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ſeinem erſten Erſcheinen als einen altersſchwachen Greis, der ſich dem Tode nahe fühlt. Am Anfang des vierten. Actes erzaͤhlt Kunz von Gerſau dem Fiſcher: Der Altlandamman auch, der edle Herr von Attinghauſen, ſagt man, lieg' am Tode. Der Tod des Freiherrn konnte alſo den Zuſchauer nicht überraſchen. Die Ge⸗ genwart der Häupter des Bundes bei demſelben möchte ihm eher befremdlich erſcheinen. Er wird dafür kaum eine andere Erklärung finden koͤnnen, als daß wegen der hohen Verehrung, welche der Freiherr genoß, die Landleute nach den ſchrecklichen Ereigniſſen in Altorf, dem Apfelſchuß und Tells Gefangennehmung, bei ihm Hülfe und Rath zu ſuchen eilten, oder auch in ſeiner Sterbeſtunde um ihn ſein wollten. Um ihn nicht in finſterem Kummer über den Untergang des Vaterlandes ſcheiden zu laſſen, erhellen ſie ihm die letzte Stunde mit ſchoͤnem Strahl der Hoffnung. Daß Rudenz, der Erbe des Freiherrn, beim Herannahen des Todes herbeigerufen wird, iſt gewiß natürlich.
Das Ableben des Freiherrn bot dem Dichter Gelegenheit die Eidgenoſſen mit Rudenz uſanrtten zuführen. Rudenz war durch Bertha dem Vaterlande wieder gewonnen. Der Dichter wollte ihn an dem Kampfe für's Vaterland Theil nehmen laſſen. Dem mußte aber ſeine Verbindung mit den Landleuten, gleichſam ſein Eintritt in ihren Bund vorausgehen. Aus der Beerbung des Freiherrn erwuchs ihm dazu Pflicht und das Recht, wie ſchon oben geſagt wurde. Die Mahnung des Sterbenden zur Einigkeit ſollte der Verbindung der Landleute mit Rudenz förderlich werden. Wir kennen ja aus den früheren Aeußerun⸗ gen wenigſtens Melchthals Abneigung und Mißtrauen gegen den Edelmann. Derſelbe weigert ſich auch nachher Rudenz ſeine Hand zu reichen und ihn dadurch in den Bund aufzunehmen. Erſt Stauffachers Er⸗ innerung: Seid einig! war das letzte Wort des Vaters, beſtimmt ihn nachzugeben.
Indem alſo in dieſer Scene auf Schloß Attinghauſen der Bund der Landleute mit dem Edelmann zu Stande kommt zu gemeinſamem Kampfe, ſo bildet ſie das Bindeglied, durch welches die erſte und zweite Scenenreihe mit einander verknuͤpft werden; denn von hier ab greiſen die beiden Handluinden ſo in einander, daß ſie zu einer einzigen verſchmelzen.
Nachweis der dramatiſchen Entwicklung in der dritten Scenenreihe.
Die Verſchiedenheit der Stände, welchen die handelnden Perſonen angehoͤren, iſt ein zwar rein äußerliches aber doch deutlich unterſcheidendes Merkmal der erſten und zweiten Scenenreihe. Für die dritte fehlt ein ſolches. Tell, der Traͤger der Handlung, gehoͤrt zu den Landleuten. Was ihn von ſeinen Standesgenoſſen abſondert und unterſcheidet, ſind beſondere Eigenthümlichkeiten ſeines Weſens. Spater wird uns noch die Frage beſchäftigen, weshalb der Dichter dieſer Perſon eine beſondere, beryprragende Stel⸗ lung und Bedeutung im Drama gegeben hat.
Das Telldrama— ſo duͤrfen wir die in der dritten Scenenreihe ſich entwickelnde Handlung nen⸗ nen— beginnt mit dem dritten Act und vollzieht ſich faſt ganz bis zum Ende des vierten Actes. Nur der Schluß iſt an den Ausgang des fünften Actes gerückt. Die erſte Scene des dritten Actes dient als Ein⸗ leitung und giebt die Stimmung für die folgenden dieſer Reihe. Sie ſteht alſo zu dieſen ganz in demſel⸗ ben Verhältniß wie die erſte Scene des zweiten Actes zum Rudenzdrama und wie die erſte des erſten Actes zum Schweizerdrama. Der Dichter führt uns in ihr Tell mit Weib und Kind vor Augen. Aus Tells Geſpräch mit ſeiner Gattin lernen wir die Stimmung und Geſinnung kennen, welche durch das Treiben der Landvögte in ihm erzeugt worden iſt. Da im Telldrama Tell allein Traͤger der dramatiſchen Entwicklung iſt, ſo kam es dem Dichter darauf an, die Vorausſetzungen für dieſe an Tell allein ſichtbar werden zu laſſen.


