Aufsatz 
Schillers Wilhelm Tell. Versuch einer methodischen Erklärung dieses Dramas in der Sekunda des Gymnasiums
Entstehung
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denen der Nachweis ihres inneren Zuſammenhanges mit einer jener Reihen nicht zu führen, die Nothwen⸗ digkeit ihrer Einfügung in das Drama nicht zu begründen war. In Bezug auf dieſe Scenen mußte es genügen den Gründen nachzuforſchen, welche den Dichter beſtimmt haben mögen ihnen im Drama Raum zu geben. Nächſtdem ſchien es nothwendig an den drei geſonderten Handlungen das Gemeinſame zu finden, ihre Verſchmelzung zu einer Handlung zu erweiſen. Dabei war Veranlaſſung gegeben zu beachten, wel⸗ chen Platz im Drama der Dichter jeder der drei Scenenreihen gegeben hat, wie der Hauptſache nach die eine den erſten und zweiten, die andere den dritten und vierten Act füllt, die dritte, kürzeſte, ſich durch den zweiten, dritten und vierten Act zieht, wie die Kataſtrophe in allen drei Handlungen am Ende des vierten und Anfang des fünften Actes zuſammengedraͤngt iſt.

Nun erſt war es an der Zeit die Frage aufzuwerfen, welchen hiſtoriſchen Stoff der Dichter bei ſeiner Arbeit vor ſich hatte, wie er ihn benutzt hat. Es mußte der Verſuch gemacht werden ihn bei ſeiner Arbeit zu verfolgen, ihm gleichſam nachzuarbeiten und dabei zum moͤglichſt vollſtändigen Verſtändniß ſeiner Gedanken zu gelangen. Die neueren Forſchungen haben ergeben, daß ihm namentlich Tſchudis Chronik den Stoff geliefert hat. Wir finden bei Vergleichung der Erzaͤhlung von Tſchudi mit dem Schillerſchen Drama manche Aenderungen, welche der Dichter vorgenommen hat. Das Wichtigſte iſt, daß ſie Nichts von dem enthaͤlt, was bei Schiller den Inhalt der Scenenreihe ausmacht, in welcher Rudenz Hauptperſon iſt. Dieſe ganze Reihe iſt aus freier Erfindung des Dichters hervorgegangen. Sie bildet den Theil des Dramas, welcher von den Kritikern als unnoͤthig verworfen worden iſt. In der That laͤßt er ſich leicht herauslöſen, ohne daß eine Lucke in der Handlung entſteht. Es braucht nur der Beginn des Kampfes von Seiten der Eid⸗ genoſſen, zu welchem ſie bei Schiller von Rudenz fortgeriſſen werden, auf andere Weiſe motiviert zu werden. Hier war es unabweislich fuͤr die Einfuͤgung dieſer rein erfundenen Partie in das Drama eine Erklärung zu ſuchen.

Nach dem ſo eben entworfenen Plane habe ich mich bemüht den Unterſecundanern das Verſtäͤndniß des Wilhelm Tell zu vermitteln, ihnen die Einſicht in den Bau des Dramas, in die treibenden Motive und in die Entwicklung der Charaktere zu verſchaffen, ihnen zur Erfaſſung der Idee des Dramas und zur Erkenntniß der Einheit der Handlung zu verhelfen. Die Beſprechung über das Verhalten des Dichters gegenuͤber den Quellen, aus welchen er das hiſtoriſche Material ſchöpfte, namentlich alſo uͤber die Zudichtung der einen Scenenreihe wurde durch Zeitmangel abgeſchnitten. Von der Art wie der obige Plan ausgeführt worden iſt, ſoll das Folgende eine Vorſtellung geben. Es iſt für den Sachkundigen unnöͤthig dazu zu be⸗ merken, daß die folgenden Ausfuͤhrungen nur das Reſultat ſind, welches geſprächsweiſe durch gemeinſame Arbeit und unter geiſtiger Wechſelwirkung zwiſchen Lehrer und Schülern herausgearbeitet wurde.

Ueberſicht der drei Scenenreihen.

I. Das erſte Exeigniß im Drama iſt Baumgartens Ankunft am See. Die Reiter des erſchlage⸗ nen Landvogts ſind ihm auf den Ferſen, treffen auch bald ein. Tell unternimmt es trotz der großen Gefahr ihn über den See zu fuͤhren. Am Ende der zweiten Scene werden wir über das Geſchick der beiden Maͤn⸗ ner beruhigt. Wir ſehen ſie vor Stauffachers Hauſe in Schwyz wieder. Tell hat Baumgarten dorhin ge⸗ führt, weil er wußte, daß Stauffachers Haus ein Zufluchtsort für ihn waͤre.

Stauffacher hatte in dem Geſpraͤch mit ſeiner Gattin beſchloſſen nach Uri zu fahren, um mit Wal⸗ ther Fürſt und dem Freiherrn von Attinghauſen Rath zu pflegen. Wir begegnen ihm dort mit Tell in