Aufsatz 
Glaziale Erscheinungen im Odenwald
Entstehung
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von Vogel beschrieben wurden. Dort dehnt sich hinter jedem der Querwälle, die allerdings von dem jungen Bach wieder an- und durchgeschnitten sind, eine flach geneigte Wanne aus. Ahnlich ist die Talbildung unterhalb Weitengesäss.

Vergleich der beschriebenen Erscheinungen mit den typischen Glazialerscheinungen.

Wir haben alle bis jetzt als glaziale Bildungen angesprochenen Erscheinungen innerhalb der beschriebenen Grenzen des Odenwaldes kennen gelernt. Vergleichen wir diese nunmehr mit den im Anfang der Arbeit besprochenen Glazialerscheinungen, deren Vorhandensein wir als Bedingung für die Existenz ehemaliger Gletscher aufgestellt haben. Wir sehen, dass für die meisten der erforderlichen Phänomene analoge Beispiele im Odenwald sich finden lassen. Es wurden Erscheinungen beschrieben, die als Oberflächenmoränen, und zwar als Endmoränen, gedeutet werden konnten; an verschiedenen Stellen fanden sich eigentümliche Stauchungen und Schichtenstörungen, die sich durch Gletscherdruck sehr gut erklären liessen. Auch auf die eigentümliche Einwirkung von Gletschern auf die Form der Täler schienen uns verschiedene Stellen hinzuweisen. Bei weitem die meisten der als Glazialgebilde bezeichneten Erscheinungen sind aber grundmoränenartige Gebilde, die völlig mit dem geschilderten Material der typischen Grundmoräne übereinstimmen. Und doch fehlt diesen Gebilden die wichtigste Bedingung für den Beweis der Echtheit der Grundmoränen, wodurch sie sich von echten Grundmoränen wesentlich unterscheiden, die Anwesenheit geschliffener und geschrammter Geschiebe. Das Fehlen solcher geschliffenen oder gekritzten Geschiebe könnte man ja dadurch zu erklären versuchen, dass bei der ziemlich grossen Durchlässigkeit und der geringen Mächtigkeit unserer fraglichen Grundmoränen durch Verwitterung der Oberfläche ihr Geschiebe so stark beeinflusst worden wäre, dass alle Spuren von Schliff und Schrammung vernichtet worden seien. Nun hat aber Klemm trotz jahrelangen Suchens nach dem Vorkommen geschliffener oder gekritzter Geschiebe in keinem der zahlreichen von ihm untersuchten Aufschlüsse ein Geschiebe auf- finden können, das auch nur eine Spur jener Erscheinungen gezeigt hätte.

Vergleicht man damit den Umstand, dass sich in den Grundmoränen der Gletscher des Schwarzwaldes und der Vogesen überall gekritzte und geschliffene Geschiebe, und zwar sehr zahlreich, vorfinden, so wird man nicht umhin können, einen wesentlichen Unterschied zwischen diesen und den moränenartigen Massen des Odenwaldes zuzugeben. Gerade das Vorhanden- sein der Gletscherschliffe ist aber, wie schon in der Einleitung erwähnt wurde, nach Penck unbedingt notwendig, wenn auf eine Vergletscherung geschlossen werden soll.Grund- moränen mit Gletscherschliffen können ganz ausschliesslich und allein nur von Gletschern gebildet werden und müssen einem jeden Gletscher angehören. Ihr Fehlen beweist also, dass eine Vergletscherung nicht stattgefunden haben kann. In seiner Abhandlung überpseudoglaziale Erscheinungen warnt Penck davor, aus dem Auftreten eines, ja selbst mehrerer Glazialphänomene auf Vergletscherung eines Gebietes zu schliessen. An Beispielen zeigt er, wie jede der Glazialerscheinungen alspseudoglazial auch durch Ein- wirkung anderer Naturkräfte erklärt werden kann. Auch Blanckenhorn erklärt uns in einer Ab- handlungTheorie der Bewegungen des Erdbodens die einzelnen Glazialphänomene ohne Annahme von Vergletscherung.Die Gesamtheit der Glazialphänomene hingegen, sagt Penck an einer anderen Stelle,deutet, wo sie auch auftritt, auf vormalige Existenz von Gletschern,