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Nur bei IIlo, Terzky, Isolani lässt sich eine niedere Gesinnung nachweisen, und Illo und Terzky pleiben bei Wallenstein.
Aber den Karsten Beweis, wie der Dichter es mit dem Abfall der Truppen meint, giebt die Art, wie die Pappenheimer, die edelsten Krieger, sich benehmen. Als die zehn Kürassiere mit ihrem Gefreiten fragen, ob es wahr sei, dass er ein Landsverräter sei, da machen sie trotz Wallensteins Beschwörungen kehrt, als sie Buttlers Wort vernehmen, dass Graf Terzkys Regimenter die kaiserlichen Adler von den Fahnen reissen.
Noch tiefer ist Wallensteins Demütigung, wo er selbst vergebens dem Aufruhr der Pappen- beimer. entgegentritt, als sie Max befreien wollen:
„Lass' Sehn, ob sie das Antlitz nicht mehr kennen, Das ihre Sonne war in dunkler Schlacht?“
Aber sie geben nichts auf ihn; sie lassen ihn nicht einmal zu Worte kommen. Als er reden will, fallen sie mit kriegerischem Spiel ein. Das ist Wallensteins schmerzlichste Erniedrigung. So deutlich zeigt der Dichter hier seine Absicht; die besten Truppen verlassen und erniedrigen ihn, weil er ein Verräter am Kaiser ist.
Und wie das edelste Regiment, so verlässt ihn auch der edelste Führer, bloss weil er Ver- räter ist, obwohl er Wallenstein liebt und obwohl er noch durch die Liebe zu Thekla so stark gefesselt ist. Je reiner Max ist, desto stärker tritt diese Anklage gegen Wallenstein hervor.
„Die Regimenter, die mir anvertraut“, sagt Max, „Dem Kaiser treu hinwegzuführen, hab ich Gelobt; dies will ich halten oder sterben!)“.
Auch über die Armee, die er doch kennt, urteilt Max so:
„Zu welchem Rasenden macht man den Herzog! Er könnte daran denken, dreissig Tausend Geprüfter Truppen, ehrlicher Soldaten, Worunter mehr denn tausend Edelleute,
Von Eid und Pflicht und Ehre wegaulocken,
1 Zu einer Schurkenthat sie zu vereinen?²)“
Als Oktavio ihm entgegnet, Wallenstein wolle dem Reiche den Frieden schenken, und weil der Kaiser diesen Frieden nicht wolle, ihn dazu zwingen und für seine Mühe Böhmen behalten, weiset Max diese Möglichkeit als unwürdig und unglaublich zurück. Schliesslich, als er dem Wallen- stein selbst eine offene Empörung nachsehn will, beschwört er ihn, nur nicht zum Verräter zu werden:
„Das ist kein überschrittnes Mass, kein Fehler, Wohin der Mut verirrt in seiner Kraft!
O, das ist ganz was anders— das ist schwarz, Schwarz wie die Hölle!?)“
Die idealen Gestalten Max und Thekla dienen dem Dichter dazu, ein unverfälschtes moralisches
Urteil über Wallenstein auszusprechen. So urteilt auch Wrangel, der Feind selbst: „Der Adel aber und die Offiziere? Solch eine Flucht und Felonie, Herr Fürst, Ist ohne Beispiel in der Welt Gesehichte“.. Dann überzeugt Wallenstein den Wrangel durch die erstohlene Unterschrift, worauf dieser erklärt: „Begreif's, wer's kann!“
*) W. Tod. III 20.) Picc. V. 1. ³²) W. Tod. u. 2.


