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Nach dem Großherzoglich Heſſiſchen Edikt vom 6. Juni 1832, Art. 49. wird für die Anlage neuer Schulhäuſer verordnet,„daß für das Lehrzimmer, nach Ab⸗ zug des für Gänge nöthigen Raumes, auf jedes Kind eine Fläche von 4 Quadratſchuhen gerechnet wird, und daß die Höhe nicht unter 12 Schuhen beträgt.
Pappenheim) berechnet den zu bequemem Sitzen für 100 Kinder erforderlichen Flächenraum; und indem er einen Gang von 30 Zoll Breite um die Bänke herum, und einen ebenſo breiten Gang durch die Mitte annimmt, fordert er als Minimum an Zimmerraum:
für ein Kind von 5— 7 Jahren 5,39 Quadratf. Rhein.= 8,52 Quadratf. Heſſ. „„„„ 7-— 10„ 9,75„„= 15,40„„ „„„„ 10—14„ 11,71„„= 18,50„ 2 „„„ über 14„ 13,13„„= 20,74„„
Wiewol dieſe Berechnung viel mehr fordert, als obige Verordnungen; ſo ſcheint ſie immer noch zu tief gegriffen. Die Gänge von 30 Zoll Breite, insbeſondere vor den Bänken, reichen nicht für die nöthige freie Bewegung des Lehrers aus, geſchweige, daß ſie einen genügenden Luftraum gewährten.
In den engſten Schulzimmern zu Darmſtadt— nicht Beſſungen— kommen auf Ein Schulkind:
In der Realſchule.... V. Klaſſe 19,3 Quadratfuß Heſſ.
„ dem Gymnaſium... VI.„ 16,5„„ „ der Stadtmädchenſchule. VII.„ 16,4„„ „ dem Gymnaſium... VII.„ 15,4„„ „ der Garniſonsſchule.. II.*„ 6,5„„ „ der Städtiſchen Strickſchule 5,9„„
Die engſten Schulzimmer zu Darmſtadt gewähren alſo mehr Flächenraum als Pap⸗ penheim fordert, und weit mehr, als die amtlichen Verordnungen als Minimum ſetzen. Wer aber dieſes Maß für genügend erachtet, den laden wir ein, ſich in eines jener Schul— zimmer zu begeben, nachdem die Schüler ſich zwei Stunden lang bei verſchloſſenen Thüren und Fenſtern darin aufgehalten, und mit eigener Naſe zu prüfen, ob die Luft gut ſei, oder nicht.
Nach den Verordnungen des Preußiſchen Unterrichtsminiſteriums ſollen nicht mehr als 50 Schüler in einem Klaſſenzimmer ſein. Aber dieſe vortreffliche Beſtimmung wurde weder in Preußen noch anderswo eingehalten. Ueberall und auch in unſeren öffentlichen Schulen findet man Klaſſen von 60, 70 ja von über 100 Schülern.
Da es nun nicht möglich iſt überall hinreichend große Schulzimmer herzuſtellen, und die Zahl der Schüler einer Klaſſe nach Bedürfniß zu beſchränken, da die künſtliche Ven⸗ tilation allzu koſtſpielig und dennoch meiſt ungenügend iſt: ſo bleibt uns ein einfaches Mittel zur Beſchaffung guter Luft zu betrachten übrig.
Dieſe einfachſte Methode der Ventilation beſteht darin, daß man Fenſter und
¹) Bd. II. S. 429.


