Aufsatz 
Luft und Bewegung zur Gesundheitspflege in den Schulen
Entstehung
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men veranlaßt, in früheren Kriegen ſchlimmer gewüthet haben, als der Krieg ſelbſt. Selbſt Kinder werden unter leichtem Zeltdach Tag und Nacht der friſchen Luft ausgeſetzt, und man erzielt dadurch überraſchende Reſultate. ¹)

Betrachtet man die Geſundheitsverhältniſſe, inſofern ſie durch den verſchiedenen Stand, d. h. durch Beruf und Beſchäftigung bedingt werden: ſo findet man das günſtigſte Verhältniß da, wo die Menſchen die größte Zeit des Lebens mit Arbeit in freier Luft beſchäftigt ſind; dagegen die größte Sterblich keit da, wo der Beruf zu dauerndem Aufenthalt in geſchloſſenen Räu⸗ men und zu ſitzender Lebensweiſe Anlaß gibt.

Die Uuterſuchungen über den Einfluß der Standesverhältniſſe auf die Sterblichkeit ſind mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft; weil die Sterb⸗ lichkeit außerdem durch anderweitige, materielle und ſittliche Einflüſſe allgemeiner und lo kaler Art bedingt wird. Als die zuverläſſigſten Angaben gelten die von Neison*²) ge⸗ gebenen Mittheilungen. Sie beruhen auf den Erhebungen der Friendly societies in England, einer Art von Unterſtützungs⸗ und Lebensverſicherungsgeſellſchaften. Die Mit glieder gelten erfahrungsmäßig als types of industry, frugality, of regularity of habits and simplicity of life(S. XIII.) Da nämlich alle Mitglieder, welche ihren jährlichen, wenn auch geringen, Beitrag nicht zahlen, ſofort ausgeſchloſſen werden: ſo beſtehen dieſe Geſellſchaften nur aus ſolchen Mitgliedern, welchen eine geordnete Lebensführung einen Ueberſchuß des Einkommens zur Zahlung ihres Beitrags übrig läßt, ansgenommen wo unverſchuldetes Unglück oder Krankheit ſie berechtigt die Unterſtützung der Geſellſchaft in Anſpruch zu nehmen. Von den Erhebungen dieſer Vereine ſind daher alle jene vielen

¹) Pappenheim II. S. 182.Manches tödliche gaſtriſche, typhöſe und dergleichen Uebel würde viel⸗ leicht anders verlaufen, wenn Kranken bei offenen Thüren und Fenſtern behandelt würden; ich habe mich nicht geſcheut, dies bei geheiztem Zimmer im Winter zu thun, während die Kranken im Bett verwahrt waren.Hospitäler können, mit Ausnahme weniger Krankheiten, den größten Theil des Jahres ihre Räume den ganzen Tag lang offen ſtehen laſſen. Ein Arzt Pollak ſchreibt aus Tehe⸗ ran:Nur dem Umſtande, daß hier in keiner Krankheit und zu keiner Zeit Thür und Fenſter gänz⸗ lich geſchloſſen werden können, muß ich es zuſchreiben, daß trotz mangelhafter Inſtrumente, Aſſiſten⸗ ten und Pflege und vielleicht auch unzureichender Koſt, ſowol Wunden als Operationen gefahrlos verlaufen. Wiener Wochenſchrift, 1857, Nr. 52. Reclam gewann bei zwei Choleraepide⸗ mien in Leipzig dadurch günſtige Erfolge, daß er in den Krankenzimmern die oberen Flügel des ei⸗ nen Fenſters ausheben ließ, ſo daß Tag und Nacht friſche Luft einſtrömte. R. das Buch der ver⸗ nünftigen Lebensweiſe, Leipzig und Heidelberg 1853, S. 141. In dem Lying in hospital zu London liegen die Wöchnerinnen in einer Luft, die durch Gegenzug ſo ſtark bewegt iſt, daß die Vor⸗ hänge hin⸗ und herwogen. In der Kinderabtheilung des Krankenhauſes Bethanien zu Berlin wer⸗ den die kranken Kinder Tag und Nacht auf offenen Balkonen der freien Luft ausgeſetzt, und zwar ſo, daß ſie nicht von oben, ſondern nur von der Wetterſeite durch einen Vorhang geſchützt werden. Der berühmte ruſſiſche Arzt Pirogow behandelte im Kaukaſus zu einer Zeit, wo der Schnee mehrere Fuß hoch lag, die Verwundeten unter Zelten und hatte überraſchende Erfolge. In dem Ospidale grande zu Piſa fanden wir alle Kranken in weiten, hohen, gewölbten Hallen, deren große Fen⸗ ſter und Thore ſämtlich geöffnet waren, ſo daß die Luft ungehindert durchſtreichen konnte. Da dieſes Krankenhaus, wenn wir nicht irren, ſchon im 13. Jahrhundert gebaut worden, ſo läßt ſich ver⸗ muthen, daß in früherer Zeit der hohe Werth der friſchen Luft recht gut bekannt war.

²) Neison, Contributions to vital statistics, London, third edition, 1857.