Aufsatz 
Pädagogische Bedeutung der Altertumsstudien in der Gegenwart
Entstehung
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zeichnet ſich zuvörderſt der ſcharfe Gegenſatz der antiken Weltan⸗ ſchaung zu den modernen Lebenszielen und erklärt ſich zugleich der Mangel eines Inſtitutes, einer Kirche, welche die Pflege der das Jenſeits umfaſſenden Ideen und Lehren zur Aufgabe hat. Dem⸗ nach iſt in der Blüthe der antiken Welt von einem Streite der Kirche und Schule nirgend die Rede; keine ſogenannte Ab⸗ hängigkeit der Schule von einer Kirche findet ſtatt; nirgend ein Einfluß geiſtlicher Behörden auf Unterricht und Erziehung.*) Es kann nicht entgehen, daß dieſe einſeitige Beſchränkung und Rich⸗ tung des antiken Geiſtes auf das Diesſeits allein in der Pädago⸗ gik der Alten ſelbſt eine größere und intenſivere Concentration der Ziele, wie der Mittel und Wege des Unterrichts und der Erziehung ermöglichte, als dieſes in einer Zeit geſchehen kann, welche, wie die unſerige, die Schule unter dem annoch ungelöſten Streite von Kirche und Staat um ihren Beſitz ſchmerzlich leiden läßt. Wem wäre es unbekannt, welche tief einſchneidende Wunden dieſer Zwieſpalt, zumal bei dem beklagenswerthen Gegenſatze der Kirchen, Confeſſionen und Sekten, bei der ſchrankenloſen Freiheit des Einzelnen und ſeinen Glaubens⸗ oder Unglaubens⸗Anſichten, bei dem Auf⸗ und Abwogen ephemerer Regierungsſyſteme und ihrer ſelbſt das religiöſe Leben beeinfluſſenden Strömungen, bei dem Terro⸗ rismus endlich der Parteien, der Schule ſchlägt, deren Vertreter von allen dieſen Einwirkungen beſtimmt, bald dieſes, bald jenes Maß von(Chriſtlichkeit; haben und lehren ſollen, bald durch ihre poſitiv⸗chriſtliche Geſinnung nach oben oder unten mißliebig, bald, ſelbſt und an ſich glaubenslos, durch weltlich⸗politiſche Rück⸗ ſichten zur abſcheulichſten Heuchelei hingedrängt werden: welche Früchte können bei ſolchen Zuſtänden für Erziehung und Unterricht gewon⸗ nen werden?)

¹⁴) Vgl. A. Schmidt Geſchichte der Denk⸗ und Glaubensfreiheit im erſten Jahrhundert der Kaiſerherrſchaft und des Chriſtenthums, Berlin 1847, 8. S. 404.

¹⁵) Wiewohl es als Beleg hierzu nur einer Umſchau im Vaterlande be⸗ darf, ſo mag doch im beſondern auf das unerquickliche Bild verwieſen wer⸗ den, welches Paul Hoffmann in ſeinenSchlaglichtern auf das heutige