Aufsatz 
Zu Schillers Wallenstein / von Hubert Beckhaus
Entstehung
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A. Ich wende mich zuerst gegen den letzten Teil, wo er erklärt, der Beweis seiner Behauptung liege schlagend vor, weil Wallensteins Sturz durch die Gemeinheit seines Heeres und dessen Führer erfolge. Das ist unrichtig.

Wallensteins Sturz erfolgt durch seine Armee, durch den Abfall der Führer, aber nicht wegen ihrer gemeinen Gesinnung geschieht dieser Abfall, nicht weil mit Wallenstein mehr zu verlieren und das Geschäft mit dem Kaiser sichrer ist, nein, sondern lediglich infolge seines Verrats am Kaiser.

Den Oktavio, von dem Schiller in dem angeführten Briefe sagt, dass er seinem Kaiser dienen will, den er nächst Gott als den höchsten Gegenstand aller Pflichten betrachtet, ihn haben Wallen- steins verräterische Absichten mit tiefem Abscheu erfüllt. Vergebens lockte Wallenstein mit den ihm zugedachten Fürstentümern Glatz und Sagan!¹). Buttler, der sich vom Kaiser in seiner Ehre tief ge- kränkt glaubt und aus Rache gegen denselben auftreten will, ohne zu ahnen, wie Wallenstein ihm mitgespielt hat, beschönigt dennoch seine Handlung nicht.

lch biete meine Treu nicht feil, Graf Terzky, Und wollt Euch nicht geraten haben, mir Vor einem halben Jahre noch abzudingen, Wozu ich jetzt freiwillig mich erbiete ²). Und so klagt er tieferschüttert, als er den wahren Sachverhalt mit dem Grafentitel erfährt: Die Treue brach ich solchem gnäd'gen Kaiser. Darf Euch der Mann Von Ehre sprechen, der die Treue brach?³)

Graf Altringer und Gallas erhalten in der Pflicht ihr kleines Heer*4); aus dem Gespräch des Kellermeisters mit Neumann ersieht mans), dass Graf Palffy und Maradas dem Kaiser treu ergeben sind.

Von vielen gilt das Wort Oktavios ¹):

Stets ist die Sprache kecker als die That, Und mancher, der in blindem Eifer jetzt Zu jedem Aussersten entschlossen scheint, Find't unerwartet in der Brust ein Herz, Spricht man des Frevels wahren Namen aus. So beurteilt Terzky sie auch. Als Wallenstein sie unbedingt will, erklärt Terzky!): Unbedingt? des Kaisers Dienst, Die Pflichten gegen Ostreich werden sie Sich immer vorbehalten.

Das bringt auch Illo auf den Gedanken, sie beim Mahl durch die Weglassung der Klausel Soweit nämlich unser dem Kaiser geleisteter Eid es erlauben wird zu betrügen, damit Wallenstein sie willig glauben soll.

Gefangen haben wir sie immer, sagt IIlo,lasst sie dann über Arglist schrein¹

Isolani, in der Meinung, Oktavio stehe zu Wallenstein, sagt ihm, dass viele es mit dem Hofe halten und meinen, die abgestohlene Unterschrift verbinde sie zu nichts. Alle Deutschen sprächen so, auch Esterhazy, Kaunitz, Deodat erklärten jetazt, man müsse dem Hofe gehorchen. Und als Oktavio ihm seine Freude zu erkennen giebt, dass der Kaiser so wackre Diener habe, entgegnet Isolani:

Spasst nicht! Es sind nicht eben schlechte Männer.

¹) Picc. V. 1. ²) Picc. IV. 4. ³) w. Tod. lI. 6. ¹ Pica. I. 3. ³) Pico. IV. 5. ¹³) Licc. 1. 3. Piec. III. S.