Aufsatz 
Zu Schillers Wallenstein / von Hubert Beckhaus
Entstehung
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Das ist auch Schillers Auffassung von der Armee in seiner Geschichte des dreissigjährigen Krieges, als er Wallenstein dort vor den entscheidenden Schritt zum Ziele stellt: ¹) 3368(325 6). Es war nichts Geringes, was er jetzt auf dem Wege war zu unternehmen. Finen stolzen, tapfern, auf seine Ehre wachsam haltenden Adel der schändlichsten Untreue fühig zu erklären und in den Augen derjenigen, die bis jetzt nur gewohnt waren, in ihm den Abglanz der Majestät, den Richter ihrer Handlungen, den Bewahrer der Gesetze zu verehren, auf einmal als ein Niederträchtiger, als Verführer, als Rebell zu erscheinen. Nichts Geringes war es, eine rechtmässige, durch lange Verjäh- rung befestigte, durch Religion und Gesetze geheiligte Gewalt in ihren Wurzeln zu erschüttern; alle jene Bezauberungen der Einbildungskraft und der Sinne, die furchtbaren Wachen eines rechtmässigen Throns, zu zerstören; alle jene unvertilgbaren Gefühle der Pflicht, die in der Brust des Unterthans für den gebornen Beherrscher so laut und so mächtig sprechen, mit gewaltsamer Hand zu vertilgen. Aber geblendet von dem Glanz einer Krone, bemerkte Wallenstein den Abgrund nicht, der zu seinen Füssen sich öffnete, und im vollen lebendigen Gefühl seiner Kraft versäumte er das gewöhnliche Los starker und kühner Seelen die Hindernisse gehörig zu würdigen und in Berechnung zu bringen- Wallenstein sah nichts, als eine gegen den Hof teils gleichgültige, teils erbitterte Armee eine Armee, die gewohnt war, seinem Ansehn mit blinder Unterwerfung zu huldigen, vor ihm, als ihrem Gesetzgeber und Richter, zu beben, seine Befehle, gleich den Aussprüchen des Schicksals, mit zitternder Ehrfurcht zu befolgen. In den übertriebnen Schmeicheleien, womit man seiner Allgewalt huldigte, in den frechen Schmähungen gegen Hof und Regierung, die eine zügellose Soldateska sich erlaubte und die wilde Licenz des Lagers entschuldigte, glaubte er die wahren Gesinnungen der Armee zu vernehmen, und die Kühnheit, mit der man selbst die Handlungen des Monarchen zu tadeln wagte, bürgte ihm für die Bereitwilligkeit der Truppen, einem so sehr verachteten Oberherrn die Pflicht aufzukündigen. Aber was er sich als etwas so Leichtes gedacht hatte, stand als der furchtbarste Gegner wider ihn auf; an dem Pflichtgefühl seiner Truppen scheiterten alle seine Berechnungen. Berauscht von dem Ansehn, das er über so meisterlose Scharen behauptete, schrieb er alles auf Rechnung seiner persön- lichen Grösse, ohne zu unterscheiden, wie viel er sich selbst und wie viel er der Würde dankte, die er bekleidete. Alles zitterte vor ihm, weil er eine rechtmässige Gewalt ausübte, weil der Gehorsam gegen ihn Pflicht, weil sein Ansehen an die Majestät des Thrones befestigt war. Grösse für sich allein kann wohl Bewunderung und Schrecken, aber nur die legale Grösse Ehrfurcht und Uuterwerfung erzwingen. Und dieses entscheidenden Vorteils beraubte er sich selbst in dem Augenblicke, da er sich als einen Verbrecher entlarvte. Das ist das Heer Wallensteins. Werder verkenutdie kühnen Scharen, die sein Befehl ge- waltig lenkt, sein Geist beseelt.Der Ordnung hohen Geist hat er ihnen eingepflauzt. So sieht ihn Buttler: Doch alle führt an gleichgewaltigem Zügel Ein einziger, durch gleiche Lieb' und Purcht Zu einem Volke sie zusammen bindend. Und wie des Blitzes Funke sicher, schnell, Geleitet an der Wetterstange, läuft, Herrscht sein Befehl vom letzten fernen Posten, Der an die Dünen branden hört den Belte)..

) Gosdeke(VIII); die eingeklammerten Zatlen bezelehnen dte kleine Ausg. ron Gosdore. 1867.*) Piet. l. 2.