Aufsatz 
Luft und Bewegung zur Gesundheitspflege in den Schulen
Entstehung
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zeugung, ſondern ſie ſteigert, wie jede andere maßvolle Thätigkeit, die allgemeine Fähig⸗ keit und Kraft der Wärmeerzeugung ſelbſt, ſie ſtärkt die Widerſtandskraft gegen Erkäl⸗ tungen. Und ſo konnten wir ſagen, die Zugluft iſt geſund, wenn ſie vertragen wird; und ſie wird um ſo mehr vertragen, je mehr die Haut durch vorſichtige und allmählich ſtei gende Gewöhnung an die Zugluft gekräftigt wird. ¹)

Ein abſolutes Maß, wie weit die Zugluft zuläſſig und geſund iſt, läßt ſich nicht feſt ſetzen, es iſt verſchieden je nach der allgemeinen und augenblicklichen Beſchaffenheit der Individuen. Erholungsreiſen und Badekuren ſind zum weſentlichen Theil dadurch wirk ſam, daß der andauernde Aufenthalt in freier Luft die Haut kräftigt. Die alten Grie⸗ chen und Römer haben dies wol begriffen, und zu ihren beliebteſten, bei uns aber leider nicht mehr gebräuchlichen diätetiſchen Mitteln gehörte das Luftbad d. h. ſtundenweiſes Auf- und Abwandeln in freier Luft ohne Bekleidung. Ueberhaupt gehört hierher die allgemeine Pflege der Haut durch kalte Waſchungen, Reiben und Bürſten, die von Grie⸗ chen und Römern für äußerſt wichtig erachtet wurde, deren Bedeutung von uns erſt neuerdings wieder in ihrem vollen Werthe gewürdigt wird. Bei den Engländern iſt es allgemein anerkannt, daß die Zugluft geſund iſt, und ſchon mancher Deutſche iſt auf Reiſen mit dem Zugbedürfniß der Engländer in Konflikt gerathen. Ein hieſiger Arzt be zeichnete nach ſeiner Rückkehr von England das geſunde Ausſehen und die kräftige Be wegung der engliſchen Knaben und Mädchen als dasjenige, was ihn dort am meiſten überraſcht habe. Ein vielerfahrener Alpenführer, den wir über das Kraftverhältniß und die Leiſtungsfähigkeit der verſchiedenen Nationen in Beziehung auf Ausdauer und Er⸗ tragen von Mühſeligkeiten befragt, verſicherte, daß die Engländer alle übrigen civiliſirten Nationen darin weit überträfen, ja daß engliſche Frauen darin häufig mehr vermöchten als deutſche Männer. Insbeſondere rühmte er die Ausdauer ihrer Willenskraft. Mit allen Andern machte er erſt einen Probegang, ehe er ſich auf ein ſchwierigeres Unterneh men einließ: bei Engländern hielt er dies für unnöthig; denn die Erfahrung hatte ihn gelehrt, daß ſie das einmal Begonnene auch durchzuſetzen die Willenskraft haben. Dieſe Geſundheit und Kraft verdankt das engliſche Volk nicht bloß dem Rindfleiſch, das ſeit Generationen ſeine Hauptnahrung bildet, ſondern zum großen Theil der Gewohnheit, die Kinder von früh auf den größten Theil des Tages im Freien zubringen zu laſſen, und der Sitte der Erwachſenen, daß ſie trotz des feuchten Klimas und wandelbaren Wet ters im Freien ausharren, wo wir Deutſche nur immer fürchten uns zu erkälten. Sie verdanken dieſe Kraft und Geſundheit der Abhärtung. Jene Willenskraft und Ausdauer aber iſt nicht bloß das Reſultat von ſittlichen Faktoren, ſondern ſie iſt vorzugsweiſe die Frucht der leiblichen Geſundheit.

Man gewöhne alſo die Jugend in den Schulen ſyſtematiſch an den Zug. Man beginne in warmer Iahreszeit und fahre fort, wenn das Wetter kühler wird. Kranke und leidende Schüler behüte man aufs ſorgfältigſte. Ein guter Lehrer ſoll aber den Geſundheitszuſtand ſeiner Schüler wenigſtens eben ſo gut kennen, wie der Haus⸗

¹) Vgl. oben S. 22.