Aufsatz 
Zu Schillers Wallenstein / von Hubert Beckhaus
Entstehung
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den Herzog veranlasste, sie zu machen. Der Plan zur künftigen Empörung war entworfen... Der Ge- brauch, den Wallenstein von seiner Armee zu machen gesonnen war, von dem Zweck freilich unendlich verschieden, zu welchem sie ihm untergeben ward erlaubte keine geteilte Gewalt. Aber wie konnte er einen Vertrag für gültig halten, der seinem Oberherrn abgetrotzt und auf ein Verbrechen gegründet war? Dieser todeswürdige Verbrecher war jetzt der unentbehrlichste Mann der Monarchie, und Ferdinand, im Verstellen geübt, bewilligte alles, was er verlangte y.

Diese Zusammenstellung aus Schillers Geschichte genügt wohl, um zu zeigen, dass der Ge- schichtschreiber sowenig wie der Dichter jene Erörterungen von Werder bestätigt. Der Kaiser ist in Not, aber Wallenstein ist der Wucherer, der die Not ausnutzt zu seinem eigenen Verderben. In der Diehtung vertritt der Kaiser die alten Ordnungen, er braucht persönlich nirgends hervorzutreten. Dem Oktavio und mit ihm vielen andern ist er nach dem Ausdruck in Schillers Briefe nächst Gott der höchste Gegenstand aller Pflichten. Die Herzogin und Thekla haben kein Wort des Vorwurfs gegen den Kaiser; es ist ihnen entsetzlich, dass Wallenstein durch eigne Schuld mit ihm zerfällt. Die Schilderung der Herzogin von ihrem Empfange am kaiserlichen Hofe ist wohl geeignet, denselben in jener Bedeutung vorzuführen, wie der Dichter ihn brauchte. Max ist gegen Wien eingenommen, weil er von Wallensteins Plänen nichts weiss und ebensowenig davon, dass sein Vater darüber nach Wien berichtet hat, was man bei der Beurteilung des Kaisers nie vergessen darf. Es ist daher natürlich, dass Max meint, man wolle dem grossen Manne aus kleinlichen Rücksichten wieder das Kommando nehmen.

Aber wenn er anfangs sagt:

Da rufen sie den Geist an in der Not, Und graut ihnen gleich, wenm er sich zeigt), so graut ihm später doch auch vor diesem Geist, als dieser sich ihm in seiner wahren Gestalt enthüllt. Da sieht er in ihm den tückischen Feuerschlund, der bei nächtlich stiller Weile sich entladet und über alle Pflanzungen der Menschen den wilden Strom in grausender Zerstörung treibts).

Schiller, der einst mit Begeisterung die französische Revolution begrüsst hatte, erfuhr durch den Gang derselben eine grosse Umwaundlung in seinem politischen Denken. Aus seinen Briefen an Köruer wissen wir, dass er sogar die Absicht hegte, zur Rettung Ludwigs XVI. eine Schrift abzufassen. Die Hinrichtung des Königs verabscheute er in den stärksten Ausdrücken. So wurde er, wie sich aus seinen spätern Schriften zeigen lässt, zu einem Gegner revolutionärer Erhebungen überhaupt. Das hat auch seinen Wallenstein beeinflusst.

C. Durch diese Widerlegung der Werderschen Ansicht ist auch eine Reihe von spätern Betrachtungen in seiner Schrift, die sich auf das Verhältnis zum Kaiser beziehn, als irrig erwiesen). Wenn z. B. von Wallenstein*) behauptet wird:Nichts quält ihn, der Abfall vom Kaiser gar nicht, so widerspricht dem schon das, was Wallenstein unmittelbar vor dem Entschluss zum Verrat bei dem Andrängen der Gräfin Terzky sagt: Einst war mir dieser Ferdinand so huldreich, Er liebte mich, er hielt mich wert, ich stand Der nächste seinem Herzen. Welchen Fürsten Hat er geehrt wie mich? Und so zu enden?!

¹) 26 ½¼(25.)*) Picc. I. 4.*) W. Tod. IHI. 18.) S§. 81, 122, 149, 152 154, 228.*) 8, 122. ) W. Tod. I. 7. 4