Aufsatz 
Zu Schillers Wallenstein / von Hubert Beckhaus
Entstehung
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der dem Reiche und dem Diener die Treue brach, den Feldherrn, nals es ihm nützlich schien, den Feinden opferte. Als der Kaiser den Schwergekränkten wieder braucht, nimmt er seine Hülfe mit dem Hintergedanken an, den Vertrag zu brechen, sobald er kann. Wallenstein bricht die Treue einem Treulosen, der sie pach rechts und links gebrochen hat und sich wohl weniger Skrupel darüber ge- macht hat als Wallenstein. Nicht Wallenstein will dem Kaiser das Heer stehlen, sondern der Kaiser ihm. Als der Kaiser sich zum zweiten Male in die Hände seines Dieners geben muss, wird er nicht betrogen. Nichts kann grader und ehrlicher sein, als der Zwang, der ihm geboten wird und dem er sich fügt. Sein Untergang ist nicht die Vergeltung für den Verrat am Kaiser, dann müsste das Stück uns anwidern. Woher entnimmt, frage ich, Werder diese Urteile? Aus dem Stück? Aber selbst Buttler in seinem höchsten Rachegrimm gegen den Kaiser, selbst die Gräfin Terzky, welche Wallen- stein mit jedem Mittel zum Verrate treiben will, gebrauchen nicht solche Wendungen; und wenn sie es thäten, sie wären keine glaubwürdigen Zeugen. Es bleibt nur noch übrig, auf Schillers Ansichten in seinem dreissigjährigen Kriege zurückzugreifen, obgleich derselbe natürlich für sein Gedicht nicht massgebend ist; aber die Forschungen späterer Schriftsteller können doch nicht in Betracht kommen.

Ich hebe die bezeichnendsten Urteile über den Kaiser und über Wallenstein, die sich in Schillers Geschichte des dreissigjährigen Krieges finden, hervor: ¹)

Ferdinand von Grätz, der nachmalige Kaiser Ferdinand II, kündigt sich durch gewaltsame Ausrottung der protestantischen Religion in seinen Erbländern als einen unerbittlichen Eiferer für das Papsttum aunꝰ).

Er sucht den Kaiser Matthias zum Kampfe gegen den Protestantismus zu bewegen. In den Waffen allein sei Hülfe gegen einen solchen Feind; nur in dem völligen Untergang dieser Sekte Sicherheit für den katholischen Glauben. Ungewiss zwar sei der Ausgang des Krieges, aber gewiss das Verderben bei Unterlassung desselben. Die eingezogenen Güter der Rebellen würden die Unkosten reichlich erstatten, und der Schrecken der Hinrichtungen den übrigen Landständen künftig einen schnel- leren Gehorsam lehrenꝰ).

Ferdinand war auf der Akademie zu Ingolstadt durch Jesuiten unterrichtet und erzogen worden. In dieser Schule zu einem mannhaften Streiter für Gott, zu einem rüstigen Werkzeug der Kirche zubereitet, verliess er Bayern nach einem fünfjährigen Aufenthalt, um die Regierung seiner Erbländer zu übernehmen. Ehe Ferdinand gegen die Protestanten in seinen Erbländern vorging, holte er erst selbst in Person zu Loretto die Gnade der Jungfrau Maria und zu den Füssen Clemens VIII in Rom den apostolischen Segen... Ohne Geräusch, und man darf hinzufügen ohne Grausamkeit, unterdrückte er den protestantischen Gottesdienst in einer Stadt nach der andern, und in wenigen Jahren war dies gefahrvolle Werk zum Erstaunen des ganzen Deutschlands vollendet:).

Ferdinand belehnt mit Widerspruch des ganzen protestantischen Deutschlands, mit Ver- spottung der Reichsgrundgesetze, die er in der Wahlkapitulation beschworen, den Herzog von Bayern zu Regensburg feierlich mit der pfälzischen Kurd)..

Veraltete Verträge konnten keine Zügel für einen Fürsten sein, der seiner Religion alles schuldig zu seiu glaubte und jede Gewaltthätigkeit durch die religiöse Absicht fur geheiligt hielt).

Ferdinands drückende Lage in seiner Abhängigkeit von Maximilian von Bayern, der den Krieg als Oberster der Reichsexekntion führte; Tilly war ein bayrischer Dienery).

4 ¹) Goedeke VIII. Die Klammern bezeichnen die kleine Ausg. von Goedeke 1867. ³) 66(60).*) 72 (66). 76(70).*) 115(108)) 117(1100 119/120(112).