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ausgeſetzt. Man erkältet ſich am leichteſten an denjenigen Gliedern, welche unter war⸗ mer Bedeckung getragen werden, wie Leib und Bruſt, insbeſondere aber, wenn dieſe Theile zeitweiſe mehr oder weniger entblößt werden, wie Kopf und Hals. Knaben und Mädchen, welche keine Halsbinden tragen, leiden weniger an Halsweh, als ſolche, welche Binden gewohnt ſind. An Händen und Geſicht erkältet man ſich am ſeltenſten, in der Regel nur, wenn ſie wund oder krank ſind z. B. bei ſchlechten Zähnen. Jene Angſt aber vor Zugluft, wie man ſie in Deutſchland ſo weit verbreitet findet, jene Empfindlichkeit gegen jede Luftbewegung iſt Nichts anders als ein krankhafter Zuſtand, der eine durch übele Gewohnheit begründete, und durch Vererbung gemehrte, allgemeine Erſchlaffung der Hautthätigkeit bekundet. Sie iſt entſtanden durch übermäßige Bekleidung, und namentlich durch anhaltenden Aufenthalt in geſchloſſenen Räumen; ſie tritt am ſtärkſten hervor in denjenigen Ständen, welche durch ihren Beruf verurtheilt ſind Jahr aus Jahr ein im Zimmer zu ſitzen und welche die größte Sterblichkeit aufweiſen; ²) ſie iſt das chroniſche Leiden eines verſeſſenen Schreibervolkes, wie man wol nicht ganz mit Unrecht die Deut⸗ ſchen genannt hat.
Wir haben geſagt, daß Erkältungen zweitens vermieden werden durch Steigerung der Wärmeerzeugung, d. h. durch Steigerung der Lebensthätigkeit. Dieſe wird hervorgerufen durch Steigerung des Stoffwechſels in der Verdauung, Muskelbewegung und Reſpiration.„Die Eigenwärme des Körpers ſteigt mit der Nahrungsaufnahme. Sie zeigt daher regelmäßige Schwankungen, die ſich großentheils von den Zeiten der Nahrungsaufnahme abhängig erweiſen. Die Eigenwärme ſteigt unmittelbar nach dem Frühſtück, und erreicht 4—6 Stunden nach demſelben ihr erſtes Maximum, ſinkt dann bis zum Mittageſſen, fängt nach demſelben wieder zu ſteigen an, und erreicht nach ungefähr 2 Stunden ihr Maximum“. ²)„Vermehrte Muskelarbeit bedingt zwar einen Wärme⸗ verluſt, der aber durch vergrößerten Verbrauch und erhöhte Verbrennung mehr als com⸗ penſirt wird, ſo daß der arbeitende Menſch neben der mechaniſchen Leiſtung anch noch mehr Wärme erzeugt als der ruhende“.¹) Was aber die Reſpiration bettrifft, ſo iſt „nach der Analogie mit allen jenen Maſchinen, in welchen durch chemiſchen Verbrauch Wärme und Bewegungskraft erzeugt wird, zu ſchließen, daß es die in Folge der reſpi⸗ ratoriſchen Sauerſtoffanfnahme geſchehende Oxydation der aſſimilirten Stoffe iſt, aus welchen die Wärme und die bewegende Kraft entſtehen, daß alſo im Thierkörper, ähnlich wie in der Dampfmaſchine, Wärme und Bewegung durch Verbrennen erzeugt werden“.)
Wir haben aber ferner geſehen, daß die geſamte Wärmeerzeugung weſentlich be⸗ dingt wird durch die Wärmeabgabe d. h. Abkühlung der Haut, welche durch die Zug⸗ luft bewirkt wird. Dieſe Abkühlung ſteigert aber nicht nur die momentane Wärmeer⸗
¹) S. oben S. 8.
²2) Wundt, S. 392.
4) Wundt, S. 395.„Durch Bewegung einzelner Muskelpartien ſteigt deren Wärme. So zeigte ſich eine Vermehrung der Wärme im m. biceps bei Bewegung desſelben um ½ bis 1⁰ C.“ Becque- rel und Breschet bei Budge, S. 165.
¹) Wundt, S. 131.


