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meriſchen Gedichte ſind das unuͤbertroffene Muſter dieſer objectiven Dichtungsart. Anders verhält es ſich mit der modernen Kunſt, zumal der Poeſie; denn ſie wird beherrſcht von der modernen Weltanſchauung, in welcher nicht mehr die ſinnliche, concrete Anſchauung als die herrſchende, ſondern neben ihr der reflexio⸗ nirende Verſtand ſich geltend macht. Alles außer dem Geiſte Seiende wird nicht mehr als ſolches erkannt und, wie es an und fuͤr ſich iſt, dargeſtellt; der den⸗ kende Geiſt ſucht vielmehr nur ſich ſelbſt in der Innen⸗ und Außenwelt zu er⸗ kennen, ſich ſelbſt zu finden und aus ſich ſelbſt die Welt zu begreifen und darzu⸗ ſtellen. Er reflectirt daher uͤber Alles, indem er es auf ſich ſelbſt bezieht, als auf den Archimediſchen Punkt, von dem aus die Welt erkannt und beherrſcht wird. Deßhalb macht ſich in der Poeſie der modernen, beſonders der germaniſchen Welt*) die Subjectivitaͤt des Dichters entweder durch hervordringende Senti⸗ mentalitaͤt oder durch Reflexion uͤber das zu behandelnde Object geltend. Schil⸗ ler ſpricht ſich daruͤber in ſeiner Abhandlung„uͤber naive und ſentimentale Dich⸗ tung“ mit folgenden Worten aus: Durch die Bekanntſchaft mit neueren Poeten verleitet, in dem Werke den Dichter zuerſt aufzuſuchen, ſeinem Herzen zu begegnen, mit ihm gemeinſchaftlich uͤber ſeinen Gegenſtand zu reflectiren, kurz, das Object in dem Subjecte anzuſchauen, war es mir unertraͤglich, daß der Poet— es iſt von Shakeſpeare die Rede— ſich gar nirgends faſſen ließ und mir nirgends Rede ſtehen wollte.— Ich war noch nicht faͤhig, die Natur aus der erſten Hand zu verſtehen; nur ihr durch den Verſtand reflectirtes Bild konnte ich ertragen u. ſ. w.“ Darauf ſtellt Schiller zwei Stellen, die eine aus einem modernen Schriftſteller, aus Arioſt's raſendem Roland, die andere aus Homers Iliade neben einander und faͤhrt nach dem Citate aus Homer auf folgende Weiſe fort: Schwerlich duͤrfte ein mo⸗ derner Schriftſteller auch nur bis hierher(wo ſich Glaukos und Diomedes Freundſchaft geloben) gewartet haben, um ſeine Freude an dieſer Handlung zu bezeugen. Wir wuͤrden es ihm um ſo leichter verzeihen, da auch unſer Herz beim Leſen einen Stillſtand macht und ſich von dem Objecte gern entfernt, um ſich ſelbſt zu ſchauen.“— Wegen dieſes Hervortretens der Subjectivitaͤt des Dich⸗ ters iſt die Lyrik, die einen gaͤnzlich ſubjectiven Charakter hat und deßhalb auf
*) Ch. Nodier ſagt in ſeiner Schrift: des types en litérature: Les Allemands qu'un penchant orgapique a la mysticité entraine toujours vers le spiritualisme, étaient moins pro- pres à comprendre et à fixer les images de la vie sociale daus ses réalités absolues. L'élan de leur psychisme réveur les porte vers un monde plus idéal. L'homme qui-
test disparait pour eux devant l'homme qui sera, ou devant homme qui devrait étre. Wenn Ch. Nodier der deutſchen Poeſie eine groͤßere Innerlichkeit und Tiefe und damit auch etwas mehr Subjectivitaͤt, als der Poeſie der andern modernen Nationen zu⸗ ſchreibt, ſo hat er ganz Recht; dagegen hat er ganz Unrecht, wenn er der franzoͤſiſchen Poeſie und andern eine der antiken naheſtehende Objectivitaͤt zu vindiciren ſucht.


