Aufsatz 
Zur Erinnerung an Hermann Anton Joseph Wedewer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

Mann von ächter, tiefer Religioſität, kannte er keinen unlösbaren Conflict zwiſchen Glauben und Wiſſen und, von der Kraft der chriſtlichen Wahrheit durchdrungen, erkannte er die Religion als das höchſte Lebensgebiet ¹⁵) und war ſelbſt beſtrebt, den Einfluß des Chriſtenthums nach den verſchiedenſten Richtungen hin, insbeſondere auch zur Verwerthung für Unterricht und Erziehung, nachzuweiſen; daher ſollte nach ſeiner tiefſten Ueberzeugung der chriſtliche Lehrer ſeine Zöglinge durch Wort und Beiſpiel zu wahrer chriſtlicher Bruderliebe, zu aufrichtiger ächter Duldung und Achtung Andersgläubiger ermuntern, welche ſich mit warmer entſchiedener Anhänglichkeit an die eigene Confeſſion ſehr wohl vertrage, ja am meiſten geeignet ſei, Andere für dieſelbe zu gewinnen. Wiewohl ſeiner Kirche treu ergeben, war er beſtrebt, das Gemeinſame der chriſt⸗ lichen Confeſſionen anzuerkennen und verſöhnend einzuwirken. Unter den reichen Segnungen des Chriſtenthums hob er insbeſondere auch deſſen Einfluß auf die Kunſt hervor und konnte daher auch die Pflege des Aeſthetiſchen als pädagogiſches Mittel nicht außer Acht laſſen. ¹⁹) So war Wedewer eine lange Reihe von Jahren als Pädagoge an ſeiner Schule, litera⸗ riſch und theilweiſe als Mitglied des Frankfurter Lehrervereins 20), ebenſo thätig, wie durch Vorleſungen in Vereinen ²¹) und als Schriftſteller. In dieſer allſeitigen Thätigkeit wurde ihm am 12. September 1868 das Glück zu Theil, das fünfundzwanzigjährige Jubiläum ſeiner Wirk⸗ ſamkeit als Inſpector und erſter Lehrer der Selectenſchule, unter ehrender Anerkennung ſeiner Verdienſte um Schule und Wiſſenſchaft von Seiten der Behörden wie des katholiſchen Gemeinde⸗ vorſtandes, begrüßt von Deputationen der meiſten Schulen dahier, beglückwünſcht und beſchenkt von ſeinen Collegen an den katholiſchen Schulen, insbeſondere von den Lehrern und Zöglingen

¹³) Bgl. Programm von 1861, S. 17.

¹²) Vgl. die Programmabhandlung von 1851:Die Bildung des Schönheitsſinnes, ein wichtiger Theil des Unterrichts und der Erziehung, und die bei der declamatoriſch⸗ muſikaliſchen Schulfeier der Selectenſchule am 28. December 1862 gehaltene Rede:Ueber die Bedeutung des Chriſtenthums für die Idee des Schönen und der Kunſt.

²⁰) Dieſem Vereine trat er 1864 bei, bekleidete einmal die Stelle eines zweiten Vorſtehers und betheiligte ſich einige Jahre lebhaft an den Verhandlungen desſelben, insbeſondere, ſo viel wir wiſſen, durch einen Vortrag über die Einrichtung beſonderer Arbeits⸗ oder Vorbereitungsſtunden an der Schule, einen Gegenſtand, den er bereits in dem Programme von 1850 behandelt hatte. Dieſe von ihm aus vollſter Ueberzeugung vertretene Einrichtung mochte ſich früher und unter anderen Verhältniſſen beſſer bewähren, als es ſpäter der Fall war.

²¹) Bgl. A. 2 und 15.