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und im Herbſte nach Frankfurt a. M. überſiedelte. Dieſe Stadt wurde ihm bald ſo ſehr zur zweiten Heimath, wie er es ſelbſt ausſprach, daß er wiederholt vor und nach dem Jahre 1866 ihm gemachte Anerbieten zu einer beſſern Stellung in Altpreußen und Oeſterreich, insbeſondere durch Vermittelung der Hrn. Geh. Rath Brüggemann und Staatsrath von Linde, trotz der geringen Dotierung ſeiner Stelle dankend mit dem Bemerken ablehnte, daß er ſich in die Frank⸗ furter Verhältniſſe bereits vollſtändig eingelebt habe und zufrieden ſei, wie auch durch vielfache freundſchaftliche Beziehungen zu einer Reihe ausgezeichneter Männer ſich gerne feſtgehalten fühle. Wedewer beſaß nämlich die bei Norddeutſchen eben nicht ſehr häufige Gabe, das Gute in der Eigenthümlichkeit der Bewohner Frankfurts, insbeſondere auch der Frankfurter Jugend, zu erkennen und anzukennen. Seine reiche in mannigfachen Stellungen und an verſchiedenen Orten geſammelten Erfahrungen hatten ihn ſich ſehr bald hier zurecht finden laſſen, und ſeine Milde und Humanität namentlich, die ein Grundzug ſeines Weſens waren, mußten ihn bald in Einklang mit dem hierortigen Fühlen und Denken ſetzen. Von den bedeutenden Perſönlichkeiten, mit denen er befreundet war, mögen hier nur der gelehrte Bibliothekar und große Geſchichtsforſcher Dr. Fr. Böhmer, der ſinnige Kunſtkenner J. D. Paſſavant, Inſpector des Städel'ſchen Kunſtinſtituts, wie der philoſephiſche Arzt Dr. K. Paſſavant, Rath Schloſſer und Geh. Rath von Sydow, preußiſcher Geſandter am Bundestage, herausgehoben werden.
Aber nicht blos in dem ſtillen Wirken der Schule und der Behaglichkeit ruhiger Zeiten und Zuſtände fand die Thätigkeit Wedewers ihr einziges Ziel; auch den Anſprüchen des Vaterlandes und der Vaterſtadt an ſeine Bürger ſuchte er nach beſten Kräften zu entſprechen. Wie Alle ergriff ihn die gewaltige Bewegung der Geiſter im Jahre 1848, von der auch er für die Schule erſprießliches erwarten durfte ³) und veranlaßte ſogar ſeine Theilnahme an der deutſchen Nationalverſammlung, in welche er, durch das Vertrauen ſeines heimathlichen Wahlkreiſes Coesfeld⸗ Borken berufen, ſeine Stelle im Centrum wählend, als Mitglied eintrat und ſich lebhaft an den Verhandlungen betheiligte. Gleicher Weiſe folgte er dem Rufe der katholiſchen Kirchen⸗ gemeinde zum Eintritte in ihren Vorſtand, in welchem er zehn Jahre lang von 1852— 1857 und 1859— 1864 thätig war.
Schon bald nach ſeiner Uebernahme der Leitung der Selectenſchule wandte er ſeine Thä⸗ tigkeit dem innern und äußern Ausbaue der Schule zu und ermüdete in ſeinem Streben nicht, als nach den Jahren 1848, 1854 und 1866, freilich unter ganz verſchiedenen Zeitſtrömungen
³) Vgl. die Programmabhandlung der Selectenſchule von 1848„Zur Schulreformfrage“.


