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und bewirken eine fortgeſetzte Abkühlung. Dieſer Wechſel der Luftſchichten geht raſcher vor ſich, wenn von außen kommender Zug oder Wind immer neue Luftſchichten mit der Haut in Berührung bringt.
Nun beſteht aber in dem menſchlichen Organismus eine wunderbare Uebereinſtim⸗ mung zwiſchen der Wärmeabgabe nach außen und der Wärmeerzeugung in dem Inneren. „Bei ſämtlichen Warmblütern wird die Wärmeerzeugung weſentlich beſtimmt durch die Wärmeableitung. Sobald ſich bei ihnen der Wärmeverluſt vergrößert(durch kältere äu— ßere Temperatur, verminderten Schutz u. ſ. w.), ſo ſteigert ſich auch die Wärmeerzeugung durch vermehrten Stoffverbrauch, und zwar in dem Maße, daß die Eigenwärme der inneren Theile, insbeſondere des Blutes, ſtets conſtant bleibt“.¹)
„Mit der Abnahme der Temperatur der umgebenden Luft mehrt ſich die Zahl der Athemzüge und der Herzſchläge“.)) Der Wind oder die Zugluft ſteigert alſo durch die vermehrte Abkühlung die Hautthätigkeit, die Reſpiration und den Blutumlauf, und ſomit die geſamte Lebensthätigkeit; er iſt in eben dem Maße geſund, als die mangelhafte Abkühlung dadurch ungeſund iſt, daß die Lebens⸗ thätigkeit herabgeſtimmt wird, wenn die Bewegung der Luft und die dadurch bedingte Abkühlung der Haut in geſchloſſenen Räumen und bei zu warmer Bekleidung gehemmt wird.
Eine Erkältung d. h. ein krankhafter Zuſtand tritt dann ein, wenn das Gleichge— wicht zwiſchen Wärmeerzeugung und Wärmcabgabe geſtört wird; und das erſte, eigen— thümliche Symptom derſelben iſt daher ein unangenehmes Kältegefühl.³) Iſt die Haut mit Schweiß bedeckt, oder iſt die Bekleidung feucht; ſo bewirkt die ſtärkere Verdunſtung eine ſtärkere Abkühlung, und daher tritt alsdann leichter Erkältung ein. Da mit jeder Muskelbewegung ein ſtärkerer Stoffwechſel und ſomit eine ſtärkere Wärmeerzeugung ver— bunden iſt; ſo wird bei einem Menſchen, der in Bewegung iſt, das Gleichgewicht weniger leicht geſtört, als im ruhenden Zuſtande z. B. beim Stillſitzen. Die Aerzte wiſſen daher recht wol, daß ein großer Theil der Erkältungen nicht in der Zugluft, ſondern bei un— genügender Bedeckung im geſchloſſenen Schlafzimmer und zwar im Bette ſelbſt eintreten, weil die Wärmeerzeugung des menſchlichen Organismus in der Nacht ſinkt und„ihr Minimum früh Morgens etwa um 4 Uhr erreicht“.⁴)
Erkältungen werden alſo auf zweierlei Art zu vermeiden ſein, einmal dadurch, daß man das Uebermaß der Wärmeabgabe verhütet, und dann dadurch, daß man die Wärmeerzeugung ſteigert. Erſteres wird geſchehen müſſen, wo und ſoweit letzteres nicht möglich iſt. Kranke müſſen in der Regel vor zu ſtarker Abkühlung durch Abſchließen der Zugluft und wärmere Bekleidung geſchützt werden. Aber gerade dieſer Schutz ſtimmt die Lebensthätigkeit und damit die Wärmeerzeugung herab, und wird die Urſache zu im— mer neuen Störungen des Gleichgewichtes. Kranke und Menſchen, welche den größten Theil ihres Lebens in geſchloſſenen Räumen verweilen, ſind vorzugsweiſe den Erkältungen
¹) Wundt, S. 135. Vgl. S. 391.
²) Budge, S. 167 nach Vierordt und Letellier. ³) S. oben, S. 22.
¹) Budge, S. 165.


