Aufsatz 
Glaziale Erscheinungen im Odenwald
Entstehung
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und Letten des Rotliegenden. Diese befinden sich aber nicht mehr in ihrer ursprüng- lichen Lagerungsform, sondern sind in der auffälligsten Form miteinander verknetet worden, und zwar oberflächlich am stärksten, während die Lagerung um so ruhiger wird, je näher man der Trachytoberfläche kommt. Besonders deutlich lassen die Lettenschichten die mannigſaltigsten Umbiegungen, Zusammenstauchungen, Auswalzungen und Zerreissungen erkennen. Das merk- würdigste ist aber die Einknetung von zwei Partieen gelben, scharfen Sandes, der sich in dieser Ausbildungsweise nirgends in unserm Rotliegenden findet, vielmehr die grösste Ueber- einstimmung mit den als oberpliozän aufgefassten Sanden jener Gegend besitzt. Derartige Sandpartieen fanden sich auch noch an anderen Stellen desselben Aufschlusses, und zwar überall in derselben Weise als scharf gegen das sie umschliessende Rotliegende abgesetzte Körper. Der Trachyt ist eine in das Rotliegende injizierte Masse. Trotzdem darf man aber die hier beschriebenen Lagerungsstörungen des Rotliegenden nicht auf seine Einwirkung zurückführen, da die Grenze zwischen ihm und dem Rotliegenden einen sehr einfachen Ver- lauf hat, und sich keine Apophysen des Eruptivgesteins vorfinden. Ihrer ganzen Ausbildungs- weise nach stellen sich vielmehr alle hier beschriebenen Störungserscheinungen als durchaus oberflächlich dar, die nur bis in etwa 1,5 2 m Tiefe reichen. Es ist bemerkenswert, dass sich über dem Rotliegenden noch eine Trachytschuttmasse vorfindet, die aus meist noch scharfeckigen Bruchstücken besteht, welche in einem sandigen Lehm stecken. Diese müssen offenbar über das Rotliegende hinwegtransportiert sein. Da der Aufschluss sich auf dem ganz flachen Scheitel der kleinen Trachytkuppe befindet, kann auch hier der Transport nicht auf ein freiwilliges Abwärtsgleiten der Trachytbruchstücke zurückgeführt werden, ebensowenig als sich die Verknetung der rotliegenden Schichten und die Einfaltung des Pliozänsandes als Folge von Gehängerutschung deuten lassen. Alle diese Erscheinungen würden sich leicht durch Gletscherdruck erklären lassen, und es wäre hierbei der Trachytschutt als Grundmoräne aufzufassen, mit der dieser ja in der Tat hinsichtlich seiner Struktur die grösste Ahnlichkeit besitzt. Gegen die Erklärung spricht aber der Umstand, dass sich in der grundmoränenartigen Masse keine Gletscherschliffe oder»schrammen nachweisen liessen. Jedenfalls müssen aber ähnliche Kräfte die Ursache der auffallenden Erscheinungen sein.

B. Böllsteiner Granit-Odenwald.

In dem zweiten, viel kleineren Hauptgebiete des Granitodenwaldes, in dem Böllsteiner Gebiet, sind an viel weniger Stellen glaziale Gebilde aufgefunden worden.

18. Gross-Umstadt und Klein-ÜUmstadt. Eigentümliche Erscheinungen, über deren Entstehung die Ansichten sehr auseinandergingen, hat Klemm in der Nähe von Gross-Umstadt gefunden. Auf dem Hardtberge im NO von Gross-Umstadt befindet sich eine Anzahl kleiner, zum Teil verlassener Steinbrüche, in welchen der dort anstehende, lokal an Schieferschollen reiche Granit als Baustein gewonnen wird. Die Fluidalstruktur des Granites und die Schieferung seiner Einschlüsse streichen N 40⁰°0 0Q und fallen mit durchschnittlich 480⁰ nach NW ein. In einem jener Brüche, welcher etwa 3m tief ist, zeigt sich der Wechsel von Granit und Schiefer besonders deutlich. An der Oberfläche sieht man in einem senkrecht zum Streichen des Ganzen verlaufenden Anschnitte die Köpfe der Granitbänke und der Schieferschichten um etwa 135⁰ nach NW umgebogen und schweifartig ausgezogen. Das ganze Gestein ist bis zu 1,2 m zertrümmert, besonders auffällig an der Umbiegungsstelle. Im Profil zeigt sich folgende Schichtenreihe: Etwa 45 cm grundmoränenartiges Material, bestehend aus schmutzig graubraunem, sehr festem, ganz von Granitfragmenten und Schieferbrocken erfülltem Lehm, darunter eine