Aufsatz 
Zur Erinnerung an Hermann Anton Joseph Wedewer
Entstehung
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mit Nothwendigkeit nach den von dem Schöpfer in ihn gelegten Geſetzen. Demnach iſt der Urſprung der Sprache göttlich und menſchlich, das Werk Gottes und der Menſchen, der Noth⸗ wendigkeit und der Freiheit, der Natur und des Geiſtes, eine Gabe und Aufgabe zugleich. Dabei tritt er(S. 45, vergl. Progr. v. 1870 S. 21) den extremen Anſichten von der höchſten Fülle natürlicher Kenntniſſe bei dem Urmenſchen, wie auch von der Entwicklung des Menſchen aus den niedrigſten Formen bis zur Stufe eigentlicher Menſchwerdung durch die Sprachbildung entgegen. Bezüglich des Verhältniſſes der Völker und Sprachen iſt ihm(Progr. v. 1859, S. 10) die Sprache der Spiegel des Volksgeiſtes, das klare Auge des Volkes, wodurch ihm der Kenner in ſein Herz blickt. Mit Recht macht er dabei(S. 42) die Deutſchen auf die Wichtigkeit und Bedeutung des Gemeingutes aufmerkſam, welches ſie in ihrer Sprache beſitzen, die zudem (Progr. v. 1867, S. 26) in Folge des Zuſammentreffens vieler günſtigen Umſtände vor allen ganz und gar von chriſtlichen Geiſte durchdrungen ſei. Noch in den letzten Worten ſeines vorletzten Programmes(1870, S. 24 f.) legt er den Deutſchen an's Herz, ein ſolches Geſchenk, wie ihre Sprache ſei, in Ehren zu halten, eine Sprache, welche ſich durch innern Wahrheitsgehalt und ächt chriſtlichen Geiſt vor vielen anderen auszeichne, bei der ihr eigenthümlichen Klarheit und Entſchiedenheit nirgends mit gefälliger Leichtfertigkeit über die Oberfläche hinweggleite, ſich viel⸗ mehr ſträube, leerem Wortgeklingel und nichtsſagender Phraſe den Ausdruck des Gedankens und den Schein inneren Gehaltes zu leihen.

Außer der Sprachwiſſenſchaft und allen mit ihr zuſammenhängenden tief eingreifenden philo⸗ ſophiſch⸗anthropologiſchen Fragen war aber auch das tiefere Verſtändniß des claſſiſchen Alterthums und ſeines in unſeren Tagen viel beſprochenen Verhältniſſes zum Chriſtenthume Gegenſtand ſeiner Forſchung. Hatte er ſchon in ſeinen Erſtlingsarbeiten die Verwerthung des claſſiſchen Alterthums in comparativer Methode angeſtrebt ¹⁶), ſo war er ſpäter bemüht, die Gegenſätze der antiken Claſſicität und des Chriſtenthums klar darzulegen, das Verhältniß beider zu einander feſtzuſtellen, insbeſendere auch die Nothwendigkeit chriſtlicher Erziehung hervorzuheben und zu betonen ¹⁷). An ſich ein

¹6) Vergl. A. 2 und die Programmabhandlung von 1856:Ueber den paränetiſchen Gebrauch der Mythen bei den Griechen.

¹7) Vgl. die Programmabhandlung von 1855:Claſſiſches Alterthum und Chriſtenthum mit beſonderer Be⸗ ziehung auf die Gelehrtenſchulen, ſowie ſeine 1852 erſchienene Schrift:Die Erziehung vom katholiſch⸗chriſtlichen Standpunkte betrachtet, nebſt Vorſchlägen zur Umbildung und Erweiterung der Selectenſchule. 44 S. 4, und die Prüfungsrede von 1864:Die Wichtigkeit und Bedeutung des religiöſen Princips für Unterricht und Erziehung. Ganz beſonders aber iſt hier zu erwähnen die als Nr. 1 des IV. Jahrgang der von dem Brochüren⸗Vereine heraus gegebenen Flugſchriften im Jahre 1868 erſchienene Abhandlung:Die Literatur und die chriſtliche Jugend⸗ bildung, wol die inhaltlich und ſtyliſtiſch beſte Arbeit Wedewers.