Aufsatz 
Glaziale Erscheinungen im Odenwald
Entstehung
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entschiedenem moränenartigen Charakter vor. Sehr gut sind dieselben aufgeschlossen etwa 1 km westlich vom Bahnhof Michelstadt und etwa 300 m südlich vom Dorfe Steinbach. Ver- folgt man von diesem Orte aus den nach demSandbuckel führenden Weg, so sieht man bald an den Böschungen desselben schwach nach O einfallende Röttöne anstehen und in einer Grube links neben dem Wege unreinen Löss. Weiter oben legen sich auf die Röttone gelbe und weisse Pliozäntone und-sande und auf diese grobe Buntsandsteinschotter. Diese letzeren werden in mebreren Gruben an der linken Seite des Weges abgebaut, welche sowohl die Struktur dieser Schotter als auch ihr Verhältnis zu dem unterlagernden Pliozän deutlich erkennen lassen. Da die Gruben gewöhnlich verlassen und zugeschüttet werden, wenn sie tiefer als 1 1,5 m geworden sind, ist die Grenzfläche zwischen Pliozän und moränenartigem Gebilde nur selten sichtbar. Dieselbe scheint dann stets eine sehr unregelmässige Form zu haben. Die Schotter stellen eine durchaus ungeschichtete Ablagerung von äusserst fester Packung dar. In einer bald ziemlich sandigen, bald auch sandig-tonigen Grundmasse stecken in ganz wirrer Lagerung und ohne jede Sonderung nach den Grössenverhältnissen Fragmente und Gerölle von Buntsandstein verschiedener Stufen. Auffällig ist der hohe Grad von Glättung, welcher die Oberfläche mancher Gerölle und Fragmente zeigt. Auch ist es sehr bemerkens- wert, dass man nicht selten wahrnehmen kann, wie in den geröllführenden Sandsteinen die Gerölle glatt durchgeschnitten erscheinen, was wohl nur durch eine solche Art des Transportes zu erklären ist, bei der die betreffenden Stücke mit grosser Kraft über harten Untergrund weggeschleppt wurden. Bei Geschieben, die ein Fluss transportiert hat, pflegen in Gesteinen von konglomeratartigem Habitus die Gerölle nicht glatt abgeschliffen, sondern herauspräpariert zu werden, sodass sie über die allgemeine Oberfläche wie Warzen hervorstehen. Ferner kann man manchmal Gerölle wahrnehmen, die an Ort und Stelle zerdrückt und in ihren Teilen verschoben worden sind. Die Packung des Ganzen ist so fest, dass der Abbau mit der Spitz- hacke vorgenommen werden muss, und dass sehr oft die Sandsteinstücke eher zerbrechen, als sich aus der Wand lösen. Hohlräume sind nirgends in der Masse zu bemerken, und diese besitzt demnach durchaus die Struktur einer typischen Grundmoräne. Ganz besonders spricht für diese Auffassung der Umstand, dass man viele aus dem Untergrunde losgerissene und stark gestauchte Fetzen der pliozänen Tone und Sande in dem moränenartigen Gebilde eingewickelt findet und an der Grenze beider Bildungen die stärksten Lagerungsstörungen im Pliozän konstatieren kann.

Die Buntsandsteinfragmente und-Gerölle gehören sehr verschiedenen Stufen an. Es lassen sich unter denselben zahlreiche Stücke aus dem geröllreichen mittleren Buntsandstein und aus dem der oberen Grenze des mittleren Buntsandsteins nahestehenden Kugelhorizonte nachweisen. Auch die schon zum oberen Buntsandsteine zu stellendenZwischenschichten sind reichlich vertreten. Der grössere Teil der Buntsandsteinstücke ist mehr oder weniger vollständig ausgebleicht. Die obere Grenze der Verbreitung des Glazialgebildes liegt in etwa 250 m Meereshöhe, also etwa 55 m über dem Spiegel der Mümling, welche den Michelstadt- Erbacher Kessel durchfliesst. Das moränenartige Gebilde geht meist ohne Bedeckung zu Tage aus, so dass die von ihm eingenommene Fläche eine sterile, nur von kurzem Gras bewachsene Halde darstellt, während es randlich unter dejektivem Löss verschwindet. Es bildet eine Talstufe mit fast horizontaler Oberfläche, die sich noch etwa 300 m nach W ausdehnt, und deren untere Grenze in etwa 225 m über NN liegt. Oberhalb des Gebildes steigt das Terrain in einem Böschungswinkel von etwa 5°, entsprechend dem Einfallen der Schichten, bis auf 340 m Meereshöhe an, dann folgt wieder eine etwa 600 m breite horizontale Fläche, von der aus