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nochmals ein ganz langsames Ansteigen bis zum flachen Scheitel des 411 m hohen Galgen- berges erfolgt. Während auf dem unmittelbar über die moränenartige Masse sich erhebenden Gehänge die bald mehr tonigen, bald mehr kieseligen Zwischenschichten des oberen Buntsand- steines anstehen, wird die Fläche von 340 m Meereshöhe von Pliozän und Löss bedeckt. Am Gehänge des Galgenberges streichen die ganz schwach nach Osten einfallenden obersten Schichten des mittleren Buntsandsteines aus, innerhalb deren aber hier Kugelsandsteine nicht gefunden wurden. Es muss hier noch hervorgehoben werden, dass in diesen Gebilden Muschel- kalkgerölle völlig fehlen. Waren dieselben aber ursprünglich vorhanden, so sind sie durch Sickerwasser, welches die leicht durchlässige Masse überall durchdringen konnte, allmählich gelöst worden. Dass überhaupt innerhalb der Glazialgebilde sich starke Zersetzungsvorgänge vollzogen haben, geht daraus hervor, dass die Buntsandsteinstücke zum grossen Teil entfärbt oder doch viel blasser rot als gewöhnlich erscheinen. Dies kann nur dadurch geschehen sein, dass ihnen ihr Eisengehalt von kohlensäurehaltigem Wasser entzogen worden ist.
Durch alle diese Eigentümlichkeiten seiner Umgebung, durch seine petrographische Zusammensetzung und durch seine Struktur charakterisiert sich der Buntsandsteinschotter vom Sandbuckel bei Michelstadt nach Klemm sicher als glaziale Ablagerung. Erstlich verbietet die ungeschichtete, festgepackte und jeder Sonderung nach der Grösse der Komponenten ent- behrende Struktur der fraglichen Ablagerung, sie als eine alte fluviatile Terrasse zu deuten, was fernerhin durch das Vorkommen losgerissener Schollen des pliozänen Untergrundes und durch die Schichtenstörungen desselben ausgeschlossen wird. Ebensowenig kann dieselbe aber Abhangsschutt sein; erstens wegen ihrer reichlichen Geröllführung, zweitens wegen der vielen Stücke von Kugelsandstein, die am Ostgehänge des Galgenberges fehlen, drittens wegen der geringen Neigung des Terrains und viertens wegen des abrupten Aufhörens der Ablagerung in 250 m Meereshöhe. Auch ergibt ein direktsr Vergleich mit dem Gehängeschutt, welcher sich aber nur an den obersten Teilen des Gehänges findet und durch Graben mehrfach aufge- geschlossen ist, die grundverschiedene Zusammensetzung und Struktur beider Massen. Eine Herleitung des Gebildes von dem Ostgehänge des Mümlingtales ist aber natürlich aus— geschlossen, da ein Gehängeschutt nie an einem gegenüberliegenden Abhang in die Höhe steigen kann. Klemm hatte deshalb die Buntsandsteinschotter als Grundmoräne eines im Mümlingtal sich bewegenden alten Gletschers gedeutet, dessen Ursprung man in den Talenden bei Beer- felden und am Krähberg(12 km südlich von Michelstadt) zu suchen hat. Diese erschienen wegen ihrer breit-muldenförmigen Gestalt als sehr wohl geeignet, bei kälterem Klima gewaltige Schnee- und Firnmassen anzusammeln. Die Höhen, welche dieselben umrahmen, steigen im Krähberg bis 547 m über NNü an und überschreiten sämtlich eine Meereshöhe von 450 m.
Entgegen der Ansicht Klemms glaubte Blanckenhorn den höher gelegenen Teil der Ab- lagerung als diluviale Pseudomoräne, verschobenes Terrain oder Warp deuten zu können. In der Blockablagerung am Talrande stellte er die Spuren von Schichtung fest und fand unter den Buntsandsteinblöcken eine ganze Anzahl wohlgerundeter, eiförmiger Gerölle. Da die untere Grenze dieser Ablagerung 30 m über dem Spiegel der Mümling sich befindet, so können nach seiner Ansicht hier sehr wohl Reste der Hochterrassenschotter vorliegen.
An einer anderen Stelle ist dasselbe moränenartige Gebilde ebenfalls in grösserer Ver- breitung nachgewiesen, nämlich auf einem flachen Rücken zwischen Erbach und Stockheim Dieser erhebt sich ungefähr 30 m über die Sohle des Mümlingtales und bietet in einer Anzahl von Sandgruben, die allerdings nur zeitweise im Betriebe sind, gute Aufschlüsse, freilich meist bloss bis etwa 2 m Tiefe.


