Aufsatz 
Schillers Wilhelm Tell. Versuch einer methodischen Erklärung dieses Dramas in der Sekunda des Gymnasiums
Entstehung
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das Telldrama, mitten in das Schweizerdrama hinein geſtellt, einen raſchen Verlauf haben niüßte, dem⸗ nach die Einleitung deſſelben nicht eine ungebührliche Länge haben durfte. n

Heben wir die Hauptſache noch einmal kurz hervor. Baumgartens Rettung und Tells Unterredeng mit Stauffacher gehoͤren nicht zum eigentlichen Telldrama, beide dienen aber als Vorbereitung dazu. Tells Handeln an der einen, ſeine Worte an der anderen Stelle ſind von der Art, daß man des Dichters Abſicht erkennt Tell von vornherein als einen hiheedenten Mann zu te nzeicne ſhm die hebendigſte warmiſe Theilnahme der Zuſchauer zu ſichern.

Anders verhaͤlt es ſich mit der Aufpflanzung des Hutes in Altorf. Das Teldrama abgeſehen vom Schluß am Ende des fünften Actes vollzieht ſich im dritten und vierten Act. Die Hutaufpflan⸗ zung, an welche ſich die Veranlaſſung zu Tells Gefangennehmung knüpft, welche alſo eine unentbehrliche Vorausſetzung für die Entwicklung der Handlung iſt, iſt vom Dichter in den erſten Act geſetzt worden. Löſte man das Telldrama aus dem Ganzen heraus, ſo müßte ſie nothwendig darin eine Stelle erhalten und zwar wüͤrde ſie unmittelbar hinter die erſte Scene zu ſetzen ſein, ſo daß ſie der Ankunft Tells in Altorf vorausginge. Zwei Gründe mochten den Dichter beſtinmen ihr einen anderen Platz zu geben. Einmal mußte er, wie ſchon oben geſagt wurde, es vermeiden das Telldrama und namentlich die einleitenden Scenen deſſelben ſehr auszudehnen, ſodann konnte er die Hutaufpflanzung als trefflich characteriſierende Expoſitionsſcene fuͤr das Schweizerdrama benutzen, welche Gelegenheit bot das übermüthige Gebahren der Vögte nicht minder als die Entrüſtung und Erbitterung des Volkes zur Darſtellung zu bringen. Im Uebri⸗ gen hat ſie weder zum Schweizerdrama noch zum Rudenzdrama eine Beziehung

Die Einheit der Handlung. ee

Die drei Handlungen, welche in Schillers Drama neben einander laufen, haben in mehreren Be⸗ ziehungen Gemeinſames. Gemeinſam iſt ihnen, daß ſie die zur Erfüͤllung der Plane des Kaiſers von ſeinen Voͤgten ausgeübte Tyrannei zur Vorausſetzung haben und in ihrem Ziele, nämlich der Abwälzung des Druckes, zuſammentreffen. Wie die Eidgenoſſen danach ſtreben das Land zu befreien, ſo gelangen auch Tell und Rudenz vor der Action zu der Erkenntniß, daß ſie nicht blos gegen ihren eigenen Bedränger den Kampf aufnehmen. Sie verfolgen zwar beide auch ihr beſonderes Ziel, Tell will ſein Weib und ſeine Kinder gegen Geßlers Gewalt ſchützen, Rudenz ſeine Braut befreien und wieder erkämpfen, aber keiner von beiden kann ſeinen Zweck erreichen, ohne zugleich bei der Befreiung des Landes mitzuwirken. So geht einem jeden ſeine eigene Sache in der allgemeinen auf. Dadurch finden die drei Handlungen ihre Einigung. Uebereinſtim⸗ mung zeigt ſich an ihnen auch darin, daß die Action in allen den Character der Nothwehr gegen grauſame Bedruckung hat. Ueberall iſt das Beſtreben des Dichters erkennbar das Verhalten der Schweizer nicht als ein ungezügeltes Verlangen nach Neuerungen, nicht als Streben nach Realiſierung neu erwachter Ideen von Freiheit und Recht erſcheinen zu laſſen ſondern als ſtrenges Feſthalten an ihrem alten Recht. Sie werden zum Widerſtande gezwungen. Wie vollſtändig Tell von dem Gedanken beherrſcht wird ſich im Stande gerechter Nothwehr zu befinden, haben wir oben geſehen. In dieſelbe Lage iſt auch Rudenz durch die Gewaltthat gegen ſeine Braut gebracht. Alle drei Handlungen entwickeln ſich alſo zu einem Kampfe, der den Character nothgedrungener Abwehr gegen Gewalt hat und deſſen Zweck iſt den Druck, welcher bis dahin auf dem Lande laſtete, für die Zukunft unmoͤglich zu machen, das verletzte Recht des Landes wieder herzuſtellen. Halten wir das feſt und verſuchen von dieſem Geſichtspunkte aus zu beſtimmen, welche Ideen