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zu geben verſucht werden, welche das Bild des Seligen unvergänglicher ihrer Seele vorſtellen und ihrem Herzen einprägen möchte, als es ein Mal von Stein und Erz zu bewirken vermag. ¹)
Hermann Anton Joſeph Wedewer wurde am 14. Juni 1811 in der früher biſchöflich⸗ münſteriſchen, damals unter unmittelbarer franzöſiſchen Herrſchaft ſtehenden, ſpäter preußiſchen Stadt Coesfeld in Weſtfalen als Sohn eines Oekonomen geboren, gehörte demnach dem unvermiſchten alten Sachſenſtamme an, deſſen Charakter ſich in der hohen Geſtalt und der Geiſtes⸗ und Gemüthseigenthümlichkeit des Mannes unverkennbar ausprägte. Vom ſiebenten Jahre an beſuchte er die Rectoratsſchule ſeiner Vaterſtadt und zeichnete ſich ſchon hier durch regen Fleiß aus. Noch lebt im Gedächtniſſe ſeiner Mitſchüler die auf lateiniſch zu beantwortende Frage des Rectors an ihn, auf wielange er den erſten Platz gepachtet habe. Im Jahre 1822 trat er in das Progymnaſium ſeiner Vaterſtadt ein, bei deſſen im Jahre 1827 erfolgten Erhebung zu einem vollſtändigen Gymnaſium Wedewer nebſt noch einem einzigen ſeiner Mitſchüler mit Ueberſpringung der Unterprima ſofort in die Oberprima verſetzt wurde. Im Herbſte 1829 erwarb er ſich bei der unter dem Vorſitze von Kohlrauſch abgehaltenen Abiturientenprüfung, als einziger unter 12 Mitſchülern, das Zeugniß No 1, das höchſte, welches damals ertheilt wurde. Nach Abſolvierung des Gymnaſiums beſuchte er zunächſt auf ein Jahr die Akademie zu Münſter, wo er unter der Leitung der Profeſſoren Grauert, Winiewsky und Schlüter philoſophiſchen und philolologiſchen Studien oblag und ſich des vertrauten Um⸗ ganges der genannten Lehrer erfreute. Von Münſter im Herbſte 1830 nach Bonn übergeſiedelt, hörte er dort während 2 ½ Jahre die Vorleſungen von Niebuhr, Welcker, Heinrich, Näcke, Löbell, Dieſterweg u. A. und betheiligte ſich als ordentliches Mitglied an den Uebungen in dem von Welcker trefflich geleiteten philogiſchen Seminar, deſſen Beſuch und wohlthätiger Einfluß auf ſeine Studien bei ihm in gutem Andenken blieb. Nach Be⸗ endigung ſeiner Univerſitätsſtudien beſtand er um Oſtern 1833 die Prüfung pro facultate docendi und trat am Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt ein, um ſein geſetzliches Probejahr abzuhalten. Kaum war Wedewer ein halbes Jahr in dieſer Thätigkeit geweſen, als er auf Empfehlung Welckers, an welchen ſich häufig Ausländer mit der Bitte um Zuweiſung von Erziehern
¹) Ueber den Lebens⸗ und Studiengang des Hingeſchiedenen liegen ſeine eigenen Mittheilungen in dem Oſterprogramme der Selectenſchule von 1855, S. 43 f., ſowie der Nachruf eines Freundes E. in dem Muſeum, Beiblatt zur„Frankfurter Preſſe“, April 1871, und die Gedächtnißrede eines andern Freundes, des Hrn. Ober⸗ lehrers Dr. Finger, vor, welche am 13. Januar 1872 in der Jahresſitzung der Frankfurter allgemeinen Lehrer⸗ verſammlung gehalten und freundlichſt zur Mitbenutzung verſtattet wurde.


