Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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bunden werden; die häuslichen Aufgaben aber dürfen zuſammen genommen im Durohſchnitt täglich nicht mehr als 3 Stunden für die guten Köpfe erfordern.

b, Die Sorge für die Geſundheit begründet Ausnahmen von der gewöhnlichen Ordnung im Kirchen⸗ und Schulbeſuch.

c, Strafen ſind immer durch die Rückſicht auf die Geſundheit bedingt.

d, Der Lehrer ſoll für geſunde Einrichtung des Schullokals ſorgen, ſo viel in ſeiner Gewalt ſteht.

c, Auch durch Belehrung, Warnung, Beiſpiel und Anweiſung ſoll der Lehrer ſeine Untergebenen auf den Wert dieſes Gutes hinweiſen.

§ 18. Sorge für die Sitten. Erweckung und Bewachung eines ſittlich religiöſen Geiſtes in den Schülern iſt höchſte Aufgabe der ganzen Schulanſtalt, der ſich ſelbſt die Belehrung bisweilen unterordnet.

Die Schule ſoll demnach die Lücken der häuslichen Erziehung möglichſt ausfüllen. Hierzu be⸗ dient ſie ſich der einfachſten Mittel, nämlich:

a, Strenges, wohlbewachtes Beiſpiel der Lehrer.

b, Sorgfältige Entfernthaltung aller böſen Geſellſchaft, und Ausſchließung gefährlicher Mitglieder.

c, Möglichſt lange Bewachung des kindlichen Geiſtes durch Zurückdrängung unreifer Anſprüche.

d, Gewöhnung an Gehorſam, Entſagung und Pünhktlichkeit.

e, Zutrauen erweckende Teilnahme des Lehrers.

f, Genaue und ſtrenge Aufſicht auf die geringſten Handlungen.

§ 26. Amfang und Verhältnis des Stoffs. Der Umfang des Lehrſtoffs iſt durch den Zweck des Ganzen beſtimmt und durch die zu Gebot ſtehenden Mittel beſchränkt. Das Verhältnis der einzelnen Fächer und die Zahl der dafür zu verwendenden Stunden iſt durch die oben angegebene Ver⸗ ſchiedenheit des Zwecks in dem Progymnaſium und der Vorſchule und durch die nähere oder entferntere Wichtigkeit zu demſelben bedingt.

a, Im Progymnaſium ſteht der Sprachunterricht, insbeſondere der lateiniſche und griechiſche, oben an, dann folgt die deutſche Sprache, die Religion, Mathematik, Geſchichte, Naturwiſſenſchaft, Arithmetik und Geographie, hierauf die franzöſiſche Sprache, der Schreib⸗, Zeichen⸗ und Geſangunterricht.

Für Archäologie und Mythologie findet keine beſondere Unterweiſung ſtatt, weil das Nötige füglich bei dem Leſen der Claſſiker und dem Vortrag der Geſchichte eingeſchoben werden kann, die Studieren⸗ den aber ſpäter noch einen Curſus darin durchlaufen..

Die Geographie hat darum nur eine Stunde, weil in ihr der Unterricht der Vorſchule vorausgegangen iſt, und häuslicher Fleiß hier am leichteſten nachhelfen kann.

b, Vorſchule. Hauptſache ſind deutſche Sprache und die Realien: Religion, Arithmetik, Ele⸗ mentar⸗Geometrie nebſt den Fertigkeiten im Schönſchreiben und Zeichnen. Den zweiten Platz nehmen ein: Naturgeſchichte, Naturlehre, Geographie, Geſchichte, lateiniſche Sprache, Geſang. An dem franzö⸗ ſiſchen Unterricht können nur auf beſonderes Verlangen die Beſſeren der 4. Claſſe Teil nehmen, da außerdem derſelbe blos auf das Progymnaſium beſchränkt iſt.

Der lateiniſche Unterricht findet nicht ſowohl um derentwillen ſtatt, welche blos die Vorſchule durchlaufen, als wegen der auf das Progymnaſium Vorzubereitenden.

Die Grenze zwiſchen Progymnaſium und Vorſchule zieht ſich übrigens anders in den alten Sprachen und anders in der deutſchen und den Realien, weil der unwiſſenſchaftliche Bildling zwar in den letzteren mit Nutzen auf eine höhere Stufe geführt werden kann, aber nicht ohne Schaden in den erſteren. Die Verwaltung der verſchiedenen Klaſſen durch gemeinſchaftliche Stunden hat den Nutzen, daß der Schüler der unteren Klaſſe allmählich in die Höhe gezogen wird, und daß der ältere gezwungen iſt, das Halbvergeſſene zu wiederholen.

§ 27. Allgemeine Anterrichts-Grundſätze. a, Das Lernen muß dem Schüler leicht und zur Freude gemacht werden.

b, Der Lehrer erwecke durch Eifer, Eifer; durch Pünktlichkeit, Pünktlichkeit; gebe aber nicht zu ſehr ſeinen Lieblings⸗Ideen und Viſſenſchaften nach.

c, Nur das Nützliche und Notwendige, nicht das Prunkende und Gelehrte, ſoll Gegenſtand des Lehrvortrags ſein.

d, Man fordere nicht zu viel und laſſe dem Kinde Zeit zur Entwicklung.