Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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Herbſt 1838 Theologie, Philoſophie und Philologie zu Gießen, beſuchte dann von Herbſt 1838 bis Herbſt 1839 das Predigerſeminar zu Friedberg, unterrichtete ſchon als Student an zwei Privatinſtituten für Knaben und Mädchen zu Gießen in mehreren Fächern, ſtand als Candidat in Friedberg einem Privatinſtitut für Knaben und Mädchen 2 Jahre lang vor. Hierauf wurde er am 26. Mai 1841 zuerſt proviſoriſch, dann am 23. Auguſt 1842 definitiv als zweiter ordentlicher Lehrer, und am 16. Auguſt 1843 proviſoriſch, am 22. December 1843 definitiv als Director und erſter Lehrer der hieſigen Realſchule angeſtellt. Am 1. Februar 1861 erfolgte ſeine Ernennung zum Director der Realſchule zu Friedberg, am 19. Mai 1864 zum Director des Schullehrer⸗Seminars daſelbſt, am 19. April 1873 zum Director der Realſchule zu Alzey, wo er am 22. December 1879 ſtarb.

Zwanzig Jahre, von 1841 1861 hat Steinberger unter ſchwierigen Verhältniſſen an der hieſigen Realſchule gewirkt, mehrere gemeinnützige Anſtalten hier ins Leben gerufen, im Jahr 1843 ein Mädcheninſtitut, 1845 eine Vorbereitungsſchule für Knaben vom 6. Lebensjahr an, 1853 eine Acker⸗ bauſchule und iſt außerdem als Mitglied Großherzoglicher Kreisſchulcommiſſion Erbach ſeit 1850 thätig geweſen. Dennoch äußerte er ſich in der beſcheidenſten Weiſe in ſeiner Geſchichte der Realſchule während der erſten 25 Jahren ihres Beſtehens über ſeine Wirkſamkeit:

Achtzehn Jahre lang, in guten und böſen Tagen, unter viel freudigen, aber auch ſchmerz⸗ lichen Erfahrungen, habe ich mich bemüht, meine Kräfte, wie ſie mir der Herr verliehen, zum Wohle der Schule anzuwenden. Wie weit mir mein Streben gelungen, das zu entſcheiden überlaſſe ich dem Urteil meiner Vorgeſetzten und des Publikums. Ich bin nicht ſo eitel, daß ich glauben ſollte, gar Mancher hätte es an meiner Stelle nicht beſſer machen können; aber das bin ich mir bewußt, daß ich es ſtets von Herzen gut gemeint habe mit der Schule, mit allen Lehrern und den Schülern derſelben.

Unter ſeiner Leitung wurde im Jahr 1843 die Realſchule um eine Klaſſe, der 4. erweitert. Da ſich die Zahl der ordentlichen Lehrer jedoch nicht vermehrte, ſo begann ſchon damals ein großer Notſtand, der bei wachſender Schülerzahl immer fühlbarer wurde, und dem man nur durch Heranziehung von Hilfslehrern abzuhelfen wußte. Sehr wichtig für die Entwicklung der Schule war die Herausgabe des Programms, das ſeit 1845 jährlich erfolgte, und in welchem dem Publikum ein Einblick in alle Einrichtungen der Schule eröffnet wurde. Nur noch einmal, im Jahr 1849, fiel die Herausgabe des Programms aus Sparſamkeitsrückſichten weg. Dieſe Programme ſtellen ein anſchauliches Bild der fortſchreitenden Entwicklung der Anſtalt dar und enthalten in den beigedruckten Actusreden und Ab⸗ handlungen manche ſehr wichtige pädagogiſche und wiſſenſchaftliche Angabe.

4. Dr. Ludwig Krämer, geb. den 14. November 1825 zu Nack im Kreiſe Alzey, Sohn des daſigen Schullehrers Daniel Krämer daſelbſt, bezog 1844 die Univerſität Gießen und widmete ſich dem Studium der altklaſſiſchen Philologie und der orientaliſchen Litteratur. Er unterrichtete ſchon als Student an einem Knabeninſtitut zu Gießen, ſowie an dem dortigen Gymnaſium, machte ſeinen Acceß an dem⸗ ſelben und übernahm dann die Functionen eines Lehrers und Erziehers der Söhne Sr. Excellenz des Geheimenrats Freiherrn von Zwierlein in Wiesbaden, wo er 4 Jahre blieb. Im Jahre 1853 wurde er zum proviſoriſchen Lehrer an der Realſchule zu Alzey ernannt und durch Allerhöchſtes Decret vom 12. November 1855 daſelbſt definitiv angeſtellt. Seine Berufung an die hieſige Realſchule erfolgte am 28. Mai 1861 und zwar wurde er zuerſt zum Dirigenten und l. ordentlichen Lehrer, hierauf durch Allerhöchſtes Decret vom 30. December 1862 zum Director der hieſigen Realſchule ernannt, an welcher er bis zum 21. Mai 1865 wirkte. Zugleich wurde er zum Mitglied Großherzoglicher Kreisſchul⸗ Commiſſion Erbach ernannt. Am 11. Mai 1865 erfolgte ſeine Ernennung zum Director des Gymna⸗ ſiums zu Büdingen. Am 25. Februar 1879 wurde er in den Ruheſtand verſetzt.

Unter ſeiner Leitung ſind zwar keine organiſatoriſchen Veränderungen an der.Realſchule einge⸗ treten, aber innerhalb der beſtehenden Einrichtungen wurden die verſchiedenen Unterrichtsfächer, namentlich die grammatiſche Seite des ſprachlichen Unterrichts, in gründlicher Weiſe vertieft. Die umfaſſende und tief innerliche Auffaſſung der Pflichten ſeines Berufes, die er in ſo beredten Worten in ſeiner Antritts⸗ rede darlegt, konnte nicht verfehlen, einen ſehr belebenden Einfluß auf die Entwicklung der Anſtalt zu äußern, deren Frequenz ſich bedeutend hob. Unter ihm wurde der israelitiſche Religionsunterricht an der Realſchule eingeführt.

5. Wilhelm Becker, geb. den 2. Februar 1826 zu Darmſtadt, Sohn des Schreinermeiſters Georg Becker daſelbſt, beſuchte 18461847 die Univerſität Heidelberg, wo er ſich mathematiſchen