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eine Entwürdigung empfinden, dadurch hätte er ſich nicht zum offenen Widerſtreben verlocken laſſen. Es bedurfte ganz anderer Angriffe auf ſein Herz, um ihn aus ſeinem Frieden herauszuſtören, ganz eigenthüm⸗ licher Kränkungen, welche ſeine heiligſten, wärmſten Gefühle tief verletzten, ehe ihm die Milch der frommen Denkart in gährendes Drachengift verwandelt wurde. Die Forderung und die Drohungen des Landvogts zeigen deutlich, daß er nach Tells Leben trachtete. Flehend ſpricht Tell: Das koͤnnt ihr im Ernſt von einem Vater nicht begehren. Herr, ihr habt keine Kinder, wiſſet nicht, was ſich bewegt in eines Vaters Herzen. Der Vogt ſagt: Ziele gut, daß du den Apfel treffeſt auf den erſten Schuß, denn fehlſt du ihn, ſo iſt dein Kopf verloren, und ſodann: Du ſchießeſt, oder ſtirbſt mit deinem Knaben. Nun blieb dem Vater keine Wahl, er mußte ſchießen. Der Landvogt hatte nicht erwartet, daß er es thun würde. Darum ruft er ent⸗ ſetzt, nachdem der Schuß geſchehen iſt: Er hat geſchoſſen? Wie? der Raſende! Er iſt empört darüber, daß ihm ſein Opfer entgangen iſt, zugleich mochte er aber auch etwas Aehnliches empfinden als bald nachher Röſſelmann ausſpricht: Der Schuß war gut; doch wehe dem, der ihn dazu getrieben, daß er Gott verſuchte. Der Zuſchauer wird dieſen Worten ſeine Aein anas nicht verſtgen Sie ene ten Line Hindeunang wauf Geßlers blutigen Ausgang.—— E.
Die unmenſchlich grauſame Gewaltthat gegen das Waberherz bewirkt. Tells innere Unwandlung, erzeugt in ihm den Vorſatz den Vogt zu erſchießen, wenn er ſein Kind traͤfe. Doch mochte auch in den Hoͤllenqualen des Augenblicks, da er auf das Haupt ſeines Kindes ſchießen ſollte, der erſte Mordgedanke, ja der Vorſatz zum Morde in ihm erwacht ſein; es zeigt ſich alsbald, daß damit ſeine innere Umwandlung noch nicht vollzogen iſt. Er hatte des Landvogts Grauſamkeit doch hinreichend erfahren, mußte ſeine Abſicht erkannt haben und doch läßt er ſich durch die bloße Sicherſtellung ſeines Lebens, ohne an die ſonſtigen Strafen zu denken, welche der Landvogt über ihn verhängen konnte, verfuͤhren ihm ſein böſes Trachten zu verrathen. Dieſe Unbeſonnenheit läͤßt es beinahe als zweifelhaft erſcheinen, daß der Entſchluß zum Morde ihm ſchon feſt ſtand. Wenn er ſchon die beſtimmte Abſicht hatte, ſo erſchwerte er ſich ſelbſt die Ausführung, indem er Geßler vorſichtig machte. Mag immerhin die grauſame Kränkung der Vaterliebe die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit den Vogt zu beſehigen erweckt haben, derraftias ſaiſht ſie werden Lii bene Ge⸗ fangennehmung und Fortführung. 8) 3
Nachdem er der Gewalt des Vogts entkonnmem iſt nis ühm deutlcher als vorhek vor Tugen gehn, daß der Vogt an ſeinem Weib und ſeinen Kindern Rache nehmen werde. Dieſe unabweisliche Befürchtung treibt ihn zur That. In ſeiner Bedrängniß gedenkt er der allgemeinen Noth des Landes. Er vollführt die That mit dem Bewußtſein nicht nur die Seinigen ſondern überhaupt alle Schwachen und Unſchuldigen, die ſich nicht mannhaft ſelbſt beſchützen können, gegen die Grauſamkeit des Landvogts ſicher ſtellen zu muͤſſen. Wie Rudenz, indem er ſeine eigene Sache mit dem Landvogt ausficht, in dem Bewußtſein handelt und mit der Abſicht zugleich für die Sache des Vaterlandes einzuſtehn und wie dadurch die beiden bis dahin getrennten Handlungen im Schweizerdrama und Rudenzdrama zur Einheit zuſammenſchmelzen, ſo iſt es bei Tell der Fall. Auch Tell nimmt eine von den Eidgenoſſen abgeſonderte Stellung ein, er hat die Betheili⸗ gung an ihrem Bunde ausdrücklich verſagt, durch die ihm perſönlich angethane Kraͤnkung wird er nun aber demſelben Ziele zugetrieben, welches die Eidgenoſſen vor ſich haben, den Druck der Vögte mit Gewalt ab⸗ zutreiben. Die Gemeinſamkeit des Strebens wird ihm deutlich, auch ihm verwandelt ſich der Kampf in ſeiner eigenen Sache zum Kampfe für das amanee Mlehee So de die eSaddan des Telldrannas mit den beiden anderen zur Einheit zuſammen. 7


