6
Altorf. Er iſt ſeiner Abſicht gemaͤß dorthin gekommen, Tell auf dem Wege nach Bürglen. Ihre Unter⸗ haltung bezieht ſich auf die Dinge, von welchen Stauffachers Seele ſeit der Unterredung mit ſeiner Gattin erfuͤllt iſt. Tell verſagt ſich nicht zu beſtimmter That, aber er will aus dem Rath gelaſſen ſein. Hierdurch deutet der Dichter im Voraus an, daß wir Tell erſt dann wieder antreffen werden, wenn die Zeit der That gekommen ſein wird. Stauffacher geht zu W. Fürſt. Aus ſeinem Munde erfahren wir dort Baumgartens Verbleib. Er findet bei ihm auch Arnold vom Melchthal und der vorbereitende Dreimännerbund kommt zu Stande. Die Abſicht mit dem Freiherrn von Attinghauſen Rath zu pflegen giebt Stauffacher auf. Sie beſchließen Freunde zu werben und ſich auf dem Ruͤtli zu verſammeln.
Die zweite Scene des zweiten Actes ſtellt dieſe Verſammlung dar. Jeder der drei Männer hat der Verabredung gemäß zehn Freunde mitgebracht. Sie conſtituieren ſich als Landsgemeinde, verpoͤnen durch erſtes Geſetz die Ergebung an Oeſterreich. Sie wollen die Vögte mit ihren Knechten verjagen und die feſten Schloͤſſer brechen, doch wird die Ausführung uſ das Feſt des Herrn verſchoben. Darauf ſchwören ſie den Eid des neuen Bundes.
Die Rütlibeſchlüſſe ſehen wir kurz vor dem Tode des alten Freiherrn noch i in Geltung, aber ſogleich nach demſelben wird der Plan von Rudenz umgeſtoßen. Er will nicht das Feſt des Herrn abwarten ſondern ſogleich handeln. Einen Augenblick widerſtreben die Häupter des Bundes. Zwei ungeheuere Ereig⸗ niſſe ſind ſeit jener Verſammlung geſchehen, Tell iſt gefangen, Bertha weggeraubt. Es Pringt die Zeit ein anderes Geſetz. Der Befreiungskampf ſoll alsbald beginnen. 1
In der erſten Scene des fünften Actes hoͤren wir, daß der größte Theil deſſelben vollendet iſt. Die inzwiſchen verbreitete Kunde von Tells Befreiung und Geßlers Tod, die erwarteten Feuerſignale auf den Bergen geben den Urnern Muth die neu erbaute Feſte zu brechen.
Das Volk ſteht fröhlich auf den Trümmern der Tyrannei und herrlich iſts erfüllt, was die Eid⸗ genoſſen auf dem Ruͤtli geſchworen haben. Aber dort iſt auch von dem Verhalten nach der Befreiung gehandelt worden, wenn die Rache des Kaiſers drohe. Darum ſagt W. Fürſt: Das Werk(der Befreiungs⸗ kampf) iſt angefangen, nicht vollendet u. ſ. w.
Der Zuſchauer erwartet zu hören, was der Kaiſer thun wird. Seine Erwartung wird durch die Nachricht vom Tode des gefuͤrchteten Kaiſers befriedigt. Die Schweizer brechen mit der reinen Hand des blutigen Frevels ſegenvolle Frucht. Das Anſinnen der Königin Elsbeth dazu zu helfen, daß die Mörder des Kaiſers der Hand des Raͤchers ausgeliefert werden, weiſen ſie ab.
Darauf kommt die Freude des Volkes und mit ihr das Gefühl des Dankes für Tell, der das Groͤßte gethan hatte, von Neuem zum Ausbruch. Von Stauffacher aufgefordert wallen Alle nach Tells Hauſe. In der letzten Scene hoͤren wir den Jubelruf: Es lebe Tell, der Schuͤtz und der Erretter!
II. Die erſte Scene des zweiten Actes fuͤhrt uns auf Schloß Attinghauſen. Der Freiherr fühlt ſich dem Tode nahe, ſein Neffe Rudenz iſt ſein Erbe. Dieſen zieht die Liebe zu Bertha von Bruneck nach Altorf in die Herrenburg. Dorthin geht er. Wir finden ihn wieder mit Bertha in Geßlers Gefolge bei der Jagd. Bertha geſteht, daß ſie ihn liebe, aber er müſſe mit maͤnnlichem Entſchluß die Schlinge zerreißen, die er ſich um's Haupt gelegt hat, er müſſe zu ſeinem Volke ſtehn. Das thut er gegen Geßler in Altorf vor Tells Schuß nach dem Apfel. Berthas Gefangenſetzung iſt davon die Folge. Wir erfahren dieſe von ihm ſelbſt, als er bald nach dem Ableben des Freiherrn nach Schloß Attinghauſen kommt. Dies


