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kann.*) Werden demnach die Alterthumsſtudien dieſem Nothrufe der Gegenwart folgen und, wie bemerkt, ihre Richtung— und zwar mehr als bisher leider geſchehen iſt— auf die Hervorhebung und Betonung des Nationalen und Vaterländiſchen nehmen, ²) um damit zugleich eine ſolche Beziehung der antiken Welt zur Gegenwart ſich zum beſondern Zwecke zu ſetzen, ſo wird nicht allein die daraus erwachſende Belehrung, Warnung und Zurechtweiſung für letztere äußerſt erſprieslich und bedeutſam ſein, ſondern die Betrachtung des Alterthums ſelbſt wird ſich den Strebungen unſerer Tage gegenüber von einer bisher kaum geahnten Seite kräftigen und wohlthätigen, weil wahren und lebendigen Einfluſſes zeigen, vor welchem alle und jede Vorwürfe alſogleich verſtummen müſſen, mit denen man die claſſiſchen Studien ſeit langem ſchon zu über⸗ häufen nicht aufhören kann. Mögen letztere dabei nur unbeirrt auf der Bahn vorſchreiten, welche einer ihrer größten Vertreter, der unvergeßliche Barthold Georg Niebuhr, ihnen dazu vorgezeichnet hat, bei dem Brandis ganz beſonders die Fähigkeit hervorhebt, die Zuſtände, Begebenheiten und Perſönlichkeiten des Alterthums in ihrem Grunde und Weſen zu begreifen und durch veranſchaulichende Darſtellung dem Geiſte und der Empfindung zu vergegenwärtigen, auf dieſe Weiſe aber die alte Zeit als Spiegel der neuen darzuſtellen und die Lehre jener mit weiſer Ueberlegung für dieſe zu benutzen.“ ³) So wenig ſich die Alterthumswiſſenſchaft bei ihrer ohnehin ſchon ſo vielfach gegen früher alterierten Stellung zur geſammten nationalen Culturentwicklung dieſer neuen ebenſo dringenden und unerläßlichen als ihr ſelbſt überaus förderlichen Anforderung und Aufgabe wird entziehen können und wollen, um die neugewonnenen Reſultate mehr mit dem Leben in Verbindung
¹) Treffend hebt Meyer in ſeiner Ueberſicht des proteſtantiſch⸗deutſchen Unterrichtsweſens'(Eutin 1849) S. 9 dieſe Abgeſchloſſenheit des als vollendet und beendet vor uns liegenden Lebens der Alten im Gegenſatze zu der immer noch im Erzählen begriffenen modernen Hiſtorie hervor.
²) Vgl. Funkhänel in der Zeitſchrift f. Gymnaſialweſen IV. S. 506.
³) Vgl. Niebuhrs Brief an einen jungen Philologen, herausgegeben von K. G. Jakob, Leipzig 1839, S. 124.


