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Zuweiſung eines tüchtigen Philologen als Erzieher ſeines Sohnes erſucht hatte. Wedewer, alsbald nach Neapel abgegangen, wurde von dem ergrauten Diplomaten freundlich aufgenommen und fand in dem Aufenthalte an dem herrlichen Golf von Neapel und in dem durch ſeine Stellung ihm ermöglichten Verkehre mit bedeutenden Perſönlichkeiten reiche Entſchädigung für Florenz. Als nach 6 Monaten Graf Stackelberg ſeine Geſandtſchaftsſtelle niedergelegt hatte und nach Mailand, ſewie von da nach einem halben Jahre nach Paris übergeſiedelt war, bot ſich Wedewer die erwünſchte Gelegenheit, das großartige Leben in dieſen beiden Weltſtädten kennen zu lernen und ſeine Lebenserfahrungen und Kenntniſſe zu erweitern. Durfte er ſich der glücklichen Wen⸗ dung ſeines Schickſals, die ihn in das Stackelbergiſche Haus geführt hatte, noch in ſpäteren Jahren im Kreiſe ſeiner Familie und ſeiner Freunde mit Genugthuung erinnern, ſo geſchah es unter dem Hinweiſe auf die eigenen Erfahrungen und mit dem Ausdrucke der feſten Ueber⸗ zeugung, daß, wenn gehegte Hoffnungen nicht erfüllt würden, die Vorſehung es anders beſchloſſen habe: ein Glaube, der ihm für ſein ganzes Leben Muth und Zuverſicht in allen Widerwärtig⸗ keiten gab. Daß er, wie ſchon oben angedeutet, ſeinen Aufenthalt auf dem claſſiſchen Boden Italiens und in der Weltſtadt Paris benutzte, um ſich an dem, was dieſe Städte an Schätzen des Alterthums, der Kunſt und Wiſſenſchaft boten, weiter zu bilden, wie auch bedeutenden Perſön⸗ lichkeiten näher zu treten, bedarf bei dem Drange ſeines wiſſenſchaftlichen Sinnes kaum beſon⸗ derer Erwähnung. Wiewohl Wedewer 2 ½ Jahre in den angenehmſten Verhältniſſen im Stackelbergiſchen Hauſe lebte, ließ er ſich doch durch die glänzendſten Anerbietungen für die Zukunft nicht abhalten, einer Aufforderung ſeines ehemaligen Lehrers, des Directors Söckeland in Coesfeld, zu folgen und um Uebernahme einer am Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt erledigten Stelle ſich zu bewerben, und trat um Neujahr 1837 als ordentlicher Lehrer dortſelbſt ein, nachdem er noch vorher, nach Wunſch des Grafen Stackelberg, einen Landsmann als Nachfolger in ſeinen bis⸗ herigen Funktionen angeleitet hatte. Sechs Jahre lang, von 1837—1843, wirkte Wedewer nunmehr in angenehmen collegialiſchen Verhältniſſen in ſeiner neuen Stellung und beſtand nicht allein bald nach ſeinem Eintritte vor der Prüfungscommiſſion zu Münſter ein zweites Examen pro facultate docendi in der franzöſiſchen, engliſchen und italieniſchen Sprache, ſondern ver⸗ werthete auch ſeine reiche Kenntniß dieſer Sprachen, zugleich zu eigener Uebung, in der Stiftung eines engliſchen und italieniſchen Kränzchens, an dem unter Anderen auch die in Coesfeld lebende fürſtlich Salm⸗Horſtmar'ſche Familie ſich thätig betheiligte.
Mit dem Jahre 1843 begann für Wedewer ein neuer Abſchnitt ſeines Lebens und ſeiner Beruſsthätigkeit, indem er durch Beſchluß des Senats der freien Stadt Frankfurt vom 13. April desſelben Jahres zum Inſpector und philologiſchen Lehrer an die Selectenſchule berufen wurde


