Aufsatz 
Geschichte des Progymnasiums und der Realschule zu Michelstadt während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens von 1834-1884
Entstehung
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letzteren Herren einen vorläufigen Lehrplan aus, der uns in den Acten vollſtändig vorliegt und deſſen weſentliche Punkte wir hier abdrucken laſſen:

Im Eingang desſelben heißt es: Die Herren Intereſſenten ſind wohl mit uns der Überzeugung, daß bei den bis jetzt vorhandenen Kräften der Beſuch eines Gymnaſiums für den den Viſſenſchaften ſich widmenden Jüngling durchaus nicht überflüſſig gemacht werden kann. Jedoch ſind die Herren Väͤter berechtigt, bei dem zu machenden Aufwande eine vollkommene Befähigung für die erſte Klaſſe eines Gymnaſiums zu ermarten, und ſoweit es von uns abhängt, glauben wir auch, eine ſolche Befähigung ſicher verſprechen zu dürfen.

Es folgt nunmehr eine Überſicht der in den einzelnen Fächern zu erzielenden Kenntniſſe nach eigener Erfahrung und den Lehrplänen der Gymnaſien zu Darmſtadt, Wertheim und Gießen. Wir erlauben uns zu Charakteriſierung der damaligen Anforderungen für den Eintritt in die Prima eines Gymnaſiums nur einige Fächer anzuführen.

Es heißt in dieſer Überſicht:

A. Sprachen.

I. Lateiniſche Sprache. In Proſa muß der Schüler Caeſar, Salluſt, und Juſtin und in der Poeſie Ovid, Virgils Aeneide und Zimmermanns Anthologie mit Sicherheit und einiger Gewandt⸗ heit überſetzen können. In der Grammatik muß er feſt ſein und muß den zweiten Curſus von Dörings Anleitung aus dem Deutſchen ins Lateiniſche überſetzen können.

II. Griechiſche Sprache. Man verlangt von dem Schüler, daß er die wichtigſten Regeln der Sprache kenne und die Stücke in Jakobs Elementarbuch I. und II. Curſus und den Homer im Deutſchen wiedergeben könne.

III. Deutſche Sprache. Erfordert wird Kenntnis der grammatiſchen Regeln, Fertigkeit im Briefſchreiben und Fähigkeit, über ein leichteres Thema einen Aufſatz zu machen.

IV. Franzöſiſche Sprache. Einige Übung im Sprechen und Schreiben und fertiges Überſetzen des Télémadue par Fénélon und Siefert's: choix de la littérature française. 3 B. Schulwiſſenſchaften.

I. Mathematik. Verlangt wird Kenntnis der Arithmetik, Geometrie, Buchſtabenrechnung wohl auch der Trigonometrie.

II. Geſchichte. Feſtigkeit in der allgemeinen Weltgeſchichte und genauere Kenntnis der Ge⸗ ſchichte einzelner ausgezeichneter Völker, z. B. der Griechen, Römer und Deutſchen.

III. Geographie. Vollkommene Feſtigkeit in der Geographie(der Jüngling in Prima behält wenig Zeit mehr für dieſe Wiſſenſchaft).

IV. Naturgeſchichte. Kenntnis des Wiſſenswürdigſten aus derſelben.

V. Phyſik. Gilt daſſelbe, was bei dem vorhergehenden Lehrgegenſtande geſagt iſt.

VI. Mythologie und Metrik. Soviel Bekanntſchaft mit dieſen Gegenſtänden wird verlangt, als bei der Lektüre der für die zweite Klaſſe beſtimmten Dichter erworben werden konnte.

Hierauf wird gezeigt, wie das vorgeſteckte Ziel zu erreichen ſei:

Die Schüler ſind in drei Klaſſen zu verteilen und nach folgendem Lehrplane zu unterrichten:

A. Sprachen.

Auf die lateiniſche Sprache müſſen wöchentlich 24 Stunden und zwar 8 Stunden in jeder Klaſſe verwendet werden.

1. Klaſſe. 3 Stunden ſind für einen Proſaiker, 3 für einen Dichter, 2 für Stylübungen an⸗ zuſetzen. Proſaiker ſind für dieſe Klaſſe: Caesar de bello gallico, Justinus, Sallustus. Im Poetiſchen ſind die meiſten Stücke in Zimmermanns Anthologie zweckmäßig, ſowie auch längere Abſchnitte aus Ovids Metamorphoſen und Virgils Aeneide. In den beiden Stylſſtunden iſt Döring's oder Stracks Anleitung zum Überſetzen aus dem Deutſchen ins Lateiniſche empfohlen. Außerdem ſollen zur Befeſtigung in der Grammatik Extemporalien gemacht werden.

2. Klaſſe. Die 8 Stunden ſind in derſelben Weiſe zu verteilen. Proſaiker ſind Eutropius Cornelius Nepos. In der Poeſie eignen ſich Phaedrus Fabeln und leichte Stellen aus Ovids Me⸗ tamorphoſen. Stylübungen nach Döring, Einübung der grammatiſchen Regeln. Extemporalien.