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„Uns zu berücken, borgt der Lügengeist Nachahmend oft die Stimme von der Wahrheit Und streut betrügliche Orakel aus“. ¹) Da muss man an die Hexen bei Macbeth denken, besonders an die Worte Banquos):; „Es ist doch seltsam, Oft, um ins Unglück uns zu locken, Künden die Werkzeuge der Finsternis uns Wahrheit, Gewinnen uns durch Ehrlichkeit im Kleinen, Uns zu verraten im Gewichtigsten“.
Neben den Weissagungen der Hexen hat Shakespeare ein Zusammentreffen von treibenden Umständen, als ob die bösen Mächte fortwährend dahinter stehn.
Macheth wird Than von Cawdor, der König ernennt seinen Sohn zum Nachfolger; das erregt Macbeth. Da verkündet der König, er wolle ihn gleich auf seinem Schlosse Dunsinan besuchen. Hier harrt Lady Macbeth. So verkünden bei Beginn von„Wallensteins Tod“ die Sterne, dass es Zeit zum Handeln sei, dann folgt die Nachricht von Sesins Gefangennahme, Illo und Terzky drängen zur That, dann erscheint Wrangel, und endlich regt die Gräfin Terzky wie Lady Macbeth den brennenden Ehrgeiz Wallensteins auf.
Wallenstein schwankt nun, weil er sehr wohl weiss, mit welcher Macht er zu kämpfen hat, mit einer Macht, die an der Völker frommem Kinderglauben mit tausend zähen Wurzeln sich befestigt. Er weiss auch, dass auf der Treue, die er verletzen will, seine eigne Kraft und Sicherheit beruht. Wird man ihm treu bleiben, wenn er Verräter wird? Dazu kommt das Gefühl, das die Unterredung mit Wrangel verstärkt hat, dass er in Abhängigkeit von den Schweden geraten werde, von ihrer Gnade leben müsse.
Wallenstein versteht die sittlichen Mächte, die ihn bedrohn, wenn er sie verletzt; er weiss, es giebt eine Vergeltung schon hier, die Erfahrung lehrts. Er hat eine höhere Weltansicht, die er sich nach seinem Ehrgeiz gemodelt hat. Jupiter ist sein Stern. Aber wenn das Unternehmen misslingt? So schwankt er, so schwankt auch Macbeth, und das ist gerade das dramatisch Wirksame.
Dem Macbeth tritt das Bild des Mordes gleich nach der Verkündigung der Hexen vor die Seele. Dies Bild erschüttert ihn, als ob ein Wahnsinn ihn erfasse. Er will es zurückweisen. Wenn das Geschick ihn zum König machen will, so soll es ihn krönen ohne sein Zuthun. Lady Macbeth fürchtet sein Gemüt, es sei zu voll von Milch der Menschlichkeit, den nächsten Weg zu gehn. Macbeth möchte das Jenseits daran wagen, wenn der Mord hier auf dieser Erdenscholle nur alles ende.
„Doch solche Thaten richten sich schon hier.
Die blut'ge Lehre wird erlernt und schlägt
Als Pein zurück auf ihn, der sie erfand;
Vergeltung setzt mit sichrer Hand den Kelch,
In den wir Gift gemischt, an unsre Lippen“. So spricht auch Wallenstein:
„Ich erwart' es, dass der Rache Stahl,
Auch schon für meine Brust geschliffen ist.
Nicht hoffe, wer des Drachen Zähne sa't,
Erfreuliches zu ernten“.
¹) Goethe(in seinen Gesprächen mit Eckermann vom 24. März 1829) bemerkt, je höher der Mensch, desto mehr stehe er unter dem Einflusse der Dämonen und er müsse nur immer aufpassen, dass sein leite nder Wille nicht auf Abwege gerate, Goethe erläutert dies an seinem Verhältnis zu Schiller. ³²) Macbeth 1. 3,


