Aufsatz 
Luft und Bewegung zur Gesundheitspflege in den Schulen
Entstehung
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Zug oder Nichtzug, abzuhängen, ſondern von dem relativen, wechſelnden Zuſtand des Be⸗ troffenen, ſo daß derſelbe Grad der Abkühlung je nach der verſchiedenen Dispoſition ver ſchiedener Individuen, oder desſelben Individuums zu verſchiedenen Zeiten bald wohl⸗ thätig, bald ſchädlich einwirken kann.

Die Abkühlung durch Ausſtrahlung der Wärme von der Oberfläche der Haut iſt eine weſentliche Bedingung für das Leben des Menſchen. Ein erwachſener Menſch er⸗ zeugt unter normalen Verhältniſſen täglich im Mittel 2700000 Wärmeeinheiten oder Wärmegramme, d. h. er verbrennt in dieſer Zeit eine ſolche Menge Kohlenſtoff und Waſſer ſtoff, daß damit 27000000 Gramme, oder 5400 Zollpfund Waſſer um 1° Cels. erwärmt werden könnten. Von dieſer Wärme werden nach Helumrholtz 22,5% durch Erwärmung der Nahrung, der Athmungsluft und durch Waſſerverdunſtung in den Lungen verbrancht, wonach dem ruhenden Körper noch 77,5% für die Ausſtrahlung und Verdunſtung der Haut übrig bleiben. ¹)Lufttemperaturen, welche die Nähe der eigenen Körperwärme (37⁰ C.) erreichen, werden läſtig?), weil ſie die Ausſtrahlung der Wärme beſchränken; aber durch die Verdunſtung des bei höherer Temperatur reichlicher ausbrechenden Schweißes wird die überflüſſige Wärme gebunden, und das Gleichgewicht zwiſchen Wärmebildung und Wärmeabgabe wird wieder hergeſtellt.) Die Erzeugung des Schweißes wird durch Aufnahme von Getränken befördert, und die Verdunſtung durch Herſtellung von Zug⸗ luft. In allen heißen Ländern ſucht man daher durch beſondere Vorrichtungen Zugluft hervorzubringen, ſei es durch die kleinen Fächer der Damen, oder die großen der orien taliſchen Fürſten, die wir ſchon auf den Denkmälern von Niniveh abgebildet finden, ſei es durch Herſtellung von gegenüberſtehenden Oeffnungen in den Wohnungen: und man be⸗ trachtet in heißen Ländern die Zugluft allgemein als eine weſentliche Bedingung des Wohlbefindens.

Aber auch in kühleren Klimaten hat die Zugluft ihre Berechtigung. Zug oder Gegenzug iſt nämlich Nichts anders, als eine durch den Temperaturunterſchied bewirkte Bewegung der Luft d. h. alſo ein Wind, und ohne ſolche ſtärkere oder ſchwächere Be wegung der Luft iſt überhaupt keine Ventilation denkbar. Die den menſchlichen Leib um gebende Luftſchicht nimmt nur langſam die von der Haut ausſtrahlende Wärme auf, weil die Luft ein ſchlechter Wärmeleiter iſt. Bliebe ſie unbeweglich, ſo würde ſie als das wärmſte Gewand den Leib umhüllen, und die für das Wohlbefinden erforderliche Wär meabgabe verhindern; weil ein ſolcher Wärmeaustauſch nur in dem Maße Statt findet, als die Temperatur der austauſchenden Körper verſchieden iſt. Aber ſobald die den Men ſchen umgebende Luftſchicht erwärmt wird, beginnt ſie vermöge ihrer dadurch bewirkten größeren Leichtigkeit aufzuſteigen, und ſo erzeugt jeder Menſch auch in geſchloſſenen Räu men eine Art von Gegenzug, indem die warme Luft an ihm hinanfſteigt und von unten kältere Luft nachſtrömt. Es treten immer von Neuem kühle Schichten an die Haut

* Wundt, S. 395 und S. 133.

²) Uhle und Wagner, S. 82.

²)Da durch hohe äußere Temperatur viel Schweiß gebildet wird, ſo iſt es möglich einen ſehr hohen Wärmegrad auszuhalten. So z. B. ertrug Berger eine Lufttemperatur von faſt 88⁰ R. mehrere Minuten lang ohne viele Beſchwerden. Budge, S. 234.

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