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weit von einander verſchieden waren; ſo mußte diß nicht allein den ſtaͤrkſten Widerſpruch zwiſchen Wort⸗ und Versaccent; ſondern auch ſelbſt eine große Ver⸗ ſchiedenheit der proſaiſchen und poetiſchen Satzſtructur hervorrufen. Beides zeigt ſich am deutlichſten in der griechiſchen Sprache: in keiner Sprache findet ſich ein ſchaͤrferer Widerſpruch zwiſchen Wort⸗ und Versaccent, als in ihr; in keiner finden ſich kuͤhnere Veraͤnderungen der natuͤrlichen Satzſtructur.
Weder jene große Verſchiedenheit der poetiſchen und proſaiſchen Satzſtructur findet ſich in unſerer Mutterſprache, noch auch der Widerſpruch zwiſchen Wort⸗ und Versaccent. Dieſer iſt in ihr ganz gehoben. Die Accentuation der Sylben be⸗ ruht naͤmlich in der deutſchen Sprache auf ihrer geiſtigen Bedeutſamkeit und Wichtigkeit; und dieſes Accentuationsprinzip iſt Geſetz fuͤr Proſa und Poeſie; daher iſt in ihr der Versaccent auch regelmaͤßig Wortaccent. Es kann alſo bei unſerer Mutterſprache von einer Quantitaͤt im antiken Sinne— obgleich auch in ihr zur Vermeidung von Haͤrten und zur Hervorbringung von Wolklang das tiefbegruͤndete Geſetz der Poſition der griechiſchen und lateiniſchen Sprache beruͤck⸗ ſichtigt werden kann— nicht die Rede ſein; denn die Quantitaͤt ihrer Sylben iſt nicht eine durch die Zeitdauer der Ausſprache, ſondern durch das Gewicht ihres geiſtigen Gehaltes beſtimmte. Wir wägen die Sylben nach ihrem Gehalt und heben die relativ gehaltvollſte durch den Ton hervor. Die relativ groͤß⸗ te Wichtigkeit der Gedanken und die Hervorhebung dieſer Wich⸗ tigkeit durch den Ton iſt Baſis des deutſchen Rhythmus. Dieſer erſcheint ſonach als ein Wechſel von Hoͤhen und Tiefen des Tones, die aus dem innern Sinne der Sylben hervorgehen und ſich demſelben anſchließen. Ueberall iſt es der Geiſt, der durchklingt und die koͤrperliche Maſſe der Sylben beherrſcht und beſtimmt; uͤberall alſo geiſtiges Leben und geiſtige Bewegung. Wo der Geiſt ſpricht, da toͤnt die Sprache, da feſſelt ſie die Aufmerkſamkeit des Hoͤrenden, weil ſie ſelbſt ihre Aufmerkſamkeit dahin lenket, oder weil der Gedanke an ſich die Aufmerkſamkeit fordert. Der Sprachrhythmus iſt nur adaͤquater Ausdruck des Gedankenrhytmus; denn der Gedanke gibt den Maßſtab fuͤr die Accentuation; dieſe reſultirt aus jenem. Nach dieſem Rhythmusgeſetze ſind demnach im deut⸗ ſchen alle Sylben, die nur Zufaͤlligkeiten, ſei es in Beziehung auf Zeit, Perſon, Zahl, Geſchlecht oder auf andere Nebenumſtaͤnde ausdruͤcken, unbetont(kurz); betont(lang) ſind alle Sylben, die den Hauptbegriff in ſich einſchließen; bald betont, bald unbetont ſind dagegen die Sylben, die nach Umſtaͤn⸗ den als Hauptbegriffe oder als Beſtimmungen der Hauptbegriffe dargeſtellt wer⸗ den koͤnnen. So ſind einſylbige Subſtantive, Adjective, Verben ſtets betont; Conjunctionen, Praͤpoſitionen u. a. bald betont, bald unbetont, weßhalb man ſie proſodiſche Laͤngen vom zweiten Range genannt hat; unbetont ſind aber Vor⸗ und Nachſylben..
Da nun nach dem Vorhergehenden dasſelbe Rhythmusprincip fuͤr die deutſche Proſa und Poeſie gilt, ſo braucht bei der Umbildung 85 Wort⸗ zu


