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Weſen mit einander in Verbindung geſetzt und von der vernunftloſen Welt ab⸗ geſondert werden; ſie iſt auch, als Ausdruck eines beſtimmten Volkslebens, das Beſondere, wodurch die Menſchen ſich von einander(in Nationen) ſcheiden und unterſcheiden. Aber auch in dieſer Beſonderung der Sprache in Sprachen er⸗
gen der Vernunft in allen Sprachen objectivirt haben, ſohin als das in Betracht kommen muͤſſen, durch welches die Menſchen, trotz der Geſchiedenheit in Nationen, mit einander verbunden ſind. Diß iſt das apriori in den Sprachen, wogegen Dasjenige, wodurch ſie ſelbſtſtaͤndige Sprachen werden, alſo ihre Individualitaͤt,
Goͤttlichkeit an ſich, indem dieſelbe mit kraͤftigem Bildungstriebe aus lebendigem Keime organiſch ſich entwickelt, ſich nach einer Norm entwickelt hat, deren tiefe Weisheit der forſchende Denker anſtaunen, aber nur als etwas von Gott Gegebenes begreifen kann. Die Sprache hat das Geſetz ihrer Entwickelung und Geſtaltung in ſich ſelber, alſo als Etwas durch die Intelligenz des Schoͤpfers Geſetztes. Mag auch die fortſchreitende Kultur*) auf die Bildung der Sprachen eigewirkt haben,„ſie konnte ihr doch Nichts geben, was nicht ſchon urſpruͤnglich in ſie hineingelegt war.“ Man verkennt daher, wie ſich ein tiefdenkender Sprachfor⸗ ſcher ausdruͤckt, die organiſche Einheit der Intelligenz und der Sprache, wenn man glaubt, die Kultur habe den urſpruͤnglich durch Nachahmung von Natur⸗ lauten gewonnenen, aber noch formloſen Stoff verſtaͤndig geſtaltet und vervielfaͤl⸗ tigt, um einem fuͤhlbar gewordenen Beduͤrfniſſe abzuhelfen. Alles, was in Wort und Form ſich nicht organiſch nach dem ihm vom Schoͤpfer eingebornen Bil⸗ dungstriebe von Innen entwickelt, ſondern von einer bewußten Intelligenz erfun⸗ den wird, geht entweder nie, oder doch gleichſam wider ihren Willen in die Sprache des Volkes uͤber.— Die Sprache kann ſonach nicht als ein Kunſt⸗ produkt des Menſchen angeſehen werden; ſie iſt die nothwendige Mani⸗
*) dis Menſchen werden mehr durch die Sprache gebildet, als die Sprache von den Menſchen. Fichte.


