Aufsatz 
Zur Erinnerung an Hermann Anton Joseph Wedewer
Entstehung
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ſeiner eigenen Schule, ausgezeichnet durch mehrfache Zuſchriften von nahe und ferne, vor Allem durch die Ueberſendung des Diploms eines Doctors der Philoſophie von Seiten der philoſo⸗ phiſchen Facultät der Univerſität Würzburg, in rüſtiger Kraft und Geſundheit feſtlich zu begehen ²²). Niemand wol mochte unter der allgemeinen Feſtfreude dieſes Ehrentags ahnen, daß der gefeierte Jubilar ſobald ſchon um Weihnachten desſelben Jahres lebensgefähr lich erkranken ſollte, nachdem er bis dahin durch einfaches Leben und an ſchulfreien Nachmittagen faſt bei jedem Wetter unternommene rüſtige Gänge ſeine Geſundheit zu erhalten gewußt und es als eine beſondere Gnade Gottes rühmen konnte, daß er bis in die letzten Jahre keine einzige Lehrſtunde wegen Krankheit ausgeſetzt habe. Nach ſeiner Wiedergeneſung arbeitete und lebte er wie zuvor und erfreute ſich im Jahre 1869 des weitern Glückes, an der Seite einer geliebten Gattin und zweier braven Söhne ſein ſilbernes Ehejubiläum in der frü⸗ heren Rüſtigkeit feiern zu können. Indeß kam das verhängnißvolle Jahr 1870, und mit ihm der ruhm⸗ und opferreichſte Krieg des ganzen Jahrhunderts heran. Hatte Wedewer ſeinen älteſten Sohn gerne als Freiwilligen in den heiligen Kampf mitziehen ſehen, ſah er denſelben auch im Anfange des Jahres 1871, mit dem Offiziersrange und dem Eiſernen Kreuze, aber auch ver⸗ wundet, zu ſich zurückkehren, ſo hatte ſich inzwiſchen doch zu den ſchweren Sorgen des beküm⸗ merten Vaters noch ein ſchwereres körperliches Leiden geſellt, welches bald, wol durch allzu geringe eigene Schonung bei der Erfüllung ſeiner Berufspflichten verſchlimmert, zu einem unheil⸗ baren Uebel ausartete, deſſen Schmerzen er mit wahrhaft chriſtlicher Geduld und Ausdauer, wie zu eigner letzten Läuterung, ertrug. So iſt er denn nach langem und ſchwerem Leiden am Abende des 16. April, am weißen Sonntage, von uns hinweggenommen worden, an welchem Tage in der Kirche Gebete für den Todtkranken zum Himmel emporgeſtiegen waren. Noch kurz vor ſeinem Hinſcheiden, als er ſchon nicht mehr ſprechen konnte, hatte er das Bild des Heilands an ſein Herz gedrückt und angedeutet, daß ihm der Tod nur als ein Uebergang zu einem beſſern Leben erſcheine.

So geſtaltet ſich uns das Leben und die Wirkſamkeit Wedewers zu dem Bilde eines Men⸗ ſchen von biederer Herzensgüte, Humanität und Milde, welche ſeinem Munde wol ſelten ein bitteres Wort entfallen ließ; eines Mannes von chriſtlich⸗gläubiger Ueberzeugung und Gottvertrauen im Leben, Leiden und Tode, welchem, wiewol er als treuer Sohn ſeiner Kirche ergeben war, Indifferentismus wie Unduldſamkeit auf religiöſem Gebiete gleich verhaßt blieb; eines patriotiſch⸗

*²) Vgl. Frankfurter Nachrichten 1868 No. 73, S. 579 f.