Aufsatz 
Vergleichende Grammatik : und ihre Verwertung für den neusprachlichen Unterricht an höheren Lehranstalten, zunächst auf dem Gebiete des Französischen / von H. Behne
Entstehung
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Unter den Forderungen, die von dazu berufener Seite an die Methode des neuſprachlichen Un⸗ terrichts an höheren Lehranſtalten(Gymnaſien und Realſchulen I. O.), wenn dieſelbe der wiſſenſchaftlichen Behandlung der Sprache und damit der formalen Bildung unſerer Jugend dienen ſoll, in der Gegenwart geſtellt werden, ſteht die des engen Anſchluſſes an die lateiniſche Grammatik, namentlich für das Franzö⸗ ſiſche, oder doch der eingehenderen vergleichenden Rückſichtnahme auf die altklaſſiſchen und neueren Idiome in vorderſter Reihe. Unter den dieſen Gegenſtand in Zeitſchriften und Programmen behandelnden Er⸗ örterungen iſt die in Nr. 8 des pädagog. Archivs von 1871 erſchienene Abhandlung des Dr. L. Kühnaſt, Profeſſors am Gymnaſium zu Marienwerder, ohne Zweifel eine der bedeutendſten, hervorragend durch Gründlichkeit und ſachgemäße und praktiſche Behandlung. Die aus ihr wie unter andern auch aus J. Baumgarten's trefflichem Aufſatze in K. A. Schmid's Encyklopädie II. Bd. gewonnene Anregung be⸗ feſtigte nur um ſo mehr bei mir die Ueberzeugung, daß der neuſprachliche Unterricht, durch ſyſtematiſche vergleichende Rückſichtnahme auf die Grammatik der altklaſſiſchen, ganz beſonders der lateiniſchen, wie auch der deutſchen Sprache, auf dem elementaren, und mehr noch auf dem ſyntaktiſchen Gebiete für die Aufgabe des grammatiſchen Unterrichts an den höheren Schulen ſowohl in Bezug auf den Umfang des auf der unteren und mittleren Stufe zu bewältigenden Penſums, als auf das im neuſprachlichen Unterricht überhaupt zu erreichende Ziel(ſ. Reglem. f. d. Abiturientenprüfung v. 6. Octbr. 1859) mannigfache Vorteile zu gewähren geeignet erſcheint, ſo namentlich zu Gunſten der Vereinfachung der Regelmenge wie der Zeiterſparnis.

Wenn ich nach dieſen einleitenden Bemerkungen in die noch nicht geſchloſſenen Debatten eintrete mit dem Wunſche, mein beſcheiden Teil zur Klärung dieſer für die Methode des neuſprachlichen Unterrichts ſo hochwichtigen Frage mit beitragen zu können, ſo bedarf es zuvörderſt der Rechtfertigung meinerſeits über die dieſem Aufſatze gegebene Ueberſchrift, die auf den erſten Blick geeignet erſcheint, größere Erwar⸗ tungen zu erwecken, als ich zu befriedigen weder willens noch imſtande bin. Weiß ich doch ſehr wohl, daß vergleichende Grammatik, an und für ſich betrachtet, als das Kind der vergleichenden Sprachforſchung wiſſenſchaftliche Geſichtspunkte und Perſpectiven in ſich birgt, die über den Kreis der Schule weit hinaus liegen. Dieſes Terrain hier zu betreten konnte mir ſchon um deswillen nicht in den Sinn kommen. Aber die dieſem Ausdrucke von mir ausdrücklich beigefügte weitere Bezeichnung beſagt deutlich, daß die durch dieſe Zeilen zu kennzeichnende Methode des neuſprachlichen Unterrichts ausſchließlich der Schule dienen und alsvergleichende, ſich die Aufgabe ſtellend, bei Behandlung der Grammatik die einzelnen namentlich ſchwierigeren Abſchnitte derſelben, da wo es möglich, durch fortlaufende vergleichende Rückſichtnahme auf die korreſpondierenden Partien des Lateiniſchen(ſpärlicher des Griechiſchen und Deutſchen) dem Verſtändnis näher zu bringen, rein praktiſche Ziele zu Nutz und Frommen von Lehrer und Schüler verfolgen will. Da nun aber dieſe hier ſo gekennzeichnete Rückſichtnahme anf die genannten Idiome ihrer Natur nach nur vergleichend ſein kann und ſoll, ſo darf ich die dieſem Aufſatze gegebene Ueberſchrift ja wohl als in ſich gerechtfertigt betrachten. Aber dievergleichende Grammatik oderkomparative Methode des neuſprach⸗ lichen grammat. Unterrichts, wie man es eben nennen will, hat, wie überall, ſo auch in dem hier bezeich⸗ neten engeren Sinne eine doppelte Aufgabe: ſie hat es keineswegs allein mit den einander ähnlichen oder

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