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Thüren öffnet und möglichſt lange offen ſtehen läßt. Wiewol dieſes Verfahren kein Geld koſtet, ſo wird es doch viel zu wenig angewendet.¹) Es ſollte aber ſtreng befohlen werden, daß in der ſchulfreien Zeit, namentlich des Sommers, alle Fenſter, ſoweit die Witterung es geſtattet, Tag und Nacht offen gehalten werden. Das erforderte freilich beſondere Vorrichtungen um die Fenſterflügel feſtſtellen zu können, und beſondere Auf— merkſamkeit der ſchlecht bezahlten Schuldiener, und darum wird es wol bei dem from— men Wunſche ſein Bewenden haben. In neuen Schulgebäuden hat man um möglichſt viel Luft und Licht geben zu können, die Fenſter ſehr groß gemacht; und weil es bei kal— tem Wetter unthunlich iſt, ſo lange die Schüler in dem Zimmer anweſend ſind, einen ganzen Fenſterflügel zu öffnen, hat man Vorrichtung getroffen, daß einzelne Scheiben an dem Fenſter ſich öffnen laſſen. Das Gntachten des Kgl. Preußiſchen Medicinalcollegs der Rheinprovinz²) empfiehlt am Fenſter die oberen Scheiben ſo einzurichten, daß ſie in ihrem unteren Theile in einem Charnier beweglich, ſo weit geöffnet werden können, um die Luft eindringen zu laſſen, ohne daß der Zug die Schüler treffe, ähnlich wie ſol— ches in Küchen eingerichtet iſt“.³)
Wo ſich ſolche bewegliche Scheiben in hieſigen Schulen finden, ſind ſie meiſtens an dem unteren Theile des Fenſters angebracht, was weniger zweckmäßig erſcheint. Ueb⸗ rigens haben wir vielfach gefunden, daß der Schuldiener in der ſchulfreien Zeit ſich damit begnügte, ſtatt der ganzen Fenſter nur die einzelnen Scheiben offen zu ſtellen, und daß in Folge davon die Ventilation ſehr mangelhaft war.
Aber man ſollte auch während des Schulunterrichtes ſo viel, als immer möglich, die Fenſter offen halten.¹) Freilich darf das Schulzimmer nicht auf eine durch lebhaften Verkehr geränſchvolle Straße gehen.?) Auch im Winter, wenn mäßige Heizung nöthig iſt, ertragen Knaben gern und ohne Nachtheil ein oder zwei offene Fenſter. Gibt man ihnen nur in der freien Zeit die nöthige Leibesbewegung in freier Luft, ſo ge— winnt ihre Haut ſchnell die erforderliche Widerſtandskraft, und man hat keine Erkältung zu befürchten.⁰) Ja wir wagen das Unerhörte, und empfehlen geradezu, unſere Jugend durch vorſichtige, mäßige Anwendung und allmähliche Steigerung an die Zugluft zu
¹) Bei einem Gange durch die hieſigen Schule außer der Schulzeit fanden wir den größeren Theil der Fenſter verſchloſſen, nirgends waren alle Fenſter geöffnet.
²) Gutachten über ſanitätspolizeiliche Anordunungen für das Schulweſen, unter dem 15. Januar 1866 von dem Kgl. Provincial⸗Schulcollegium an die Direction ſämmtlicher Gymnaſien mitgetheilt, ab gedruckt in Stiehl's Centralblatt, Berlin 1867, Juniheft, S. 337.
³) S. 341.
*) Einen verhältnißmäßig geringen Prozentſatz Kopfweh fanden wir in einer hieſigen Knabenprivat⸗
ſchule, wo wir während des Unterrichtes— natürlich im Sommer— in allen Klaſſen alle Thüren
und Fenſter offen ſtehen ſahen.
Die Feuſter der ſechſten Klaſſe des hieſigen Gymnaſiums können in der Regel nicht geöffnet werden,
weil der Straßenlärm die Stimme auch des kräftigſten Lehrers überwältigt. In dieſem Zimmer
kommen 234 Kubikfuß Luft auf den Schüler, und dazu geſchloſſene Fenſter; die Vorhänge ſämtlich
heruntergelaſſen, weil die Blendung von dem gegenüberſtehenden Hauſe unerträglich iſt, und der ei⸗
ſerne Ofen nur zwei Fuß weit von den dichtbeſetzten Schulbänken!
⁶) S. weiter unten.
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