Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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3. Klaſſe. 6 Stunden ſind zum Überſetzen von Krebs Leſebuch mit beſonderer Rückſicht auf die Grammatik und 2 Stunden für Stylübungen zu verwenden. Einübung der Declinationen und Con⸗ jugationen. Als Grammatik wird Wenk oder Grotefend empfohlen.

Auf die griechiſche Sprache ſollen vorerſt nur 3 Srunden wöchentlich verwendet werden. Es iſt Buttmanns griechiſche Schulgrammatik und Jakobs Übungsbuch zum Überſetzen empfohlen. Beim Fortſchreiten der Schüler kann die Lektüre von Xenophons Memorabilia und einzelner Abſchnitte von Homer verbunden werden. In einer Anmerkung iſt darauf hingewieſen, daß es zweckmäßig wäre, den griechiſchen Unterricht in zwei Abteilungen zu betreiben.

Auf die deutſche Sprache ſind nur 3 Stunden verwendet. Der Lehrplan hält dieſe Zahl für hinreichend, weil der Unterricht in den klaſſiſchen Sprachen wohltätig auf die Mutterſprache zurückwirkt. Eine Stunde ſoll zum Vorleſen und mündlichen Vortrage dienen; in den beiden anderen Stunden ſollen die Schüler im Verfertigen von Quittungen, Scheinen, Verträgen, Briefen und kleinen Aufſätzen nach gegebenen Thematen geübt werden.

Den Unterricht in der franzöſiſchen Sprache ſtellt der Lehrplan ganz dem Ermeſſen der Intereſſenten und dem Urteil des betreffenden zu aquirierenden Lehrers anheim; doch hält er zwei Abteilungen, die eine für die Elemente, die andere für die Lektüre von Télémaque und der Henriade erforderlich.

B. Schulwiſſenſchaften.

Für den evangeliſchen Religionsunterricht ſollen drei Stunden verwendet werden, wovon 1 für die confirmierten Schüler. Für die obere Abteilung iſt Niemeyer's Religionsbuch für die oberen Klaſſen gelehrter Schulen empfohlen, für die untere Abteilung Katechismus und Bibel.

Die Mathematik ſoll in 3 Stunden gelehrt werden, und alle Schüler ſollen in einer Klaſſe vereinigt bleiben.

Für die Geographie ſind 2 Stunden hinreichend. Die Schüler ſollen allmählich in dem be⸗ feſtigt werden, was man von einem gebildeten Manne in Anſehung der Geographie erwarten kann.

Die Geſchichte ſoll in 2 Klaſſen, zuſammen mit 4 Stunden wöchentlich, gelehrt werden. In der oberen Klaſſe ſoll die ſpecielle Geſchichte einzelner Völker gelehrt werden, in der unteren Klaſſe allge⸗ meine Weltgeſchichte..

In der Naturgeſchichte werden alle Schüler in einer Klaſſe vereinigt und erhalten 2 Stunden wöchentlich, ebenſo in der Phyſik. Im Rechnen werden alle Schüler in 2 Stunden wöchentlich unter⸗ richtet, alle 8 14 Tage iſt eine Stunde zum Kopfrechnen zu verwenden.

Das Wichtigſte über Metrik, Mythologie und Archäologie wird der Lehrer bei der Lektüre der Claſſiker an ſchicklichen Orten einſchalten.

Von außerordentlichem Intereſſe ſind einige Ausſtellungen, welche Se. Erlaucht der Graf Albert, dem dieſer erſte Plan zur Prüfung vorgelegt wurde, machte. Derſelbe ſagt über die Stellung der lateiniſchen Sprache im Verhältnis zu den anderen Lehrobjecten, insbeſondere zu der Geſchichte und Mathematik:Wenn ich finde, daß der lateiniſche Unterricht ſehr weſentlich bleibt, und daß die meiſten Stunden für denſelben erforderlich, ſo glaube ich dennoch, daß ſolcher in Etwas zu Gunſten der übrigen wiſſenſchaftlichen Doctrinen beſchränkt werden müſſe, weil das geſchichtliche und mathematiſche Studium, wenn ich auch der niederen Zweige des Wiſſens nicht gedenken will, mir hier und nach dem vorliegenden Lehrplan beſonders allzuſehr beſchränkt erſcheint. Geſchichte und Mathematik ſind in dem viſſenſchaftlichen und philoſophiſchen Leben zwei ſehr nötige Wegweiſer, indem die erſtere zur Selbſterkenntnis und reiner philoſophiſchen Analyſe führt, die andere hingegen dem poſitiven Wiſſen und der ökonomiſchen An⸗ wendung desſelben die Bahn eröffnet.

Der Graf wünſchte daher, daß dieſer Verſuch eines Lehrplans der Begutachtung eines in jeder Beziehung theoretiſch und praktiſch gebildeten Schulmannes unterſtellt werde, einmal, um den Ge⸗ halt des Planes zu prüfen und dann, um weitere allenfalls nötig ſcheinende Veranſtaltungen zu treffen.

Inzwiſchen hatten die Bemühungen des Herrn Hofprediger Bauer zur Gewinnung eines ge⸗ eigneten Lehrers einen günſtigen Verlauf genommen. Herr Candidat Curtmann, damals Erzieher bei Herrn von Leykam, hatte ſich um die Stelle gemeldet. Derſelbe gibt zu dem Verſuch des Lehrplans wichtige Bemerkungen und arbeitete bis zum März 1825 mit Stadtpfarrer Heſſig und Mitprediger Böhler, während die Anſtalt einen ſtetigen Fortgang genommen hatte, die Statuten der neuen Privat⸗ lehranſtalt aus, die dann im October nach geſchehener Reviſion die Sanction Sr. Erlaucht des Grafen