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wandten, eine Erzieherſtelle in dem Hauſe des als engliſcher Schriftſteller bekannten Walther Savage Landor erhielt, der damals bei Florenz auf dem Lande wohnte, wodurch nach Welckers ausgeſprochener Abſicht der junge Informator Gelegenheit haben würde, auf dem claſſiſchen Boden Italiens ſeine Kenntniſſe zu bereichern. Dieſem Rufe folgte Wedewer gerne und betrat ſomit die für ſo Viele dornenvolle und an Täuſchungen reiche Bahn eines Hofmeiſters, obwohl er ſich in ſeinem Wirkungskreiſe bald glücklicher als Andere zu fühlen alle Urſache hatte. Schon auf der Reiſe hatte ein durch widrige Winde verſchuldeter Aufenthalt in Marſeille bei der Er⸗ ſchöpfung ſeiner Reiſemittel ihn den Ernſt des Lebens kennen gelehrt, aber in einem neapolitaniſchen Officier einen Helfer in der Noth finden laſſen, welchen ſicherlich ſeine treuherzige Offenheit für ihn gewonnen hatte. Bei Landor freundlich aufgenommen, verlebte er auf einem Landgute in Fieſole bei Florenz angenehme Tage, zumal ſeine Berufsgeſchäfte ihm noch Zeit zu Studien ließen, deren Erſt⸗ lingsfrucht ein Buch über Homer, Virgil und Taſſo war, welches ſpäter bei Theiſſing in Münſter im Druck erſchien, ²) und mit dem er ſeine Studien zur comparativen Beurtheilung claſſiſcher und moderner Stoffe begann. Dieſer Aufenthalt wurde jedoch bald von rauher Hand im Mai 1834 unterbrochen, indem von Seiten der Militairbehörde an Wedewer die Aufforderung erging, ſich innerhalb 14 Tagen zur Erfüllung ſeiner Militairpflicht auf dem neuen Platze zu Münſter Mittags 12 Uhr zu geſtellen, eine um ſo unangenehmere Ueberraſchung, als ihm von Seiten des Kreis⸗Landrathes die Hoffnung auf Ausſtand bis zu ſeiner Rückkehr in die Heimath gemacht worden war. Als Wedewer nach ſechswöchentlicher Dienſtzeit nach Florenz zurückgekehrt war, fand er ſeine Stelle trotz des ihm gegebenen Verſprechens von einem Andern beſetzt, da die von ihm gegebene Ausſicht auf eine ſechswöchentliche Dienſtzeit Herrn Landor als eine trügeriſche hingeſtellt worden war. So im fremden Lande ſich ſelbſt überlaſſen, verzagte Wedewer nicht, denn, wie er ſelbſt von dieſer Lage zu ſagen pflegte,„wo die Noth am größten, iſt Gott am nächſten.“ Bald auch verwies ihn ein Fräulein von Schlaberndorf, welches die Erziehung der Landor'ſchen Töchter leitete, an den ihm befreundeten preußiſchen Geſandten in Rom, Herrn von Sydow, welchen der ruſſiſche Geſandte in Neapel, Graf Stackelberg, eben um
²) Homer, Virgil und Taſſo oder das befreite Jeruſalem in ſeinem Verhältniſſe zur Ilias, Odyſſee und Aeneis. Münſter 1843. 379 S. 8: vgl. die Rezenſion von H. Stoll in der Zeitſchrift für die Alterthumswiſſenſchaft 1846. No. 107 S. 849— 854. Auch ſpäter noch hat ſich Wedewerverwandten Studien mit Vorliebe zugewendet, wie die Programmabhandlung von 1857:„Ueber die epiſche Sagenpoeſie mit beſonderer Berückſichtigung ihrer Wichtigkeit und Bedeutung in ſtofflicher Beziehung“ und die im Winter 1854—55 gehaltenen Vorleſungen über die epiſche Poeſie einiger orientaliſchen Völker bezeugen.


