͤßt. Denn da ſie die Stammbegriffe ſelbſt nicht als ihr Ei— genthum anſehen kann, ſo hat ſie ihre ganze Bildungsthaͤtigkeit auf die Modifi⸗ cationen derſelben gerichtet, und dieſe Modificationen treten in den Endſylben am ſtaͤrkſten hervor; ſie ſind das Eigenthum der franzoͤſiſchen Sprache. In die⸗ ſem Umſtande hat man mit Recht den Grund von der jambiſirenden Richtung der franzoͤſiſchen Sprache gefunden..
Anders verhaͤlt es ſich, um nur noch eine der modernen Sprachen zu beruͤhren, mit der engliſchen Sprache. Sie hat Rhythmus. Das Rhythmusprinzip des geiſtigen Inhalts der Woͤrter, wie es die deutſche Sprache durchweht, iſt in ſie hinuͤber⸗ genommen worden, da ſie hauptſaͤchlich auf deutſchem Elemente ſich aufgebildet hat: allein dieſes Princip iſt ſo regellos in Anwendung gekommen, daß alle Objec⸗


