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Dichter den Einfluß der Unterdrücker von einer neuen Seite. Wir erkennen an Rudenz, wie gefährlich die neue Herrſchaft ſchon gewirkt hatte, wie ſie durch Glanz und große Hoffnungen verführte, die heiligſten Pflichten vergeſſen machte. Trotzig tritt er bei dem Oheim ein, ſtolz zaudert er von Kuoni den Becher an⸗ zunehmen. Die Bande, welche ihn an Volk und Vaterland feſſeln, hat er zerriſſen, ſich ſelbſt und dem Oheim will er einreden, daß er das Beſte des Landes im Auge habe. Den wahren Beweggrund, daß er durch die Liebe zu Bertha auf die Seite des Landesfeindes gezogen wird, will er verhehlen. Deshalb entfernt er ſich trotzig, als der Freiherr ihm den wahren Grund nennt. Die vaͤterliche Warnung: Betrüg dich nicht! dich anzulocken zeigt man dir die Braut, doch deiner Unſchuld iſt ſie nicht beſchieden, kann er nicht ertragen, denn ſie vernichtet ihm die Hoffnung, welche ihm allein vorgeſchwebt hat, ſie raubt ihm den Preis, für wel⸗ chen er ſo ſchwere Opfer gebracht hat. Er iſt zu ſehr verblendet, als daß er Argwohn genug gegen die Ab⸗ ſichten des Landvogts ſchöpfen kann, um ſie mit Beſonnenheit zu pruͤfen und die Unſicherheit ſeiner Hoff⸗ nungen zu erkennen. Wohl aber mag der nachdenkende Zuſchauer dem alten Freiherrn Recht geben und mit Spannung erwarten, ob ſeine Vorausſicht ſich zerfuͤllen wird. Auch der Eindruck, welchen Berthas erſtes Auftreten auf ihn gemacht hat, kann ihn ahnen laſſen, daß Rudenz ſich ſelbſt betruͤgt. Mit dieſer Ahnung und jener Spannung iſt er in der für die Aufnahme der folgenden Scenen erforderlichen Stimmung. Ru⸗ denz wird enttaͤuſcht. Er muß erfahren, daß er Bertha nur da gewinnen kann, wo das Vaterland und die Freiheit iſt. Die Liebe treibt ihn auf dieſe Seits, ſie wird das Motiv ſeiner inneren dlmwandlangat das treibende Element für ſein Handeln. Itiat 20. 217 1† n nſa. um Der Zuſchauer hat geſehen, daß Rudenz e e Tater Süg a dem Oheim auf ſeinem bishe⸗ rigen Wege beharrt, daß er am Schluſſe der Einleitungsſcene nach Altorf in die Hertenburg geht. Seine Erwartung mußte nun darauf gerichtet ſein den Erfolg von Rudenz Verhalten zu erfahren. Der Dichter läßt Rudenz im Gefolge des Landoogts erſcheinen und ihn bei einer Jagd Gelegenheit finden ſeine Liebe zu Bertha zu erklären. Berthas ſtrengen Vorwürfen gegenüber verſucht er noch einmal, wie in der vor⸗ hergehenden Scene gegenüber den Ermahnungen des Oheims, die Sophiſtik des böſen Gewiſſens, daß er ja das Beſte ſeines Volkes wolle. Alsbald unterliegt er damit. Er ſteht beſchämt, in dem ſchmerzlichen Ge⸗ fühl durch ſeinen Abfall von dem Lande nicht Gegenliebe gewonnen zu haben, ſondern der Geliebten ver⸗ achtungswerth geworden zu ſein. Er wird wieder aufgerichtet durch Berthas Geſtaͤndniß, daß ſie ihn gern lieben moͤchte, wenn er zu ſeinem Volke, ſeinem Lande ſtehen wolle. Die Erinnerung, daß durch die Be⸗ freiung der Schweizer auch die Geliebte die Freiheit gewinne über ihre Hand zu verfuͤgen, ſchlaͤgt ihm maͤchtig in die Seele. Hier beginnt ſeine innere umwandlung. Der Dichter hat dieſen Anfang der dra⸗ matiſchen Entwicklung ſcharf bezeichnet, wenn er Rudenz ſagen läßt: Bertha, welch' einen Blick thut ihr mir auf! und bald darauf: Fahr hin, du eitler Wahn, der mich bethoͤrt! Nun erwachen plöͤtzlich wieder die gewaltſam erſtickten edeln Regungen ſeiner Seele, die Liebe zum Vaterlande. Er geſteht: Ach, wohl hab' ich es ſtets geliebt! Ich fühl's, es fehlte mir zu jedem Gluͤck der Erden. Doch wie mich retten? wie die Schlinge löſen, die ich mir thöricht ſelbſt um's Haupt gelegt? Zerreiße ſie mit maͤnnlichem Ent⸗ ſchluß! Kaͤmpfe für's Vaterland, du kaͤmpfſt für deine Liebe. Wir höͤren nicht gerade, daß Rudenz dazu den Entſchluß faßt. Der Dichter hielt für unnöthig ihn das ausſprechen zu laſſen. Wer ſollte auch zwei⸗ feln, daß es geſchehen wird? Die Wirkung davon ſehen wir ſehr bald in Altorf an ſeinem Auftreten gegen Geßlers Grauſamkeit. Er benutzt die Gelegenheit ſeinem überſchwellenden und empörten Herzen Luft zu machen. Er geht bis zur aͤußerſten Grenze, bis zum offenen Widerſtande gegen Geßlers Gewalt. Wenn


