Aufsatz 
Zu Schillers Wallenstein / von Hubert Beckhaus
Entstehung
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Da verspricht Wallensteift, auf eigne Kosten dem Kaiser eine Armee auszurüsten und ihm selbst die Sorge für die Unterhaltung zu ersparen).

Wallenstein überschritt aber seine Vollmacht und missbrauchte offenbar die Autorität des Kaisers. Sobald er sich durch seine Truppen allmächtig wusste, hatte er auch den Gehorsam gegen den Kaiser abgeworfen. Wallenstein verwandte unglaubliche Summen für Bestechungen am Hofe des Kaisers, um sich dort seinen Einfluss zu erhalten; unmässig war auch seine Verschwendung an seine Kreaturen. Was kümmert ihn der Fluch der Provinz und das Klaggeschrei der Fürsten²)! Man würde dem Kaiser Unrecht thun, wenn man alle die Ausschweifungen seiner Armee auf seine Rech- nung setzen wollte*).

Auf einer Kurfürstenversammlung zu Regensburg 1630 waren Katholiken und Protestanten einig in den Klagen über die unerträglichen Erpressungen Wallensteins. Mit Fluten von Bittschriften, alle gegen Wallenstein gerichtet, stürmte man auf den erschrockenen Kaiser ein und erschütterte sein Ohr durch die schauderhaftesten Beschreibungen der erlittenen Gewaltthätigkeiten. Ferdinand war kein Barbar. Wenn auch nicht unschuldig an den Abscheulichkeiten, die sein Name in Deutschland verübte, doch unbekannt mit dem Ubermasse derselben, besann er sich nicht lange, den Forderungen der Fürsten zu willfahren und von seinen im Felde stehenden Heeren 18000 Mann Reiterei abzu- danken. Als diese Truppenverminderung geschah, rüsteten sich die Schweden schon lebhaft zu ihrem Einmarsch in Deutschland, und der grösste Teil der entlassnen kaiserlichen Soldaten eilte unter ihre Fahnen⁴). Diese Nachgiebigkeit Ferdinands diente nur dazu, die Gegner zu kühneren Forderungen zu ermuntern. Die Absetzung Wallensteins wurde daher von dem ganzen Kurfürstenkollegium, selbst von den Spaniern mit einer Einstimmigkeit und Hitze gefordert, die den Kaiser in Erstaunen setztes). Wallenstein erschien selbst zu Regensburg mit einem Prunk, der selbst den Kaiser ver- dunkelte und dem Hass seiner Gegner nur neue Nahrung gab. Lange Zeit konnte der Kaiser sich nicht entschliessen. Schmerzlich war das Opfer, das man von ihm forderte. Seine ganze Überle- genheit hatte er dem Herzog von Friedland zu danken; er fühlte, wie viel er hingab, wenn er ihn dem Hasse der Fürsten aufopferte. Aber zum Unglück bedurfte er grade jetzt den guten Willen der Karfürsten, um seinem Sohne die Nachfolge im Reiche zu sichern, und scheute sich nicht, seinen wichtigsten Diener aufzuopfernaè). Auch Richelieu hatte seine Hand dabei im Spiele. Auf seine Ver- anlassung wirkte besonders ein Kapuziner-Pater auf den Kaiser ein; dieser hörte in der Stimme eines Mönches die Stimme Gottes). Betrug und List triumphierte so über den Kaiser. Durch das Vorrücken der Schweden und Sachsen ist der Kaiser in die höchste Not geraten²). Wallenstein erwartet den Tag der Rache auf seinen Gütern. Von einer glühenden Leidenschaft aufgerieben, während dass eine fröhliche Aussenseite Ruhe und Mässiggang log, brütete er still die schreckliche Geburt der Rachbegierde und Ehrsucht zur Reife, und näherte sich langsam aber sicher dem Ziele.)

PEr befördert die Fortschritte des Feindes, der Schweden und Sachsen, um die Bedrängnisse seines Herrn zu vermehren. Dabei lässt er seine freiwilligen und gedungenen Anhänger in Wien über das öffentliche Unglück die heftigsten Klagen führen. In der äussersten Not wendet sich der Kaiser an Wallenstein, der zuerst auf vieles Bitten ein Heer sammelt und endlich die Führung nur gegen die unmässigsten Bedingungen übernehmen will ¹⁰). Wenn der Zwang der Umstände den Kaiser nötigte, auf diese Forderungen einzugehn, so war es nicht blosser Autrieb der Rache und des Stolzes, der

²)(113). 127(119). ³)(120) 9) 137 142(129).)(130).*(13h). 1,(132). (133)) 248(238) ¹0) 240 250.(250 ⸗260).