Aufsatz 
Luft und Bewegung zur Gesundheitspflege in den Schulen
Entstehung
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Unter 237 Schülern des Darmſtädter Gymnaſiums ſind in eigentlichen Schul⸗ unterricht eingetreten:

mit 4 Jahren..... 5,9% 5.....33,5% 6..... 51,9% 7..... 4,6% in einem Alter über 7......ͤ. 5,0%

d. h. alſo mehr als 91% vor zurückgelegtem 7. Jahr, und über ein Drittel ſchon mit 5 Jahren. Im Allgemeinen werden die Kinder, namentlich aus den wohlhabenden Ständen, zu frühe zur Schule geſchickt. Der Grund liegt darin, daß es den Müttern bei dem beſten Willen ſowol an der phyſiſchen Kraft und Geſundheit, als auch an dem pädagogiſchen Geſchick fehlt, die für den ſchweren Beruf einer Mutter erforderlich ſind. In Beziehung auf Beides fällt ein großer Theil der Schuld auf die Schule, aus der ſie ſelbſt hervor gegangen.

Weiter fordern ſeit Lorinſer¹) alle Aerzte Beſchränkung der Unterrichts⸗ ſtunden. In Gelehrtenſchulen hat man bereits die Zahl der wöchentlichen Unterrichts⸗ ſtunden gegen früher herabgeſetzt; aber noch nicht in genügendem Maße. Auch für Schüler von 1517 Jahren ſind die 5 Stunden Unterricht vor dem Mittageſſen, die in unſerem Gymnaſium denjenigen zu Theil werden, welche Hebräiſch, Engliſch oder Italiäniſch ler nen, unbedingt zu viel. Je beſſer die Schule wird und wir glanben, daß der Unter⸗ richt im Allgemeinen beſſer geworden deſto mehr wird die Aufmerkſamkeit jedes ein zelnen Schülers und ſeine ganze Haltung angeſpannt, deſto mehr muß alſo die Unter⸗ richtszeit abgekürzt werden ²).

beſonders hervortrat, in der Regel gerade ſolche waren, welche ſchon ſehr früh, im 4. oder 5. Jahre Unterricht empfangen hatten. Vgl. oben S. 11. Paſſavant, Dr. med. Ueber Schulunter⸗ richt vom ärztlichen Standpunkte, Frankfurt 1863, S. 16.Das achte Jahr wird in den meiſten Fällen zum Beginn des Schulunterrichts das geeignete Alter ſein. Schreber, Dr. med. Ein ärztlicher Blick in das Schulweſen, Leipzig 1858, S. 8.Zu Anfang des 8. Lebensjahres(bei ſehr ſchwächlichen, dauernd kränkelnden oder in der Entwickelung zurückgebliebenen Kindern noch etwas ſpäter; denn wer lernen ſoll, muß vor allen Dingen geſund ſein) iſt der rechte Zeitpunkt für den Beginn des Unterrichtes gekommen. Ebenſo Freygang, die Schule und die leiblichen Uebel der Schuljugend, Leipzig 1863, S. 6 fg. Gaſt, Dr. med. Aerztliche Beiträge zur Reform des Volksſchulweſens in Sachſen, Leipzig 1863, S. 6 fg.

¹) Lorinſer, zum Schutz der Geſundheit, Berlin 1836. Gaſt, S. 25 f. Freygang, S. 86.

²) Freygang, S. 90.Sind die Kinder, die älteren zwei Stunden oder noch länger, gebürender⸗ maßen geiſtesthätig geweſen, ſo iſt ihre geiſtige Kraft erſchöpft; ſie können weder noch Etwas aufneh⸗ men, noch eine fernere Produktivität äußern. Zeigt ſich nach dieſer Zeit(was unſern bisherigen Lektionsplänen nach gefordert wird) der kindliche Geiſt noch aufgelegt zur geiſtigen Thätigkeit des Lernens und Uebens, und iſt auch ſein Träger, der Körper, dazu nicht zu ermüdet, ſo muß das als ein ſchlechtes Zeichen für ſeine Thätigkeit in den vorhergehenden Unterrichtsſtunden gelten.Nur was von den Kindern bei eigner voller Geiſtesthätigkeit, alſo bei der Aufeinanderfolge des Unter⸗ richtes in der Schule in zwei, höchſtens 3 Stunden erworben wird, iſt mit Förderung der geiſtigen Kraft gewonnen, iſt ſicheres Eigenthum des Geiſtes und in jedem Augenblicke disponibel.