Aufsatz 
Schillers Wilhelm Tell. Versuch einer methodischen Erklärung dieses Dramas in der Sekunda des Gymnasiums
Entstehung
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39.

den erſten Waiſenvater vor, wie er arme Kinder in ſein Haus eingeführt; die Rede des Directors beleuchtete erſtens die That Gotthilf Samuel Steinbart's, die ihre rechte Wuͤrdigung erhaͤlt, wenn die Zeitlage der ſechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts und insbeſond're die des Preußiſchen Staats, wenn der Ort, an den er ſeine Stiftung ſtellte und die Entwickelungsſtufe, auf der damals das hoͤhere Schulweſen ſtand, in Erwägung gezogen werden; dann wandte ſich die Rede dem einzigen Friedrich zu, welcher der That Steinbart's ſeinen Beifall geſchenkt und ihr das Siegel aufgedrückt hatte, indem er das Steinbart'ſche Pä⸗ dagogium mit dem Character einer öffentlichen Anſtalt bekleidete, und warf endlich einen Blick voll Vertrauen und Zuverſicht in die Zukunft des Hauſes, das in ſeinem neuen Jahrhunderte von reichem Gottesſegen über⸗ ſtroͤmt und von der ſtarken Hand der erhabenen Hohenzollern geſchirmt ſein werde, auch in dem neuen grö⸗ ßeren Vaterlande, das unter Koͤnig Wilhelm's Scepter erblühe. Die Geſang⸗ und Muſikſäͤtze ſchloſſen in ange⸗ meſſenem Wechſel die redneriſchen Vortraͤge ein; indem auch bei dieſen die Anſtalt eine Leiſtung zu offen⸗ baren hatte, wirkten die Kraͤfte der Schüler, ſo weit ſie irgend reichten; nach dieſer Seite hin ſprach beſon⸗ ders die Meditation uͤber ein Bach'ſches Präludium an, von dem Muſikdirector Gabler mit ſeinen Schü⸗ lern vorgetragen, und einen würdigen Schluß bereitete die von demſelben dem Feſte gewidmete, jetzt im Drucke erſchienene, Jubel⸗Cantate. Drittens erwaͤhnen wir hier mit dem waͤrmſten Danke, aber nur in aller Kürze der reichen Gabe, mit welcher ehemalige Zoͤglinge und Schüler die jüngſt geſtiftete Wittwen⸗ und Waiſen⸗ kaſſe ausſtatteten, da die Mittheilung des Statuts in einem der nächſten Programme erfolgen muß.

Der im J. 1866 zum erſten Male begangenen Gedächtnißfeier für die ehemaligen Zoͤglinge und Schüler der Anſtalt, welche im zuletzt verfloſſenen Jahre aus der Zeitlichkeit abberufen worden, haben wir am letzten Trinitats⸗Sonntage 1867 die zweite nachfolgen laſſen. Wiederum hatten wir die unverhäͤltniß⸗ maͤßig große Anzahl von 15 Geſtorbenen vorzufuͤhren und unter ihnen nicht wenige, die noch im kräftigen Mannesalter geſtanden und theils als Geiſtliche, theils als Richter eine geſegnete Wirkſamkeit gehabt hatten.

Zur Abhaltung der Maturitäͤts⸗Prüfungen am 2tten September 1867 und am 16ten Maͤrz d. J. ſchenkte uns der Herr Provincial⸗Schulrath Dr. Klix ſeine Gegenwart. In beiden Pruͤfungen erhielten von je 9 zugelaſſenen Examinanden je 8 das Zeugniß der Reife, unter den zuletzt Geprüften war einer, dem die mündliche Prüfung erlaſſen ward. Bei der Pruͤfung am 16. März verlängerte der Herr Schulrath ſeinen Aufenthalt ſo weit, daß er am 17. Maͤrz dem Unterrichte in mehreren Klaſſen beiwohnte.

Zur Feier des Geburtstags Sr. Majeſtät veranſtalteten wir nächſt dem Feſtgottesdienſte an dem Geburtstage ſelber einen Schulactus am 23. März, zu dem eine ſehr zahlreiche Feſtverſammlung in unſrem großen Hoͤrſaale ſich vereinigt hatte. Nachdem die redneriſchen Vorträge der Schüler gezeigt hatten, daß dem erhabenen Geſchlechte der Hohenzollern auch das Wort ‚Rebus angustis animosus atque fortis appare zum Wahlſpruche gedient habe, zog die Feſtrede des Directors in einigen Punkten eine Parallele zwiſchen dem preußiſchen Staate der Hohenzollern und dem alten roͤmiſchen Reiche. Bei dieſem Actus wurde zugleich die Entlaſſung der 8 zur Univerſität abgehenden Primaner bewirkt.

Unmittelbar vor dem Schluſſe des Schuljahrs traf die zwar erſt private, aber doch zuverläſſige Nachricht ein, daß in dem Teſtamente des weil. Ober⸗Conſiſtorialraths Havenſtein in Frankfurt a. d. O. und ſeiner am 24. Marz d. J. verſtorbenen Ehegattin unſ rer Anſtalt ein Legat von 1000 Rthlr. zugewendet worden mit der Beſtimmung, daß die Jahreszinſen einem würdigen u. bedürftigen ehemaligen Zöglinge der Anſtalt zur Förderung ſeiner Univerſitaͤts⸗Studien als Havenſteinſches Stipendium zu Theil würden. Der Teſtator, Wilhelm Heinrich Havenſtein, der von Michaelis 1799 an Zoͤgling der Anſtalt geweſen war und im J. 1808 die Univerſität bezogen hatte, bewahrte wie in ſeinen fruͤheren Stellungen, ſo als Re⸗ gierungs⸗ und Conſiſtorialrath in Frankfurt a. d. O. der Anſtalt, die den Grund gelegt hatte zu ſeiner ſitt⸗ lichen und geiſtigen Erziehung, immerdar wohlwollende Theilnahme; daß er ſie in ſolchem Maße bewährt bis über das Ziel ſeines Lebens hinaus, dafür gebührt ſeinem Namen ein dauerndes Gedächtniß im Segen!

Nach dem ausfuhrlichen Berichte, der im Programm des J. 1852 über die Verhäͤltniſſe der beiden in einander gewachſenen Anſtalten, des Waiſenhauſes und des Paͤdagogiums, erſtattet worden, haben dieſe