Aufsatz 
Antike und moderne Erziehung : 2. Die Behandlung der verlassenen Kinder im klassischen Altertum
Entstehung
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zu erfreuen.) Zuvörderſt war es Antoninus Pius(138161 n. Chr.), der Nachfolger Hadrians, welcher zu Ehren ſeiner verſtorbenen Gemahlin, der älteren Fauſtina, deren Andenken) er auch auf dieſe hochherzige Weiſe verewigte, neue Stiftungen dieſer Art etwa um das Jahr 140 n. Chr. gründete und zwar vorzugsweiſe zum Vortheile der armen Jugend weiblichen Ge⸗ ſchlechts, auf deſſen Genügſamkeit, wie ſich aus der Bemeſſung der beiderſeitigen Unterſtützungs⸗ beträge erſehen läßt, unter Trajan offenbar etwas zu ſehr gerechnet wurde.) Es kann ſich aber dieſes Inſtitut der puellae alimentariae Faustinianae ⁵⁵) ſicherlich nur auf die Stadt Rom ſelbſt beſchränkt haben, da anderweitige Stiftungen Antonins, wie für die pueri et puellae der Cuprenses Montani im Jahre 149 und der Urbinates ⁶⁶) im Jahre 150, bezeugen, daß der edle Kaiſer öfters ⁶⁷) ſolche mildthätige Unterſtützungsfonds für Städte Italiens angelegt, dabei aber auch in üblicher Weiſe die männliche Jugend mitbedacht hat.

Beſondere Fürſorge widmete auch Marcus Aurelius, der Philoſoph auf dem Throne der Cäſaren,(161 180 n. Chr.) dem Kinderalimentationsweſen, wie man aus einer leider nur ſehr kurzen und allgemeinen Andeutung ſeines Biographen Capitolinus zu ſchließen berechtigt iſt, 6s) zumal die Fortdauer der beſtehenden Alimentationsſtiftungen auch unter ſeiner Regierung

*²) Vgl. über die Alimentationsſtiftungen der Antonine Cramer S. 498 f.; Krauſe S. 359; Wolf S. 29 f.; Becker⸗Marquardt a. a. O. III, 2 S. 114 f.; Schück S. 6.

*³) Antoninus Pius machte ſeine Stiftung offenbar auch in demſelben Sinne wie die oben A. 58 erwähnte Wittwe Macrina, nämlich in memoriam, zum Andenken der Verſtorbenen: eine Anſchauung, die lehhaft an chriſtliche gleicher Veranlaſſung und gleichen Weſens erinnert.

64) Vgl. Wolf S. 29.

65) Vgl. Capitolin. Anton. c. 8: puellas alimentarias in honorem Faustinae Faustinianas constituit. Bezügliche Münzen der Fauſtina(Eckhel D. N. III, p. 40) zeigen den Kaiſer mit der Toga belleidet, ſitzend, indem er ein kleines Mädchen von einer anderen Perſon entgegennimmt; Henzen p. 19. Fauſtina ſtarb im 3. Jahre der Regierung Antonin's. Wie nach Trajan ſich die pueri et puellae alimentarii Ulpii oder Ulpiani nannten, ſo überhaupt von jetzt an nach dem Namen ihres Stifters.

66) Die Inſchrift der pueri et puellae alimentarii von Cupra Montana bei Murat. 238, 2; der von Urbi⸗ num ebend. 238, 3= Grut. 1022, 6; beide ſind dem Antoninus Pius offenbar als Huldigungen dankbarer Pietät gewidmet: Wolf S. 29 und Henzen p. 19.

⁶7) Andere Münzen(vgl. A. 65) von Antoninus Pius aus den Jahren 151, 160, 161 n. Chr., welche ſich gleichfalls auf ſolche kaiſerliche Ausſpendungen und Stiftungen beziehen, ſ. bei Eckhel a. a. O. S. 22 und 48; Henzen p. 19.

6s) Ueber des M. Aurelius Alimentationen ſ. Wolf S. 30; Cramer S. 498 f.; Krauſe S. 359; Becker⸗ Marquardt III, 2 S. 114; Schück S. 6: Capitolin. M. Anton. phil. c. 11: de alimentis publicis multa pru- denter invenisse dicitur. Ob ſich dieſer unbeſtimmte Ausdruckmulta prudenter invenit auflöbliche Verbeſ⸗ ſerungen in der bisherigen Verpflegung der Armen, wie Cramer meint, oder auf die verſchiedenen Anläſſe be⸗ zieht, durch welche der edelmüthige Kaiſer erwünſchte Gelegenheit zur Mildthätigkeit gegen dürftige Kinder fand, bleibt zweifelhaft.