Aufsatz 
Eindrücke und Beobachtungen während eines Studienaufenthaltes in Frankreich
Entstehung
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Coeducation hat, allerdings beschrankt sie sich auch da auf die Schwestern der die Anstalt besuchenden Knaben. Im Collège Chaptal lernte ich einen großen Pariser Schulorganismus kennen, der in methodischer Hinsicht den Staatsanstalten sicher nicht nachsteht. Die deutsche Stunde des Herrn Simonnot war in der Tat eine Musterleistung, auf die ich aber nicht weiter einzugehen brauche, da sie im großen und ganzen dasselbe methodische Bild bot wie die bereits geschilderten Stunden. Interessant war es mir, durch die Güte des Herrn Simonnot einen Einblick in die Arbeit zu tun, die er für die Unterbringung von Schülern des College Chaptal in deutschen Familien leistet. Mit Hilfe der ehemaligen und der jetzigen Schüler dieser Anstalt hat man ein Kapital gesammelt, aus dessen Zinsen und aus sonstigen Einnahmen alljährlich nichtwenigetũchtige Schüler des Collegeeinen bestimmten Betrag für eine Ferienreise ins Ausland erhalten. Die Adressenvermittelung besorgt auch das College, und ich war erstaunt über die Menge deutscher Adressen, die mir Herr Simonnot zeigte.

Leider konnte ich Herrn Schweitzer nicht in seiner Schule, in dem Lycée Janson de Sailly, wo er bis vorigen Sommer gewirkt hat, hôren. Aber er gab mir in liebenswürdigster Weise die Erlaubnis, die Kurse für Lehrer und Lehrerinnen der Elementarschulen zu besuchen, die er seit Jahren in einem der Pariser Rathäuser abhält. So hatte ich Gelegenheit, auch diesen hervorragenden Mann im Unterricht tätig zu sehen, und ich muß sagen, daß die hohen Erwartungen, die ich gehegt hatte, noch bei weitem übertroffen worden sind. Jede Stunde war von Anfang bis zu Ende ein Meisterstück. Auch er verwandte die Anschauung in allen ihren Formen und im weitesten Sinne des Wortes, und zwar mit einer Sicherheit, einer nie versagenden Erfindungsgabe und unerschôpflichen Mannigfaltigkeit und dabei mit einer äußerst wohltuenden, harmonischen Ruhe, wie sie nur das Ergebnis einer langen, reichen Erfahrung und der Ausfluß einer gediegenen, abgeklärten und zielbewußten Persönlichkeit sein können. Mit Freude und Interesse vernahm ich von seinem Plane, ein Fortbildungsinstitut für Neuphilologen in Paris zu gründen, den er soeben auf dem Neuphilologentage in Hannover vorgelegt hatte und der nun seit November vorigen Jahres ver- wirklicht worden ist. Fürwahr, eine geeignetere Personlichkeit könnte ich mir an der Spitze eines solchen Unternehmens nicht denken. Es muß eine Lust sein, unter seiner liebenswürdigen und sachkundigen Führung zu arbeiten.

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