Aufsatz 
Pädagogische Bedeutung der Altertumsstudien in der Gegenwart
Entstehung
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meiſt gleichgiltig und theilnahmlos zu; faſt, wie es ſcheint, ohne auch nur im Entſernteſten zu ahnen, daß es ſich um die koſtbarſten Schätze ihrer ſelbſt als Kampfespreis handelt. Man braucht dabei fürwahr nur dieſes eine Gefecht in dem gewaltigen Principien⸗ kampfe unſerer Tage genauer in ſeinem Gange zu verfolgen, um ſich ſofort zu überzeugen, wie es auch hier im Grunde derſelbe Dualismus des Diesſeits und Jenſeits iſt, um den es ſich in letzter Inſtanz bei allen Fragen und Kämpfen handelt, welche die Geiſter ſicherlich noch auf lange hin beſchäftigen und von Zeit zu Zeit immer wieder tief aufregen werden. Weit günſtiger für die Er⸗ ziehung und die Schule war das Verhältniß dieſer maßgebenden Gewalten und Einflüſſe des Lebens im Alterthume. Im Allge⸗ meinen und Ganzen kann zuvörderſt wohl nicht in Abrede geſtellt werden, daß der Menſch der antiken Welt frei war von dem Dualismus einer diesſeitigen und jenſeitigen Welt, frei von allen den Ideen, Strebungen und innern Kämpfen, welche ſelbſt die wachſende Menge Glaubensloſer in unſeren Tagen ruhelos hin⸗ und hertreiben. Bei aller graduellen Verſchiedenheit der religiöſen Bildung begrenzte ein und derſelbe Naturglaube den Ideenkreis der Alten, zeichnete ihm die Geſichtspunkte vor und beſtimmte ſeine Tiefen. Selten nur faßte man das gegenwärtige Leben als Vorſtufe und Uebergang zu einer vollkommeneren Zukunft, noch ferner lag das Endliche dem Unendlichen und Jenſeitigen unter⸗ zuordnen. Wie den Alten ein Streit des Irdiſchen mit dem Idealen überhaupt unbekannt war, weil ſie dem Menſchen die Fülle der göttlichen Dinge beimaßen, ſo waren ſie ſich auch keines Gegenſatzes von Diesſeits und Jenſeits bewußt, kein Zwie⸗ ſpalt der Empfindung, am wenigſten der Keim einer unruhigen Sehnſucht bewegte ihr Herz. ¹2) Wenn auch vorzugsweiſe von den Griechen, gilt dieſes Alles nicht minder faſt und in der Haupt⸗ ſache auch von den Römern. ¹³)

¹²) Bgl. Bernhardy Griech. Literaturgeſchichte I. S. 170.

¹3) Lieſt man die mannigfachen Herzensergüſſe und Nachrufe auf den zahlloſen, allen Theilen und allen Ständen der großen römiſchen Welt an⸗ gehörigen Grabſteinen, welche noch jetzt fort und fort dem Boden entſteigen,