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In dem Geſpraͤch mit Tell verfolgt er die Richtung der Gedanken, in welche er durch ſeine Gattin gewor⸗ fen worden iſt. Er will Tells Beiſtand zu dem Kampfe gewinnen, der ihm als Ziel vor Augen ſteht. Durch das Schreckliche, was er nach ſeiner Entſchließung noch gehoͤrt hat, iſt er in ſeinem Willen noch entſchiedener geworden. Gedrückt von ſchweren Sorgen tritt er bei W. Fürſt ein, um deſſen Zuſtimmung und Beiſtand für ſein Vorhaben zu erlangen. In dieſer Abſicht erzäͤhlt er ihm die neuen ſchrecklichen Er⸗ eigniſſe in Unterwalden, die frevelhaften Thaten der Vögte Wolfenſchießen und Landenberg und des erſten blutige Beſtrafung. Der alte, bedaͤchtige W. Fürſt ſogar erſchrickt nicht darüber, denkt nicht an ihre Folgen ſondern billigt ſie mit den Worten: O, die Gerichte Gottes ſind gerecht! Am jungen Melchthal findet Stauffacher den erſten Mann, auf den er bei ſeinen Pläͤnen ſicher rechnen kann. Staufefacher ſagt die Hülfe der Schwyzer zu, wenn Uri, wenn Unterwalden hilft. Die naͤheren Beſtimmungen über das zu Thuende überlaͤßt er dem aͤlteren W. Fürſt. Für den Augenblick gilt es noch nicht Berathungen über die Vertrei⸗ bung der Bedrücker ſondern über die Schließung eines Bundes, welchem das Weitere feſtzuſetzen bleibt. Sie kommen uͤberein jeder zehn Maͤnner auf das Rütli zu bringen und verbinden ſich durch das Ver⸗ ſprechen dahin zu wirken, daß die drei Länder zu Schutz und Trutz zuſammenſtehn auf Tod und Leben.
Wie wir in der zweiten Scene den Prozeß verfolgen konnten, welcher in Stauffachers Seele vor⸗ ging, ſo beobachten wir hier die ſchnellſte innere Umwandlung an Melchthal, eine langſamere an W. Fürſt. Während bisher Stauffacher allein Traͤger und Fortführer der dramatiſchen Handlung war, nehmen von jetzt ab Melchthal und W. Fuͤrſt daran Theil. Alle drei zuſammen gelten von jetzt ab dem Dichter als eine Perſon, denn ſie handeln nach demſelben Plane, verfolgen daſſelbe Ziel, ſie führen mit einem Willen die Entwicklung des Dramas weiter. Den erſten Rang unter ihnen behaͤlt Stauffacher. Er, von dem die Bewegung ausgegangen iſt, treibt ſie am kraͤftigſten fort. Das zeigt ſich bei der Verſammlung auf dem Rütli. Er bringt den Bund zu Stande durch ſeine Rede üͤber das Weſen und den Zweck deſſelben. Auch in dieſer Scene nehmen wir das allmaͤhliche Werden des Entſchluſſes zum Kampfe wahr. Bekräftigung des Entſchluſſes iſt der Schwur. Dadurch treten zu jenen drei Perſonen noch dreißig hinzu. Dieſe alle haben nun die Aufgabe das in's Werk zu ſetzen, was von Stauffacher angeregt worden iſt. Hiermit iſt der Hoͤhepunkt des Dramas erreicht. Wenn nicht neue Momente in den Verlauf der Handlung eintraͤten, ſo konnten im Folgenden nur die Ereigniſſe dargeſtellt werden, welche ſich aus den bisherigen Vorbereitungen mit Wahrſcheinlichkeit und Nothwendigkeit ergeben, naͤmlich die Zerſtoͤrung der Burgen und die Vertreibung der Voͤgte am feſtgeſetzten Tage. Daß dieſe geſchehen, wird am Anfang des fünften Actes berichtet, aber raſch erwacht auch die Erinnerung an die Gefahren, welche vom Kaiſer drohen. Da kommt die Nachricht von deſſen Ermordung.
Der Zuſchauer iſt wiederholt und nachdrücklich daran erinnert worden, daß die Laͤndergier des Kaiſers der eigentliche Grund iſt für die Bedrückung der Waldſtätte. Im Geſpraͤche zwiſchen Pfeifer und Stauf⸗ facher taucht ſogar ſchon der Gedanke auf, daß ein anderer Kaiſer an's Reich gelangen könne. Wir hoͤrten ſodann in der Rütliſcene von Konrad Hunn den Bericht über ſeine Erfahrungen an des Kaiſers Pfalz zu Rheinfeld, daß dem Herzog Hans vom Kaiſer ſein Erbtheil mit Unrecht vorenthalten wuͤrde. Weinend ſtand der Herzog im Erker, drohend klangen ſeiner Freunde⸗Worte: Helft euch ſelbſt! Recht und Gerechtig⸗ keit erwartet nicht vom Kaiſer. Statt der Gerechtigkeit hat der Herzog ſogar noch Hohn vom Kaiſer erfahren.


