Aufsatz 
Pädagogische Bedeutung der Altertumsstudien in der Gegenwart
Entstehung
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antiken Pädagogik eine vollwichtige Bekräftigung. Letztere vornehmlich, als Produkt und Ausfluß der antiken Weltan⸗ ſchauung im Staats⸗ und Geiſtesleben, wie hinwieder als Unter⸗ lage und Vorausſetzung beider, ihrer Zwecke, Ziele und Erfolge gleich bedeutſam, nimmt darum anch in doppelter Hinſicht unſere beſondere Aufmerkſamkeit mit gutem Grunde in Anſpruch. Es ſind nämlich einerſeits die Grund⸗ und Vorbedingungen der antiken Erziehung, wie andererſeits die Mittel und Wege, mit denen die verſchiedenen Zwecke, Richtungen und Weiſen der Pädagogik von den Alten mit mehr oder weniger günſtigem Er⸗ folge behandelt worden ſind, welche für uns und unſere analogen Beſtrebungen ein ebenſo großes theoretiſches wie praktiſches In⸗ tereſſe haben und darum ſicherlich einer, wenn auch nur in Grund⸗ zügen und Umriſſen angedeuteten Betrachtung nicht unwerth er⸗

ſcheinen. ¹¹)

II.

Vorbedingungen der antiken Erziehung.

Drei mächtige Lebensfaktoren, Kirche, Staat und Familie theilen ſich heutzutage nicht allein in den Beſitz der Schule, ſondern befehden ſich theilweiſe auf das Heftigſte um die ausſchließliche und alleinige Berechtigung zur Leitung und Ueberwachung des Unter⸗ richts und der Erziehung. Während einerſeits die Kirche als göttlich beglaubigte Trägerin ewiger, das Diesſeits und Jenſeits be⸗ ſtimmender Ideen den maßgebenden Anſpruch auf das ihrem Schooß entſtammende Kind nicht aufzugeben vermag, ohne ſich ſelbſt auf⸗ zugeben und ihrer göttlichen Sendung untreu zu werden, iſt der Staat andrerſeits bemüht, auch die Schule, wie andere vordem rein kirchliche Inſtitute, von ſich aus zu geſtalten und ihr die Sig⸗ natur ſeines Eharakters aufzudrücken. Familie und Gemeinde ſehen dieſem hochwichtigen, immer heftiger entbrennenden Kampfe

¹1) Vgl. hierzu die Zeitſchrift für die Alterthumswiſſenſchaft 1850. n. 61. 62.