Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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Studien widmete und zugleich an dem Knabeninſtitut des Profeſſors Kayſer Unterricht erteilte. In den Jahren 1847 1850 unterrichtete er an dem Privatinſtitute für Knaben und Mädchen zu Groß⸗Gerau und von 1850 1852 an der Rectoratſchule zu Emmerich a. Rh. und beſtand vor Großherzoglicher Oberſtudiendirection 1852 die Prüfung für das Reallehramt in Mathematik und Naturviſſenſchaften. Hierauf bezog er 18521854 die Univerſität Bonn und betrieb neben philologiſchen und hiſtoriſchen Studien beſonders Mathematik und Naturwiſſenſchaften. Zugleich unterrichtete er an dem Knaben⸗ inſtitut des Directors Dr. Kortegarn daſelbſt. Vom 8. December 1854 bis 21. April 1856 wirkte er an der hieſigen Realſchule, an welcher er ſeinen Acceß machte, und wurde hierauf zum proviſoriſchen Lehrer an der Realſchule zu Darmſtadt ernannt, an der er am 27. Juli 1857 definitiv angeſtellt wurde. Durch Allerhöchſtes Decret vom 23. September 1865 wurde er zum Director und erſten Lehrer an der hieſigen Realſchule ernannt. Durch Verfügung Großherzoglicher Oberſtudiendirection vom 1. Februar 1866 wurde er zum Mitglied Großherzoglicher Kreisſchul⸗Commiſſion Erbach beſtimmt und bekleidete dieſe Stelle, bis durch das Volksſchulgeſetz von 1874 das Inſtitut der Kreis⸗Schulinſpectoren exrichtet wurde.

In die Zeit ſeiner hieſigen Wirkſamkeit fallen die großen politiſchen Veränderungen, die einen entſchiedenen Einfluß auf die Entwicklung der Schule gehabt haben. Das Jahr 1866 brachte durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, ſowie durch den einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt die not⸗ wendige Erweiterung der Anſtalt nach oben, indem ihr eine Oberklaſſe zugeſetzt wurde und zugleich die 3. Klaſſe einen 2jährigen Curſus erhielt. Das Jahr 187%, führte die längſt erſehnte Einigung des deutſchen Vaterlandes, die längſt verdiente Stellung des deutſchen Volkes herbei und zeigte zugleich die Wichtigkeit der Entfaltung der geiſtigen und ſittlichen Anlagen des Volkes zur Behauptung dieſer her⸗ vorragenden Stellung. Hierdurch und durch die Eröffnung der Odenwaldbahn wuchs die Frequenz der Anſtalt ſo bedeutend, daß ſich die Notwendigkeit eines nach den Erforderniſſen der Neuzeit eingerichteten Schulhauſes nicht länger verſchieben ließ. Nach längeren Verhandlungen, die ſchon im Jahr 1873 be⸗ gonnen hatten, konnten wir endlich im Herbſt 1878 den Neubau beziehen. Inzwiſchen hatte ſich ſchon im Jahr 1874 die Realſchule zu einer öklaſſigen Anſtalt erweitert, ſchon ehe der Normallehrplan der Realſchulen II. Ordnung des Großherzogtum Heſſen dieſe Organiſation vorſchrieb. Nunmehr zeigte ſich die fernere Mitwirkung der Realſchule bei den Nebenanſtalten unzuläſſig, ſie wurde bei der Acker⸗ bauſchule und Handwerker⸗Zeichenſchule eingeſtellt, bei dem Mädchen⸗Inſtitute beſchränkt. Dagegen wurde die Vorſchule in eine engere Verbindung mit der Realſchule gebracht und zu einer öffentlichen Anſtalt erhoben. Wenn nun auch aus den vichtigſten Gründen der Selbſterhaltung und der fort⸗ ſchreitenden Entwicklung die Mitwirkung der Realſchule bei dieſen Nebenanſtalten eingeſtellt oder beſchränkt werden mußte, ſo behielt dennoch die Realſchule ihr Intereſſe an denſelben und bethätigte es dadurch, daß ſie die Mitbenutzung ihrer Lokalitäten und Apparate verſtattete, dieſelben aber an feſte Normen, die keiner der Anſtalten zum Nachteil gereichen konnten, band. Jede dieſer Nebenanſtalten konnte ſich nunmehr in vollkommen freier Weiſe entwickeln, ohne der Realſchule in ihren weiteren Entwicklungsphaſen hinderlich zu ſein. Ein vollſtändiger Einblick in die Schulgeſtaltungen Deutſchlands wird durch den ſeit 1875 hergeſtellten Programmen⸗Austauſch mit den höheren Schulen Deutſchlands ermöglicht, der von der buchhändleriſchen Centralſtelle von B. G. Teubner in Leipzig vermittelt wird.

Die bisherigen ordentlichen Lehrer der Anſtalt waren:

1. Friedrich Ludwig Karl Weigand, geb. den 18. November 1804 zu Unter⸗Florſtadt, Sohn des freiherrl. Löw'ſchen reitenden Förſters Karl Melchior Weigand daſelbſt, beſuchte von 18211824 das Schullehrerſeminar zu Friedberg, ſtudierte von 18301833 Theologie auf der Univerſität Gießen, wurde am 4. October 1834 zum 2. ordentlichen Lehrer hierher berufen und wirkte daſelbſt bis zum 1. April 1837. Hierauf wurde er zum ordentlichen Lehrer an der Realſchule zu Gießen ernannt, vom 11. April 1849 zugleich Privatdocent an der dortigen Univerſität, am 12. December 1851 außerordent⸗ licher Profeſſor, 1855 proviſoriſcher, 1857 definitiver Director der Realſchule zu Gießen. Am 28. September 1867 wurde er ordentlicher Profeſſor an der Univerſität und ſtarb am 30. Juni 1878.

Profeſſor Onken rief ihm am Erinnerungstag der Stiftung der Univerſität, am 1. Juli 1878, die Worte nach:Eine Seele, rein wie Gold, ein Gelehrter von umfaſſendem Wiſſen und nie raſtendem Fleiß, ein College voll Liebe und Pflichttreue iſt von uns geſchieden. Mitten in der Arbeit an dem großen nationalen Werke, das die Gebrüder Grimm begründet haben, hat ihn der Tod ereilt. Die nie veränderte Be⸗